AMD10/Tremor Media Jörg Blumtritt fordert "Virtuellen Rundfunk" im Netz

 

Wirbel auf der Bewegtbild-Konferenz AMD10 in München: Jörg Blumtritt, Geschäftsführer des Video-Ad-Spezialisten Tremor Media und Vorsitzender der AG Social Media, macht mobil gegen die Zensurmacht privatwirtschaftlicher Online-Riesen wie Google und plädiert für mehr öffentliche Lenkung: "Was wir brauchen ist eine Diskussion über 'Virtuellen Rundfunk', über ein öffentliches (oder öffentlich-rechtliches) Internet", sagte er am Rande der Tagung zu kress.

Wirbel auf der Bewegtbild-Konferenz AMD10 in München: Jörg Blumtritt, Geschäftsführer des Video-Ad-Spezialisten Tremor Media und Vorsitzender der AG Social Media, macht mobil gegen die Zensurmacht privatwirtschaftlicher Online-Riesen wie Google und plädiert für mehr öffentliche Lenkung: "Was wir brauchen ist eine Diskussion über 'Virtuellen Rundfunk', über ein öffentliches (oder öffentlich-rechtliches) Internet", sagte er am Rande der Tagung zu kress.

Ein Auslöser für Blumtritts provokantes Plädoyer für eine zeitgemäße Form von staatlich gesteuerten Internet-Engagements ist die umstrittene Publikationsgeschichte des berühmt-berüchtigten "Collerateral Murder"-Videos, das erst von Wikileaks veröffentlicht wurde - und vorher bereits der "Washington Post" bekannt war. Erst über Youtube wurde es allgemein zugänglich, dann aber auf Druck der US-Regierung entfernt. Nach Zunahme der weltweiten Aufmerksamkeit wurde es wieder online gestellt. Laut Blumtritt sei durch das zwischenzeitliche Einknicken von Google "elementar das Thema Pressefreiheit berührt". Daher folgert er: "Was nützt unabhängiger Journalismus, wenn die Veröffentlichung keinen mehr erreicht", so Blumtritt, "weil die Privatunternehmen, die monopolistisch den Zugang kontrollieren, zensieren?"

Im Zuge seines AMD-Referats, das sich eigentlich mit Online-Video-Geschäftsmodellen beschäftigen sollte, machte sich der Tremor-Boss für eine Diskussion um ein diskriminierungsfreies und pluralistisches Internet stark, wie er es sonst nur beim klassischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk verwirklicht sieht. Allerdings bezeichnet er die bisherigen Netz-Bemühungen etwa durch die Online-Mediatheken von ARD und ZDF im Georg-Kofler-Sinne als reine "Kanalverstopfung". Stattdessen wünscht er sich eine öffentliche Förderung netzneutraler Angebote, die jedem Publisher das gleiche Recht einräumen, seine Inhalte weiterzuverbreiten.

"Eine Website, die auf Google nicht gelistet wird, existiert de facto nicht", klagt Blumtritt. "Ein Buch, das Amazon nicht anbietet, kann man gleich wieder einstampfen; Musik, die iTunes nicht aufnimmt, wird nicht gehört werden." Wie der "virtuelle Rundfunk" im Netz konkret aussehen soll und wie er gefördert werden kann, ließ Blumtritt offen.

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