Der Online-Kiosk Pubbles im kress-Check: Lese-Büdchen mit Macken

 

Seit Mittwoch ist der Online-Kiosk der Bertelsmann Direct Group und des Deutschen Presse-Vertriebs (DPV) geöffnet. kress hatte Pubbles, so der Kunstname des digitalen Zeitschriften- und Buchladens, bereits im Betatest angeschaut und fand zum Start noch immer einige Kinderkrankheiten.

Seit Mittwoch ist der Online-Kiosk der Bertelsmann Direct Group und des Deutschen Presse-Vertriebs (DPV) geöffnet. kress hatte Pubbles, so der Kunstname des digitalen Zeitschriften- und Buchladens, bereits im Betatest angeschaut und fand zum Start noch immer einige Kinderkrankheiten.

Für diesen Test wurde die iPad-App von Pubbles verwendet, die über den App Store von Apple leicht zu installieren ist. In der App finden sich vier Hauptnavigationspunkte: "Lokale Bibliothek" (hier lassen sich die Einkäufe lesen), "Zuletzt gelesen", "Shop" (genau, hier wird gestöbert und gekauft) und "Mehr" (Einstellungen, Hilfe, usw.).

Was von Beginn an leicht verwirrt: Die Pubbles-App manövriert ständig zwischen App-Oberfläche und Web hin und her. Die lokale Bibliothek ist in der App, damit die Einkäufe von dort auch offline zu lesen sind. Wechselt man aber in den Shop, wird dort die Internet-Oberfläche aktiviert, wo man sich zunächst auch noch einmal einloggen muss, obwohl ein App-Benutzer eine Authentifizierung schon hinter sich hat. Im Fall eines Verlustes des iPad kann eine solche zusätzliche Sperre freilich hilfreich sein. Doch es kann auch passieren, dass die Kundendaten wiederholt eingegeben werden müssen, z.B. auch, um die Hilfeinformationen einsehen zu können.

Der Wechsel aus der App ins Netz ist vermutlich nötig, damit die Betreiber von Bertelsmann sich und ihren Partnern die vollen Umsätze aus dem Verkauf von Inhalten gutschreiben können. Zudem erfahren sie so, um wen es sich bei dem jeweiligen Käufer überhaupt handelt. Findet ein Kauf innerhalb einer App statt, behält Apple 30% des Umsatzes und die Kundeninformationen dazu. Viele Medienunternehmen bedienen sich mittlerweile dieses kleinen Umgehungstricks. Apple toleriert das - noch.

Im Shop ist das Angebot vor allem an Zeitungen und Zeitschriften bisher äußerst übersichtlich. Zwar sollen nach Bekunden der Initiatoren laufend neue Titel dazukommen, zum Start ist der Kiosk aber eher ein Kiöskchen. Selbst der konzerneigene "stern" fehlt im Angebot, auch die "Financial Times Deutschland" sucht man vergeblich. Dafür gibt es das "Handelsblatt" für 2,10 Euro, "Gala" für 2,39 Euro oder "Öko-Test" für 3,80 Euro. Die "Welt", die im Betatest noch mit einer Probeausgabe vertreten war, ist zurzeit nicht erhältlich. Unter lokalen Medien ist seit Mittwoch abend die "WAZ" mit zwei Regionalausgaben vertreten. Die "Sächsische Zeitung" von Gruner+Jahr glänzt dagegen durch Abwesenheit.

Im Umfeld einiger Verlage ist zu hören, dass DPV und Direct Group erst vor wenigen Wochen mit der Einladung auf sie zugekommen sei, ihre Inhalte in Pubbles einzustellen. Während es nachvollziehbar ist, dass zunächst die technische Plattform, die sicher alles andere als trivial zu programmieren ist, fertiggestellt werden muss, ist eine solch kurzfristige Vorgehensweise dann doch verwunderlich. Insofern scheint es nachvollziehbar, dass das Angebot noch ausbaufähig ist.

Das Angebot an Büchern ist mit derzeit ca. 3.000 Titeln, die Mehrzahl davon in der populären Belletristik, schon ansehnlicher. Trotzdem ist die Auswahl aber alles andere als ausreichend, als dass Pubbles als Online-Vollsortimenter durchgehen könnte. Anders als bei Zeitungen und Zeitschriften liegen die Preise für E-Books etwas unter denen der gedruckten Ausgaben. So gibt es den neuen Ken Follett für 19,99 statt für 28 Euro, Thilo Sarrazin für 18,99 statt 22,99 Euro, usw.

Möchte man nun zum Kauf schreiten, wählt man im Shop einen Titel aus - z.B. eine "Capital"-Ausgabe. Nach dem Bezahlvorgang, der psychologisch für Nutzer eine entscheidende Hürde ist, wird die App neu gestartet und der Download des Titels beginnt. Funktioniert alles, ist der Titel nun auch in der lokalen Bibliothek abgelegt. Im Betatest verschwanden die dort eingestellten Titel immer wieder, wenn man zwischendurch die App beendet hatte, um etwas anderes auf dem iPad zu tun. Dieser Bug ist nun behoben.

Die bisher eingestellten Titel sind reine PDF-Versionen gedruckter Zeitschriften und Zeitungen. Multimediale Inhalte gibt es dort nicht. Nach Aussage der Betreiber soll es aber auch technisch möglich sein, Titel mit solchen Inhalten innerhalb von Pubbles darzustellen. Was technisch anscheinend aber nicht möglich ist, wäre der Kauf einer App innerhalb der App. Konkret: Die sehr auf das iPad zugeschnittene App-Version der "Frankfurter Rundschau", die sich bewusst vom PDF des gedruckten Titels entfernt und auch ein ganz eigenes iPad-Layout entwickelt hat, könnte demnach nicht innerhalb von Pubbles gekauft werden.

