Ein erster Blick auf die iPad-App: "Wir wollen den Spiegel zu einem Teil neu erfinden"

 

Am Donnerstag, 27. Mai, wird voraussichtlich gegen Abend die iPad-App des "Spiegel" freigeschaltet. Die erste Ausgabe ist die vom 22. Mai und darum kostenlos erhältlich. Zum Start sprach kress mit Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron und Gesellschafts-Ressortchef Cordt Schnibben, der das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Clemens Höges redaktionell vorantreibt.

Am Donnerstag, 27. Mai, wird voraussichtlich gegen Abend die iPad-App des "Spiegel" freigeschaltet. Die erste Ausgabe ist die vom 22. Mai und darum kostenlos erhältlich. Zum Start sprach kress mit Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron und Gesellschafts-Ressortchef Cordt Schnibben, der das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Clemens Höges redaktionell vorantreibt.

Schnibben, ein bekennender iPhone-Fan, hat das Entwicklungsprojekt früh angestoßen. Die "Pad-Men", eine Gruppe von Verlagsmitarbeitern aus vielen Kreativabteilungen, tagen zweimal die Woche und beraten darüber, wie man den gedruckten "Spiegel", dessen Texte und Fotos den Kern der Anwendung bilden, um weitere Elemente ergänzen kann.

Schnibben sagt: "Wir wollen den Spiegel zu einem Teil auch neu erfinden."

Eine reguläre Ausgabe der App kostet 3,99 Euro, also mehr als das gedruckte Nachrichtenmagazin. Chefredakteur Blumencron sagt, es sei "richtig, eine hochpreisige Strategie zu verfolgen. Den Spiegel gibt es nunmal nicht umsonst." Die nächstniedrigere Preisstufe bei Apple liegt bei 2,99 Euro. Von den Erlösen muss der Verlag aber 30% an Apple abgeben.

Der Zugriff vom iPad auf den "Spiegel" kostet in jedem Fall, auch Bezieher des gedruckten Heftes. Der Verlag bietet ein Probe-Abonnement der iPad-Version über elf Ausgaben für 29 Euro an. Das reguläre Abo wird wie beim Printtitel 3,65 Euro pro Ausgabe kosten. E-Paper-Abonnenten können den "Spiegel" auch mit dem E-Reader auf dem iPad lesen. Für Print-Abonnenten kostet das E-Paper-Abo zusätzlich 13 Euro im Halbjahr. Die Website "Spiegel Online" ist und bleibt derweil kostenfrei, versichert Blumencron.

Blumencron sieht die Chance, neue Leser für das Nachrichtenmagazin zu gewinnen. Fotos sähen beispielsweise besser aus als auf Papier, findet der Chefredakteur. Zu den Anreizen gehört neben multimedialen Ergänzungen der Zeitschrift auch die Tatsache, dass die jeweils neue Ausgabe schon um 22 Uhr am Samstag abend freigeschaltet wird.

Schnibben glaubt: "Wenn es eine Redaktion gibt, für die das iPad gemacht ist, dann ist es die gemeinsame Redaktion von Spiegel, Spiegel TV und Spiegel Online." In der Tat verfügen nur wenige Medienhäuser auf ihrem Feld über ein so schlagkräftiges Team, das für eine Marke arbeitet und hausintern über eine Fülle von Bewegtbildern verfügt, die auf dem Apple-Gerät besonders gut zur Geltung kommen.

Anfangs sollen jeweils rund 15 Geschichten aus dem Heft mit multimedialen Ergänzungen versehen werden. Dazu können kleine "Trailer" zu Reportagen gehören, animierte Grafiken, Erklärstücke oder ein "Making Of" zu einer Reportage. Alle diese Formate, dazu originäre Beiträge, die es nur auf dem iPad geben soll, wurden im Vorfeld getestet.

Jetzt geht es um die Frage: Was kommt an? Und wie hört sich eigentlich der "Spiegel Sound" auf dem iPad an? Schnibben sagt: "Wir wollen einen Sog erzeugen."

Beim iPhone war der Spiegel-Verlag ein Spätzünder und kam erst vor kurzem mit einer App heraus, die im Wesentlichen das gedruckte Heft wiedergibt. Rund 1.000 mal wird jede Ausgabe laut Blumencron heruntergeladen, für ebenfalls 3,99 Euro.

Bei der Vermarktung arbeitete der Vermarkter Spiegel QC mit der Omnicom Media Group Germany zusammen. Als Werbekunden mit dabei sind z.B. Intel, Vodafone, Sky, Peugeot und Siemens .

In der vergangenen Woche erschien im "Spiegel" eine recht nüchterne Bestandsaufnahme der Medien-Apps auf dem iPad. "Kein Selbstläufer" sei das Gerät für Verlage, heiß es da. Reporter-Urgestein Schnibben sagt: "Der Spiegel braucht das iPad nicht unbedingt. Aber wir wären dumm, wenn wir nicht auf ihm stattfinden würden."

Derweil macht "Spiegel Online" ein eigenes Video-Center für iPad, iPhone und iPod touch auf. Dort werden den Nutzern der Apple-Geräte in einer aufbereiteten Version alle Videos der klassischen Web-Version präsentiert, ohne dass der Adobe Flash Player benötigt wird. Das neue Angebot ermöglicht es, ohne Installation einer App und ohne weitere Einrichtungsschritte über die URL auf alle Bewegtbildinhalte von Deutschlands führender Nachrichtenseite zuzugreifen. "Wir setzen damit als eine der ersten großen Websites in Deutschland ein Signal für offene Standards", sagt Rüdiger Ditz, Chefredakteur von "Spiegel Online".

Mehr Hintergrundinformationen und Einschätzungen über die iPad-App des "Spiegel" im gedruckten kressreport 11/2010, der am 28. Mai erscheint. Hier geht es zur Einzelheftbestellung, hier kann man ein kostenloses Testabo abschließen.

Ihre Kommentare
Kopf

Malte Herwig

27.05.2010
!

Hauptsache, die werden nicht so iPrüde wie die Bild. Die überklebt sogar die Damen in der Aldi-Werbung Screenshot: http://tinyurl.com/38bwtdo


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