Polittalker im zweiten Anlauf: Günther Jauch kehrt zur ARD zurück

10.06.2010
 

Überraschung aus Köln: RTL-Star Günther Jauch heuert nach vielen exklusiven Dienstjahren beim privaten Marktführer auch wieder bei der ARD an. Im Herbst 2011 tritt er die Nachfolge von Anne Will an und übernimmt den Polittalk am Sonntagabend. NDR und WDR haben Jauch für drei Jahre verpflichtet. RTL bleibt er allerdings als Quizmaster von "Wer wird Millionär?" und diverser Shows erhalten. Die Moderation des RTL-Magazins "stern tv", von Jauchs Firma I&U produziert, gibt er ab.

Überraschung aus Köln: RTL-Star Günther Jauch heuert nach vielen exklusiven Dienstjahren beim privaten Marktführer auch wieder bei der ARD an. Im Herbst 2011 tritt er die Nachfolge von Anne Will an und übernimmt den Polittalk am Sonntagabend. NDR und WDR haben Jauch für drei Jahre verpflichtet. RTL bleibt er allerdings als Quizmaster von "Wer wird Millionär?" und diverser Shows erhalten. Die Moderation des RTL-Magazins "stern tv", von Jauchs Firma I&U produziert, gibt er ab.

"Schön, dass es im zweiten Anlauf geklappt hat. Jetzt freue ich mich auf meine Sendung am Sonntagabend im Ersten", so Jauch in einer ARD-Mitteilung. 2007 war der Wechsel Jauchs an den Gremien gescheitert, die damals mit langwierigem Hin und Her Jauchs Geduld überfordert hatten (kress.de vom 11. Januar 2007). Die einst von ihm als "Gremlins" verspotteten öffentlich-rechtlichen Bürokraten haben allerdings auch diesmal noch ein Wörtchen mitzureden: "Die Verabredung mit Günther Jauch steht unter dem Vorbehalt, dass die damit zu befassenden Gremien der ARD dieser Vereinbarung zustimmen", heißt es in der ARD-Mitteilung weiter.

Anfang September startet Jauch in seine zwölfte Saison "Wer wird Millionär?". "Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeite ich gut und vertrauensvoll mit RTL zusammen", sagt Jauch laut der RTL-Mitteilung. "WWM" gehe weiter, "so lange der Sender und ich Freude daran haben und die Zuschauer es sehen wollen", so Jauch. Auch an neuen Showkonzepten wollen Jauch und RTL weiterhin basteln. Laut Sender sind Neuauflagen von "5 gegen Jauch" geplant, Anfang Juli will RTL außerdem ein weiteres Showformat mit Jauch vorstellen.

Mit Jauchs Antritt will die ARD ihr Sendeschema ändern: Die "Tagesthemen" bekommen von Montag bis Donnerstag - endlich - einen einheitlichen Sendebeginn um 22.15 Uhr, gefolgt von Talksendungen in der Spätabendschiene. Auch "Anne Will" soll dann einen neuen Sendeplatz am Dienstag oder Donnerstag erhalten. Neben Jauch und Will sind noch Frank Plasberg mit "Hart aber fair", Sandra Maischberger und Reinhold Beckmann auf dem Schirm.

"Wir bieten dem Großmeister der journalistischen Unterhaltung ein Programmumfeld, das seinen Fähigkeiten entspricht. Und den Gebührenzahler kostet seine Verpflichtung keinen Cent mehr. Dazu die Vereinheitlichung der Tagesthemen-Anfangszeiten: ein perfekter Coup", sagt der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust.

Jauch hat bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten angefangen, moderierte in den 80er-Jahren im Radio des Bayerischen Rundfunks gemeinsam mit Thomas Gottschalk, später auch im Bayerischen Fernsehen u.a. die teils explosive Talkrunde "Live aus dem Alabama". Beim ZDF bestritt er diverse Rate-Shows und natürlich "das aktuelle sportstudio". 1990 startete Jauch bei RTL mit "stern tv".

Spätestens seit Jauch im vergangenen Jahr im "Zeit-Magazin" von seinem unerfüllten Traum einer Polit-Talkshow gesprochen hatte, bereitete sich die ARD auf einen zweiten Anlauf vor und lud ihn nicht nur als Talk-Gast ein, sondern beauftragte auch seine Produktionsfirma I&U TV wie z.B. "2009 - Das Quiz" oder die Show zum 60. Geburtstag der ARD im April. Als geräuschloser Unterhändler hat im Hintergrund NDR-Intendant Lutz Marmor die Fäden gezogen.

Dass Jauch vor drei Jahren nicht die Nachfolge von Sabine Christiansen angetreten hat, wurmte ihn noch lange. "Ich dachte damals, jetzt schließt sich der Kreis. Du hast mit politischem Journalismus angefangen, dann kam die Unterhaltung, dazu der Sport und jetzt zurück in die Politik", sagte Jauch dem "Zeit-Magazin". Jetzt hat er beides - Unterhaltung bei RTL und den Polit-Talk bei der ARD. Und wenn er mal wieder Lust auf Sport verspürt, wäre die ARD bestimmt nicht abgeneigt.

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