Ein absoluter Knackpunkt: Diese Beschränkung würde nämlich bedeuten, dass sich Medienmarken eine sehr differenzierte Strategie zum Vertrieb ihrer digitalen Ausgaben überlegen müssen, inklusive einer stimmigen Bepreisung. Wollen sie nämlich für einen ihrer Titel eine eigenständige App für einen Tablet-PC entwickeln, der die multimedialen Möglichkeiten der Geräte auch ausschöpft, dürften sie diese wegen des Mehrwertes nicht deutlich günstiger anbieten als die gedruckte Ausgabe.

Die reine PDF-Ausgabe aber, die dann über Kioske wie Pubbles zu kaufen wäre, müsste demnach um einiges günstiger sein als gedruckte Ausgabe und App-Version. Denn Mehrwerte bieten PDFs nicht, Kosten für Druck entfallen und die Vertriebskosten sind zumindest geringer als bei gedruckten Zeitungen. Was wiederum die Gefahr mit sich brächte, dass der günstigere digitale Titel den gedruckten Titel mittelfristig kannibalisiert.

Auch aus diesem Grund sind aber die Pubbles-Preise bisher nicht günstiger als die der gedruckten Titel. Vor allem was Pricing angeht, bewegen sich Zeitungs-und Zeitschriftenverlage noch sehr verunsichert durch die digitale Welt. Kein Wunder, denn es ist absolutes Neuland für sie. Ein Gefühl, wie viel Nutzer für journalistische Inhalte zu zahlen bereit sind, haben sie nicht. Selbst innerhalb von Verlagen gibt es auseinandergehende Ansichten über die richtige Preisstrategie. Eindrucksvoller Beleg für die Verunsicherung: Bei Pubbles kostet das "Handelsblatt" 2,10 Euro, in der eigenen App, wo es auch "nur" das PDF gibt, kostet eine Ausgabe 2,39 Euro.

Wie hoch der Anteil am Erlös eines Verkaufes ist, den die teilnehmenden Verlage an die Pubbles-Betreiber abgeben müssen, ist nicht bekannt. Im Vorfeld gab es Bedenken, dass eine verlagseigene Plattform ihre eigenen Titel bevorzugt und von den Mitbewerbern höhere Erlösanteile fordert.

Das eigentliche Lesen eines Titels findet in einem simplen PDF-Reader statt. Ein direkter Sprung zu Beiträgen beispielsweise aus dem Inhaltsverzeichnis ist nicht möglich. Im unteren Screenteil lässt sich ein Schnellvorlauf aktivieren, mit dem man sich halbwegs schnell in hintere Heftteile navigieren kann. Eine iPad-adäquate Leserführung gibt es aber bei den bisher eingestellten Titeln nicht. Ebenso fehlt ein eigener Lesemodus außerhalb des Originallayouts.

Bei Zeitungstiteln wie dem "Handelsblatt" stellt sich schnell heraus, dass bei Ansicht der kompletten Seite die Buchstaben zu klein sind. Vergrößert man die Darstellung, verliert man dafür schnell den Überblick, wo auf der Seite man sich gerade befindet. Zudem ist die Qualität der PDF-Darstellung nicht besonders die Darstellung ist für das hochauflösende iPad-Display viel zu pixelig.

Probleme gab es beim Test mit dem Kauf eines Buches. Zu Testzwecken wurde Christoph Kochs "Ich bin dann mal offline" ausgewählt. Der Titel ludt sich ordnungsgemäß herunter, war dann aber mit einem Schloß versehen. Die meisten digitalen Bücher sind, um allzu plumpes Kopieren zu verhindern, mit einem DRM (Digital Rights Management)-Schutz versehen. Um das Schloß zu entriegeln, ist bei Pubbles eine Adobe-ID nötig. Die lässt sich mit einem Klick aus der App heraus einrichten.

Im konkreten Fall war Kochs Buch anschließend sogar in der Bibliothek lesbar. Beim nächsten Besuch der App allerdings war wieder der Riegel vor und ein "Fehler beim Fulfillment" wurde gemeldet. Der Versuch, das Buch von der Pubbles-Website auf ein Macbook zu laden, schlug ebenso fehl. Auch das Herunterladen der "Capital"-Ausgabe auf das Macbook funktionierte nicht: "Der bestellte eContent kann mit ihrem aktuellen Gerät nicht angezeigt werden". Erst bei erneuter Installation der App und erneutem Ablegen in der lokalen Bibliothek ließ sich das Koch-Buch schließlich öffnen und lesen.

Einwandfrei funktionierte nur das Herunterladen eines (kostenlosen und rechtefreien) Buches von Edgar Allan Poe, das sich sowohl im App-Reader wie auf dem Macbook öffnen ließ.

"Laden und Lesen" heißt es auf der Pubbles-Startseite. Die Realität sieht leider (noch) etwas anders aus. Beta, gewiss. Trotzdem muss ein solch ambitionierter Kiosk von Beginn an einwandfrei funktionieren. Die Konkurrenten, allen voran die Deutsche Telekom, von der ein eigener Online-Kiosk zum Jahresende erwartet wird, kann sich bei Pubbles anschauen, wie manche Kinderkrankheiten zu vermeiden sind.

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