Artikel über Lieblingsfeinde rentieren sich: "taz.de" erflattrt rund 1.000 Euro

01.07.2010
 

"taz.de" hat im Juni 988,50 Euro erflattrt. Hinter "Flattr" steht der Versuch, ein System zu entwickeln, mit dem Menschen Internet-Angebote, die ihnen gefallen, finanziell unterstützen können. Interessant ist, was die "taz.de"-Leser am stärksten honoriert haben: Nicht die besten Reportagen und auch nicht die Artikel mit den besten Hintergrundinformationen der Fachredakteure,

"taz.de" hat im Juni 988,50 Euro erflattrt. Hinter "Flattr" steht der Versuch, ein System zu entwickeln, mit dem Menschen Internet-Angebote, die ihnen gefallen, finanziell unterstützen können. Interessant ist, was die "taz.de"-Leser am stärksten honoriert haben: Nicht die besten Reportagen und auch nicht die Artikel mit den besten Hintergrundinformationen der Fachredakteure, sondern Texte, in denen es gegen die Lieblingsfeinde der Leser gehe, wie dem "taz"-Hausblog zu entnehmen ist. Also Neonazis, der Hochadel, die "Bild"-Zeitung, die schwarz-gelbe Bundesregierung.

5.590-mal seien die Texte im Juni geflattert worden, insgesamt habe der Micropayment-Dienst 988,50 Euro eingebracht (im Mai waren es 143,55 Euro, allerdings auch nur innerhalb der letzten zwölf Tage des Monats). Für einen Flattr erhielt "taz.de" im Schnitt 17,7 Cent. 

Die Hitliste der besthonorierten Artikel:

Platz 1: 31,11 Euro für einen Artikel, der davon handelte, wie eine Horst-Köhler-Satireseite unter dubiosen Umständen aus dem Netz verschwand. "Ein selbst recherchiertes Stück, bei dem der Staat nicht gut wegkommt und es zudem noch um ein Netzthema geht – dafür zahlen unsere Leser offenbar gern".

Platz 2: Der Artikel über die hohe Roaming-Abrechnung der Telekom gegenüber "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann brachte "taz.de" 29,54 Euro ein. Der Artikel habe nur drei Absätze gehabt und keine Informationen enthalten, die nicht zuvor auch schon an anderer Stelle veröffentlicht worden wären. "Der Klick zum Flattr-Knopf lässt sich hier nur über den hohen Schadenfreude-Faktor des Textes erklären."

Platz 3: 24,89 Euro sei den Lesern ein Artikel wert gewesen, in dem "taz.de" dokumentierte, wie in der Medienberichterstattung aus einem explodierten "Böller" auf einer kapitalismuskritischen Demonstration innerhalb weniger Tage eine "Splitterbombe" wird.

Die weiteren Plätze...

Nicht alle gutgeklickten Artikel seien auch viel geflattert worden. Der Klick-Spitzenreiter des Monats, der Live-Ticker über die Bundespräsidentenwahl, sei nur 19-mal geflattert worden (der Text auf Platz 1 wurde 157-mal geflattert). "Aber das wurde wohl eher als Chronistenpflicht-Berichterstattung gesehen, mit der man offenbar keinen Blumentopf gewinnen kann." Auf die Themenauswahl der Redaktion soll die Flattr-Bilanz übrigens keinen Einfluss haben.

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