Newsportal zieht ab Dienstag neue Seiten auf: "Focus Online" geht in die Breite

 

Das Nachrichtenportal "Focus Online" zieht ab Dienstag neue Seiten auf. Versprochen sind ein breiteres, übersichtlicheres Layout, eine "stärkere Inszenierung" von Fotografie und Bewegtbildern und neue interaktive Funktionen und Tools.

Das Nachrichtenportal "Focus Online" zieht ab Dienstag neue Seiten auf. Versprochen sind ein breiteres, übersichtlicheres Layout, eine "stärkere Inszenierung" von Fotografie und Bewegtbildern und neue interaktive Funktionen und Tools.

Eine Reihe der Versprechungen kann das neue "Focus Online" tatsächlich einhalten. Es geht in der Tat in die Breite - vergleicht man alte und neue Seiten, atmet der Nutzer im neuen Layout geradezu auf, das enge Korsett ist verschwunden. Der Lesbarkeit und der Übersicht kommt die bessere Nutzung des Screens sehr zugute. Der Aufbau und die Struktur der Homepage ist deutlich stimmiger geworden.

Auch im Titelkopf erkennt man nun schneller und besser, wo man sich überhaupt befindet und welche Ressorts sich ansteuern lassen. Im alten Layout war der Titelkopf samt Navigation vergleichsweise blass. Werbung über dem Titel soll es angeblich künftig nicht geben, auch wenn die attraktiver gestaltete Seite insgesamt natürlich mehr Werbung anziehen soll.

Wie zuvor "Spiegel Online" hat nun auch "Focus Online" neben Artikeln eine linke Spalte eingeführt mit Links zu weiterführenden Artikeln und der Verschlagwortung. Die "Baukasten-Logik" hinter dem neuen Design sorgt dafür, dass sich Nutzer schneller auf der Seite zurechtfinden und die Artikel trotz vieler weiterführender Informationen im Mittelpunkt stehen.

Was bisher nicht so gut aufgeht, ist die versprochene Inszenierung der Fotos. Das Aufmacherfoto auf Homepage und Ressortseiten ist tatsächlich sehr groß und aufmerksamkeitsstark angelegt. Auch das Blättern in Foto-Galerien innerhalb eines Kastens, für das man die Artikelseite nicht verlassen muss, ist gut geraten.

Was nicht stimmig ist, sind die sehr klein geratenen Fotos zu Artikeln, die nicht Aufmacher sind. Viel zu erkennen ist auf diesen Bildern nicht. Die Diskrepanz zwischen riesigen Aufmacherbildern und Fitzel-Fotos ist zumindest in der ersten Betrachtung zu groß. Ebenfalls nicht stimmig ist, dass die Fotos in der rechten Spalte, z:B. die "Bilder der Woche", vom Format größer sind als die Teaser-Fotos in der Ressortübersicht.

Zwei neue Tools hat sich das Team um "Focus Online"-Chef Jochen Wegner ausgedacht. Mit dem "Schlagzeilen-Tool" kann der Nutzer eine Übersicht der neuesten Meldungen in den von ihm bestimmten Ressorts wählen. In der Tabellenübersicht lässt sich anhand einer Balkengrafik auch erkennen, wie hoch der Abruf der einzelnen Artikel ist und wie viele Kommentare zum Stück freigeschaltet wurden.

Das Tool "Thema verfolgen" erlaubt es, einzelne Schlagworte zusammenzustellen, an denen man besonders interessiert ist - zum Beispiel "Notfälle" für die Katastrophe bei der Loveparade. Das Werkzeug soll "Focus Online" zu mehr Personalisierung führen, ist aber zumindest vom ersten Eindruck nicht so einladend, wie es sein sollte. Dem Nutzer werden vorab 200 Schlagworte vorgeschlagen, deren Verwaltung durch Löschen und Hinzufügen erschließt sich aber nicht unmittelbar.

Unterm Strich ist den Machern in Sachen Nutzerführung und Übersichtlichkeit ein Schritt nach vorne gelungen. Elegant wirkt die Seite auch von der Typo und der Gestaltung der Kästen nicht, im Vordergrund steht Funktionalität und Nüchternheit. Jochen Wegner, ein Netz-Pionier und wie kaum ein anderer seiner Kollegen mit der Internet-Nachrichtendenke vertraut, wird wissen, warum er auf optische Mätzchen verzichtet. Optimierung im Internet bedeutet in erster Linie Reduzierung.

Im Vergleich zu "Spiegel Online" fehlt "Focus Online" leider dennoch etwas Seele, ein Stück Persönlichkeit. Die Sachlichkeit geht auf Kosten eines eigenen "Sounds", der dem Nutzer auch so etwas wie eine Heimstatt im Netz verspricht, in der man sich trotz Katastrophenmeldungen wohl fühlen kann. Eine größere Differenzierung zu automatisierten Portalen wie "nachrichten.de", das auch aus dem Hause Tomorrow Focus kommt, wäre von der Gestaltung nötig.

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