Nachrichtenagentur feiert neuen Dienst und greift an: dapd bietet ab 2011 auch Sport

 

Eigentlich sollte an diesem Donnerstagabend "nur" der neue Dienst der Nachrichtenagentur dapd gefeiert werden. Bundespräsident Christian Wulff schaute vorbei, ebenso Außenminister Guido Westerwelle und Linke-Chef Klaus Ernst. Später am Abend gab es doch eine News: Vom ersten Quartal 2011 an will dapd eine letzte Lücke in seinem Angebot schließen und einen eigenen Sport-Textdienst anbieten.

Eigentlich sollte an diesem Donnerstagabend "nur" der neue Dienst der Nachrichtenagentur dapd gefeiert werden. Bundespräsident Christian Wulff schaute vorbei, ebenso Außenminister Guido Westerwelle und Linke-Chef Klaus Ernst. Später am Abend gab es doch eine News: Vom ersten Quartal 2011 an will dapd eine letzte Lücke in seinem Angebot schließen und einen eigenen Sport-Textdienst anbieten.

dapd-Chefredakteur Cord Dreyer bestätigtekress, dass die Entscheidung  zugunsten eines eigenen nationalen Sportangebotes gefallen sei. Eine Projektgruppe hatte sich mit der Frage befasst. Internationale Sportnachrichten bezieht dapd aus einer Partnerschaft mit Associated Press (AP), auf der Bildseite deckt die Agentur den Sport bereits ab. Wird die Lücke nun Anfang 2011 geschlossen, ist dpad wirklich eine Vollagentur.

Miteigentümer Peter Löw betonte am Abend in einer Rede, dass sein Kompagnon Martin Vorderwülbecke und er die Agentur nicht gekauft hätten, um mit ihr eine hohe Rendite zu erzielen. "Dies ist kein Ort, der dazu dient, Geld zu verdienen", sagte der Finanzinvestor. Dafür gebe es andere Branchen. Löw hat nach eigener Aussage bisher ca. 200 Firmen aufgekauft und saniert. Auch die Agentur ddp, die Vorderwülbecke und Löw 2004 kauften, stand damals mit dem Rücken zur Wand. Sechs Jahre später soll die aus ddp und der deutschen AP entstandene Agentur dapd dem Platzhirschen dpa Paroli bieten.

Stattdessen, erklärte Löw den ca. 500 Gästen, sehe er die Nachrichtenagentur als einen "Hotspot der Pressefreiheit" in einer Zeit, in der in anderen Redaktionen zunehmend gespart werde. Ein Grund dafür, in die Agentur zu investieren, sei ein ganz persönlicher, so der Miteigentümer. Sein Großvater sei kurz nach Kriegsende an den Folgen einer Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau gestorben. Er habe nicht mit den Nationalsozialisten kooperiert, sei nicht der NSADP beigetreten, und habe sich dem Regime widersetzt.

Heute will der Enkel einen Beitrag leisten, dass die Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland hochgehalten wird. "Nachrichtenagenturen müssen unabhängig vom Staat und von Interessengruppen sein", so Löw. Der Finanzinvestor versprach ein "langfristiges Engagement" bei dapd.

Chefredakteur Dreyer sagte im Hinblick auf die Aufgabe, den Kundenstamm von dapd auszubauen und dpa möglicherweise auch Kunden abspenstig zu machen: "Sie haben erstmals die Wahl zwischen zwei Vollagenturen." In der Aufarbeitung der Themen werde dapd sich stark von dpa unterscheiden. Zudem habe dapd "als einzige Agentur Journalisten eingestellt, die investigativ arbeiten dürfen". Das sechsköpfige Ressort dapd sources soll eigene Themen ohne den in einer Agentur üblichen Zeitdruck setzen und möglichst auch Enthüllungen präsentieren.

Freilich hat dpa noch mehr Journalisten im Einsatz als dapd, auch der Umsatz des Marktführers liegt deutlich über dem des defizitären Herausforderers. Doch der nicht mehr ganz so kleine David hat seine Steinschleudern gespannt. Gerade gab man eine Kooperation mit Dow Jones, AP und CNN für die Distribution von Bewegtbildern bekannt. Bis zu 40 Videos am Tag sollen dapd-Kunden bekommen, ohne zusätzliche Kosten für sie. Die Agenturchefs sagen, dapd sei 20 bis 25% günstiger als dpa. In Zeiten, in denen vor allem Verlagshäuser sich auf eine Nachrichtenagentur beschränken, steigt der Anreiz zum Wechsel mit solchen Offerten deutlich.

Wer sich mit Peter Löw und Martin Vorderwülbecke unterhält, spürt, dass die beiden Eigentümer es ernst meinen. Geld verprassen wollen die beiden zwar nicht, aber sie sind bereit, mehrere Jahre lang in die Agentur zu investieren, um sie auf Augenhöhe mit dpa zu hieven. Ab sofort muss die Agentur die hohen Erwartungen, die sie bei ihren aktuellen und potenziellen Kunden geweckt hat, erfüllen. "Erleben Sie dieses Haus", forderte Cord Dreyer die Gäste am Donnerstag abend auf. Vom Band lief danach eine Soft-Jazz-Version des Lou Reed-Klassikers "Take a walk on the wild side".

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.