Apocalypse Now: Mein Flug mit dem "Handelsblatt"-Hubschrauber

25.06.2010
 

Die Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) ködert derzeit potenzielle Abonnenten mit dem "Handelsblatt"-Hubschrauber: Ein ferngesteuerter Mini-Helikopter im Austausch für vier Wochen Testabo der Wirtschaftszeitung, wahlweise sieben Ausgaben der "WiWo" - verlockend! Neben Apples iPad als Werber-Prämie für ein Zwei-Jahres-Abo packt die VHB die Wirtschaftsentscheider also bei ihren infantilen Sehnsüchten. Jeder wollte doch mal Heli-Pilot sein, auch ich!

Die Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) ködert derzeit potenzielle Abonnenten mit dem "Handelsblatt"-Hubschrauber: Ein ferngesteuerter Mini-Helikopter im Austausch für vier Wochen Testabo der Wirtschaftszeitung, wahlweise sieben Ausgaben der "WiWo" - verlockend! Neben Apples iPad als Werber-Prämie für ein Zwei-Jahres-Abo packt die VHB die Wirtschaftsentscheider also bei ihren infantilen Sehnsüchten. Jeder wollte doch mal Heli-Pilot sein, auch ich! Zeit für einen Testflug.

Donnerstag, 24. Juni, 09:00. Knapp zwei Wochen nach Bestellung trifft mein Fluggerät im kress-Hangar ein, der Start des parallelen "Handelsblatt"-Abos hatte meine Geduld weit weniger gefordert. 28,60 Euro habe ich insgesamt berappt.

Donnerstag, 24. Juni 09:15. Der erste Rundum-Check hinterlässt mich skeptisch: Deutlich kleiner als erwartet, die Maschine. Wirkt zerbrechlich gar. Trotz der aktuellen Krise kommt der Hubschrauber ohne Bewaffnung aus. Ich bereue, nicht die "Airwolf"-Variante geordert zu haben. Meine Version ist in zivilem Rot-Weiß gehalten. Sechs Batterien (nicht im Lieferumfang) und ein kurzer Funk-Check, damit sich Steuerung und zu Steuernder verstehen - schon ward mein Fluggerät startklar gemacht. Aus dem Karton fällt noch ein Beipackzettel, eine Art Flugschule in 1000 Zeichen. Braucht kein Mensch, denke ich, "Easy to fly!" bestärkt mich der Verpackungsaufdruck. Wie naiv!

Donnerstag, 24. Juni, 10:00. Optimale Flugbedingungen, ich wage es. Beim ersten überschwänglichen Take-Off hetzt der Heli wie eine aufgeschreckte Maus über den Teppich. Zu viel Schub! Aber schon nach Minuten bessert sich die Lage, bis mein Hubschrauber buchstäblich aus heiterem Himmel den Dienst versagt. Muss ich etwa schon das Abo verlängern? Die Akkus sind die Ursache. Betankt wird der Heli wahlweise über einen versteckten Rüssel in der Fernsteuerung oder über USB-Kabel, das in der "Handelsblatt"-Version als Goodie mitgeliefert wird. Ich bin von der Bürotauglichkeit beeindruckt!

Donnerstag, 24. Juni, 13:30. Langsam werde ich zum Könner. Vorsicht mit dem Gashebel, Seitenruder immer im Blick. Über die "Trimmer" beeinflusse ich die Balance. The sky is the limit, zunehmend fühle ich mich von der geringen Reichweite beengt - verbiete mir aber, daraus gedanklich Analogien zum Versender meines Flugobjekts abzuleiten. Ich werde übermütig, es folgt das Ungemach: Während eines unbeherrschten Manövers streift der Rotor den umstehenden Redaktions-Kollegen im Genick. Nur sein blitzschnelles Ducken rettet ihm den Hals, Gott bewahre!

Freitag, 25. Juni, 11:00. Immer noch geht mein Heli gelegentlich unsanft im Zeitschriftenstapel neben dem Büro des Chefredakteurs nieder. Ein Flammen-Inferno wird nur verhindert, weil mein Hubschrauber von einem umweltschonenden Elektromotor angetrieben wird. Testflüge auf der Kantinenterrasse habe ich bereits gestern wegen der zugigen Windverhältnisse unter freiem Himmel und aus Respekt vor der starken Präsenz der US-Militärs am Heidelberger Redaktionsstandort eingestellt.

Fazit: Unsere neue Redaktions-Drohne erweist sich als erstaunlich robust, wenn auch nicht für den großflächigen Waffengang ausgelegt. Folgenschwere Pilotenfehler können dank des mitgelieferten Notfall-Kits schnell ungeschehen gemacht werden - allerdings schwant mir, dass der Vorrat an Ersatzteilen schon bald zur Neige gehen wird. Alles in allem ein prima Pausenfüller. Der gefühlte Flugwind belüftet das schwüle Sommerklima im Bürobunker und Chefs können gelassen bleiben: Für weit mehr als eine Kippenlänge hält sich das Ding nicht in der Luft.

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