Jahrestagung Bundesverband Presse-Grosso: Schlagabtausch zwischen Grosso und Verlagen

 

In wenigen Tagen wollen der Bundesverband Presse-Grosso und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) wieder über die Zukunft des Grosso-Vertriebssystems reden. Bis es soweit ist, setzen sie ihren öffentlichen Schlagabtausch fort: Bei der Jahrestagung der Grossisten in Baden-Baden ging der Vorsitzende des Verbandes Frank Nolte (Foto) am Dienstag scharf mit einem VDZ-Positionspapier von August ins Gericht. Die Verlage versuchten mit ihrem Forderungskatalog lediglich, eine Verhandlungsposition aufzubauen, um bessere Konditionen rauszuschlagen: "Es geht ums Geld."

In wenigen Tagen wollen der Bundesverband Presse-Grosso und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) wieder über die Zukunft des Grosso-Vertriebssystems reden. Bis es soweit ist, setzen sie ihren öffentlichen Schlagabtausch fort: Bei der Jahrestagung der Grossisten in Baden-Baden ging der Vorsitzende des Verbandes Frank Nolte (Foto) scharf mit einem VDZ-Positionspapier von August ins Gericht. Die Verlage versuchten mit ihrem Forderungskatalog lediglich, eine Verhandlungsposition aufzubauen, um bessere Konditionen rauszuschlagen: "Es geht ums Geld." Einzelne Verlage hätten ihm bedeutet, die Grossisten müssten nur einen "Geldkoffer hinstellen", dann käme es schnell zur Einigung.

Grossisten und VDZ haben ihre Vorstellungen zum Grosso-Vertriebssystem jeweils an den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geschickt, der in dem Konflikt moderiert (kress.de vom 2. September 2010). Beide Schriftstücke weichen in wesentlichen Punkten voneinander ab: So behauptet der VDZ, dass die so genannte Gemeinsame Erklärung von 2004 auch Kündigungen von Grossisten durch Verlage aus wirtschaftlichen Gründen zulässt. Die Grossisten möchten die Kündigungsgründe hingegen eng begrenzen. Strittig sind zudem u.a. der Umfang der Mitsprache der Verlage bei Fusionen von Grosso-Unternehmen und die Rolle des Verlags-Grosso.

"Unfair und falsch"

Bei der Jahrestagung der Grossisten in Baden-Baden trafen die Kontrahenten auch unmittelbar aufeinander: Beim Vertriebsforum erläuterte Springer-Vertriebschef Torsten Brandt, zugleich Sprecher des Arbeitskreises Pressemarkt Vertrieb (PMV) im VDZ, die Position seines Verbandes: Er warf der anderen Seite vor, den Eindruck zu erwecken, die Verlage wollten das derzeitige Vertriebssystem abschaffen. Das sei aber "unfair und falsch", so Brandt. Auch er sieht den Konflikt mit den Presse-Großhändlern im Kern als Verteilungskonflikt. Die Grossisten verteidigten ihre "Monopolrenditen". Zum Thema Kündigung von Grossisten sagte Brandt, Verlage müssten das Recht haben, sich für "leistungssstarke und kostengünstige Partner zu entscheiden", sofern sie sich weiterhin zu den Essentials des Vertriebssystems bekennen. Die gebietsbezogene Alleinauslieferung durch einen Grossisten sei zumeist der bessere Weg - aber: "Vereinzelte Wettbewerbssituationen können nicht ausgeschlossen werden."

"Maßlos enttäuscht"

Die Grossisten seien "maßlos enttäuscht von der Art und Weise der Behandlung durchs VDZ-Positionspapier", erwiderte Nolte. Die Forderungen der Verlage nach einer Umverteilung in "absurder und existenzvernichtender Höhe" seien "nicht konstruktiv".

Deutlich wurde in Baden-Baden aber auch, dass bei allem Schlagabtausch über politische Themen beide Seiten im Tagegeschäft weiter konstruktiv zusammenarbeiten. So stellt das Presse-Grosso von 2011 an sein Data Warehouse auch Verlagen und Nationalvertrieben sowie Pressegroßhändlern, die nicht im Verband organisiert sind, zur Nutzung bereit. Das vom Grosso-Verband entwickelte Data Warehouse dient der Analyse des deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenmarktes. Wöchentlich werden titelbezogene Verkaufs- und Regulierungsdaten wie Bezugs- und Remissionszahlen sowie Objektstammdaten und soziodemographische Daten gesammelt, aufbereitet und veredelt. Verlage und Grossisten einigten sich zudem auf eine Neufassung des so genannten Koordinierten Vertriebsmarketings (KVM), das die vertrieblichen Leistungen von Verlagen und Grossisten regelt. Außerdem modifizierten beide Parteien gemeinsam die Einzelhandelsstrukturanalyse (Ehastra).

Der Bundesverband Presse-Grosso präsentierte in Baden-Baden auch Branchendaten fürs erste Halbjahr 2010: Demnach fiel der Gesamtabsatz des Grossos um 0,15%, der Gesamtumsatz stieg leicht um 0,33% auf 1,360 Mrd Euro. Diese Entwicklung ist den Non-Press-Artikeln, z.B. Fußball-Sammelbildern, geschuldet. Das leichte Umsatzplus sei gemessen am Trend der vergangenen Jahre ein "sehr gutes Ergebnis", sagte Michael Gotzens, Vorstandsmitglied des Grosso-Verbands. Im Kerngeschäft mit Presse sei man aber weiter im Minus: Der Presseabsatz der Grossisten ging im ersten Halbjahr um 3,47% zurück, der Presseumsatz fiel um 1,13% auf 1,304 Mrd Euro.

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