Die neue Strategie von ddp und DAPD: Die Zeiten als Komplementäragentur sind vorbei

 

"Jetzt schauen Sie mal visionär an der Kamera vorbei", sagte der Fotograf zu Cord Dreyer (Foto), dem Chef der Agenturgruppe DAPD ddp. Dreyer tat ihm den Gefallen. Bei der Vorstellung des neuen Basisdienstes dapd erläuterte der ehemalige dpa-Mann Dreyer nach dem Fototermin, wie sich das Unternehmen ab Herbst redaktionell aufstellt. Wichtigste Botschaft: Die Zeiten als Komplementäragentur sind vorbei.

"Jetzt schauen Sie mal visionär an der Kamera vorbei", sagte der Fotograf zu Cord Dreyer (Foto), dem Chef der Agenturgruppe DAPD ddp. Dreyer tat ihm den Gefallen. Bei der Vorstellung des neuen Basisdienstes dapd erläuterte der ehemalige dpa-Mann Dreyer nach dem Fototermin, wie sich das Unternehmen ab Herbst redaktionell aufstellt. Wichtigste Botschaft: Die Zeiten als Komplementäragentur sind vorbei.

Dreyer prognostizierte, dass die Zahl der Medien steigen wird, die mit nur einer Nachrichtenagentur auskommen müssen. Darum positioniert sich die Gruppe mit einem umfassenden In- und Auslandsdienst neu. Das Kalkül dahinter: Wenn die These stimmt, hat Marktführer dpa eine Alleinstellung und kleinere Agenturen zur Ergänzung werden von den Kunden aus Kostengründen vermutlich abbestellt. Darum besteht die Überlebenschance darin, als Vollprogramm aufzutreten - und damit dpa anzugreifen.

Doch über dpa mochte Agenturchef Dreyer gar nicht so viele Worte verlieren. "Wir stellen unser Programm vor", erklärte er die Zurückhaltung. Nach einigen verbalen Angriffen auf dpa von Seiten der DAPD ddp-Eigentümer will man sich offenbar auf das Kommunizieren der eigenen Leistungen konzentrieren. In den Aufbau einer neuen Struktur und eines neuen Newsrooms stecke man Millionen Euro, sagte Dreyer.

Für den neuen Basisdienst arbeiten 200 Textredakteure und 77 feste Fotografen, dazu kommen weitere 200 redaktionelle Mitarbeiter im Inland (dazu das nicht-unternehmenseigene AP-Netzwerk im Ausland). Konkurrent dpa beschäftigt laut Eigenangaben 800 Redakteure, davon 100 im Ausland und zudem "viele Tausend" freie Mitarbeiter. Wie will der Herausforderer es schaffen, trotz deutlich weniger Mitarbeitern dpa auf Augenhöhe zu begegnen?

"Agenturen produzieren viele Meldungen, die keiner braucht", sagte Dreyer. Das Kundenportal "newsplaner.de " soll helfen, die Nachfrage zu analysieren und künftig für Kunden irrelevante Meldungen zu vermeiden. "Die Kundenredaktionen sitzen mit uns am Newsdesk", versprach Dreyer. Das hört sich zunächst gut an; ob das in der Praxis bei einem durchgehenden Nachrichtenbetrieb mit völlig unterschiedlichen Kunden und Ansprüchen umzusetzen ist, wird sich erst ab September zeigen, wenn der Newsdesk seine Arbeit aufnimmt.

Die Latte legt Dreyer jedenfalls sehr hoch: Mehr Lesegeschichten, mehr Features, mehr People, mehr Recherche, mehr Digital Lifestyle, mehr Tiefe und Analyse und mehr Geschichten aus der Region - das klingt sehr appetitlich, aber was dann tatsächlich auf dem Teller landet, werden die Kunden sehr genau anschauen müssen.

Das wichtigste Ziel für den Vertrieb der Agenturgruppe muss nun sein, so schnell wie möglich viele Bestandskunden von ddp und DAPD (alt) zu überzeugen, zum neuen Dienst dapd zu wechseln. In der Praxis werden viele Kunden sicher bei ihren Altverträgen bleiben und überprüfen, ob ein Wechsel für sie lohnt. Denn zwingend mit einem Wechsel verbunden wäre die Überlegung, ob man an dem Basisdienst von dpa, der in Zeitungsredaktionen noch immer zum Standard gehört, festhält. Der Dienst dapd muss also von Anfang an beweisen, dass er am Markt konkurrenzfähig ist.

Gesellschaftsrechtlich fusionieren die Agenturen DPAD und ddp übrigens nicht. Damit arbeiten die Redakteure, die für den neuen Basisdienst arbeiten, weiter mit unterschiedlichen Tarifverträgen. Peter M. Gehrig, bisher Chef von DAPD, der Nachfolgeagentur von AP Deutschland, wird Chef einer noch zu gründenden "DAPD Akademie", in der Mitarbeiter ausgebildet werden sollen.

"Der Markt braucht einen zweiten umfassenden Dienst", sagte Dreyer bei der Präsentation des neuen Konzepts in Berlin-Mitte. "Und er muss bezahlbar sein". Im Vergleich zu dpa dürfte der dapd-Basisdienst in etwa 20-25% günstiger sein, heißt es in der Branche.

Spannend dürfte auch werden, wie die Mitbewerber AFP und Reuters vom neuen dapd-Angebot beeinflusst werden. Stimmt die These, dass viele Medienkunden bald nur noch die Dienste einer Agentur in Anspruch nehmen, dürfte es für sie eng werden. Eine Prognose, wie sich die Agenturlandschaft in Deutschland, die zu den wettbewerbsintensivsten der Welt gehört, verändert, wagte Dreyer nicht, sagte dazu aber: "Wir wollen übrig bleiben."

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