Kritik an WAZ-Aust-Magazinprojekt: Grotkamp rüffelt Hombach

 

Der gescheiterte Versuch der WAZ-Gruppe, mithilfe von Stefan Aust ein Nachrichtenmagazin zu starten, hat ein kleines Nachbeben ausgelöst: Die "FTD" erteilt am Montag Altverleger Günther Grotkamp das Wort, der von der Nordseeinsel Juist aus das Projekt und seine Förderer im Konzern attackiert. "Ich habe mich sehr gewundert, dass diese Sache überhaupt angegangen wurde", sagte er. Adressat der Kritik ist laut "FTD" vor allem Geschäftsführer Bodo Hombach (Foto). Die Wirtschaftszeitung will sogar erfahren haben, dass im Eigentümerkreis der Gruppe geprüft werde, gegen ihn auf Schadensersatz und Untreue zu klagen. Auf kress-Anfrage dementieren einige Gesellschafter solche Überlegungen bzw. geben zu Protokoll, von einem Prüfauftrag sei ihnen nichts bekannt.

Der gescheiterte Versuch der WAZ-Gruppe, mithilfe von Stefan Aust ein Nachrichtenmagazin zu starten, hat ein kleines Nachbeben ausgelöst: Die "FTD" erteilt am Montag Altverleger Günther Grotkamp das Wort, der von der Nordseeinsel Juist aus das Projekt und seine Förderer im Konzern attackiert. Ich habe mich sehr gewundert, dass diese Sache überhaupt angegangen wurde", sagte er der "FTD". Adressat der Kritik ist laut der Zeitung vor allem Bodo Hombach (Foto), einer der beiden Geschäftsführer der WAZ-Gruppe.

Die WAZ-Gruppe hatte Aust 2009 mit der Entwicklung des Magazins betraut und sich auf die Suche nach weiteren Partnern gemacht. Axel Springer war interessiert, doch im Mai kam das Aus: Man verfolge die Magazin-Pläne nicht weiter (kress.de vom 6. Mai 2010) - wegen des "gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfelds". "Das wusste man doch schon vorher", kontert nun Grotkamp via "FTD". Der Anzeigenmarkt sei bereits vor einigen Jahren eingebrochen. Der 82-Jährige kritisiert zudem, dass sich Aust die Rechte und Konzepte an dem Projekt gesichert hat: "Wir haben auf unsere Arbeitsergebnisse keinen Zugriff."


"Diese Unterstellung ist Unsinn"

Die Wirtschaftszeitung schreibt unter Berufung auf Gesellschafterkreise der WAZ-Gruppe, dass 5 Mio Euro in das Magazinprojekt geflossen seien sollen. Die "FTD" will in Essener Unternehmenskreisen zudem erfahren haben, dass Hombach möglicherweise seine Kompetenzen überschritten habe. Gesellschafter prüften sogar, auf Schadensersatz und Untreue zu klagen. Davon wolle Grotkamp allerdings "nichts wissen".

Das geht anderen im Haus ähnlich: Auf kress-Anfrage wiesen Vertreter beider Eigentümerfamilien die Behauptung zurück, wonach eine Klage gegen Hombach geprüft werde. Die Mehrheitsgeschäftsführerin der Brost Holding, Anneliese Brost, sagt, diese "Unterstellung" sei "Unsinn", und will die Angelegenheit nicht weiter kommentieren. Gisela Holthoff, bei der Entscheidung über den Start des Aust-Projektes Geschäftsführerin der Funke-Familien-Gesellschaft, lässt ihren Adoptivsohn, den Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner, für sich sprechen: "Angebliche Überlegungen, auf Schadensersatz oder Untreue zu klagen, sind mir vollkommen fremd. Von einem etwaigen Prüfantrag ist mir nichts bekannt."

Günther Grotkamp war bis 1999 Geschäftsführer der WAZ-Gruppe. Seine Frau Petra Grotkamp ist mit einem Drittel am Funke-Stamm beteiligt, der wiederum die Hälfte an der WAZ-Gruppe hält. Zwischen dem Ehepaar und den übrigen Funke-Mitgesellschaftern ist es in der Vergangenheit häufig zu Konflikten gekommen. Bodo Hombach vertritt als Geschäftsführer allerdings den Brost-Stamm, die zweite Eigentümerfamilie der WAZ-Mediengruppe. Der Mann der Funkes in der Geschäftsführung ist Christian Nienhaus. Von dessen Rolle beim Magazinprojekt lesen wir in der "FTD" nichts.

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