Goldmedia-Gastkommentar von Klaus Goldhammer: E-Mail ist für alte Leute

29.10.2010
 
 

Über 500 Mio aktive Facebook-Nutzer weltweit, die monatlich drei Mrd Bilder und zehn Mio Videos hochladen (lt. Unternehmensangaben); Abermillionen von Gruppen und Chats und nun die angekündigte Kooperation mit 120 Mio aktiven Skype-Kunden: Social-Media-Plattformen sind heute unbestritten die wichtigste Plattform, um Inhalte unkompliziert und schnell mit Einzelnen oder dem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis zu teilen. Per Messenger, Chat, Tweet oder Videochat.

Über 500 Mio aktive Facebook-Nutzer weltweit, die monatlich drei Mrd Bilder und zehn Mio Videos hochladen (lt. Unternehmensangaben); Abermillionen von Gruppen und Chats und nun die angekündigte Kooperation mit 120 Mio aktiven Skype-Kunden: Social-Media-Plattformen sind heute unbestritten die wichtigste Plattform, um Inhalte unkompliziert und schnell mit Einzelnen oder dem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis zu teilen. Per Messenger, Chat, Tweet oder Videochat. Was aber bedeutet diese Turboentwicklung für andere Kommunikations- und Informationswege?

Eine aktuelle Untersuchung aus den USA zeigt, dass die gute alte E-Mail in die "Jahre kommt". Zumindest hat dieser Prozess bei jüngeren Zielgruppen begonnen: In einer aktuellen Befragung von US-Internetnutzern (Chadwick Martin Bailey 2010) antworteten 18- bis 24-Jährige auf die Frage, welche Kanäle sie zur Verbreitung von Inhalten nutzen zu 76%: "Facebook". Mit 70% folgt die E-Mail zwar noch dicht auf, rangiert aber bereits auf Platz zwei. In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen ist mit 78% noch E-Mail der dominante Kommunikationskanal gegenüber Facebook mit 70%. Völlig anders hingegen das Bild bei den Älteren: Bei den 45- bis 54-Jährigen liegt E-Mail bei 92% (Facebook nur 43%) und in der Altersgruppe 65+ ist E-Mail das Mittel der Wahl für stolze 97% (Facebook nur 24%).

"E-Mail is for old people!"

Böse Zungen zischeln bereits: "E-Mail is for old people!" – und da ist ein wenig Wahrheit dran. Denn einmal lieb gewonnene oder eingeübte Kommunikations-Gewohnheiten ändern sich im Alter nur noch langsam. Die Kohortentheorie, die besagt, dass in jeder Altersgruppe, also z.B. bei den 10- bis 19-Jährigen gegenüber den 20- bis 29-Jährigen Kohorten usf., relativ ähnliche Mediennutzungsmuster zu finden sind, diese Kohortentheorie gilt offenbar auch für die Nutzung der Kommunikations­mittel und -wege: Wer heute sein Handy nur zum Telefonieren nutzt, kann schlecht nachvollziehen, was Jugendliche mit ihren Smartphones so alles anstellen.

Die kommunikativen Diskrepanzen werden immer größer

Die kommunikativen Diskrepanzen werden immer größer: Während ältere Nutzergruppen Inhalte vor allem dann auf Facebook verbreiten, wenn sie von ihrer Nützlichkeit für den Empfänger überzeugt sind, teilen jüngere Nutzer Inhalte, die sie selbst interessant und unterhaltsam finden, egal welches Interesse den Empfängern unterstellt wird. Die Motivation beeinflusst also letztlich die Wahl des Kommunikationskanals: Zielgerichtete Kommunikation via E-Mail an ausgewählte Nutzer oder eine volle Breitseite an News für den gesamten Freundes- und Bekanntenkreis via Facebook oder Twitter.

Teenager bevorzugen SMS

Falsch ist aber zu glauben, jüngere Zielgruppen würden nur noch "in der Masse" kommunizieren. Denn soziale Netzwerke erfahren in der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen aus einem ganz anderen Bereich erhebliche Konkurrenz: In einer anderen Umfrage (ExactTarget 2010) wurden US-Teenager aufgefordert, zwischen Facebook und SMS zu wählen. Die Entscheidung war deutlich: 12% kommunizieren bevorzugt über Facebook. Viermal so viele Jugendliche (48%) jedoch lieber per SMS. Und die Daten sind atemberaubend: Durchschnittlich versendet ein US-Teenager (lt. Nielsen) 3.339 SMS im Monat oder 111 SMS pro Tag! Dieser Wert belegt mehrere Theorien: Die direkte Kommunikation kommt wohl nie aus der Mode. Mobilfunkern wird es in den kommenden Jahrzehnten nicht schlecht gehen, wenn sie die SMS-Tarife schützen. Und in der Tat können sich Ältere kaum noch vorstellen, was Jugendliche so mit ihren Smartphones wirklich machen.

Klaus Goldhammer, Geschäftsführer Goldmedia GmbH Strategy Consulting

 

Ihre Kommentare
Kopf

Recki

29.10.2010
!

Wie kommt man denn auf durchschnittlich 111 SMS pro Tag und 3.339 im Monat? Selbst für einen Teenager sollte das doch etwas zu hoch gegriffen sein.


Wolfgang Messer

Wolfgang Messer

- Freiberuflich tätig -
TV-Sprecher, Blogger und Redakteur

29.10.2010
!

Kaum zu glauben, aber wahr, wenn man Nielsen glaubt:

http://blog.nielsen.com/nielsenwire/online_mobile/u-s-teen-mobile-report-calling-yesterday-texting-today-using-apps-tomorrow/

Bei den weiblichen Teenagern sind es sogar noch wesentlich mehr.


Klaus Goldhammer

30.10.2010
!

Die Nielsen-Zahlen sind in der Tat astronomisch aber deshalb so beeindruckend (wenn man unterstellt, dass sie stimmen).... Und die 111 SMS am Tag sind ja nur der Durchschnittswert... ich würd das auf jeden Fall nicht schaffen....


Egon-Erwin Kisch

30.10.2010
!

Viel kommunizieren - wenig mitteilen! Die völlige Verblödung der Gesellschaft schreitet voran!


Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

01.11.2010
!

Email für alte Leute? Sehr amüsant. Also dann bin ich gerne ab sofort alt !! By the way: wenn in spätestens 10 Jahren die 68iger in Rente gehen werden, wird die Gesamt-Bevölkerungsstruktur so ausschauen, das 50plus die Masse und die Dominanz der Bevölkerung stellen. Keiner vermag heute zu erahnen, welche Entwicklungen dies zur Folge haben wird. Es tritt eine Rentnergeneration auf den Plan, die alle Lebensbereiche neu justieren wird. Überlegt euch schon mal, wie die seniorenemail ausschauen wird


Alexander MacG

Alexander MacG

Seamaster Pictures Ltd
Producer & EcoWarrior

02.11.2010
!

Ganz ehrlich?

Es wird noch schlimmer werden und email IST schon die Kommunikationsform der alten Leute!

Dieses beruhigende sonore Gerede der "Alten" eines medienberaters, hab ich schon vor über 20 Jahren so gehört, als Verlage verwirrt auf Medienkongressen fragten ob wir den wirklich glauben, Bücher würden jetzt auf CD-ROM herauskommen.
Nö... auf dem Kindel u. iPod und besonders arrogante Verlage hat es am härtesten getroffen!

Seit 20 Jahren muss ich über diese Berater lachen...


Alexander MacG

Alexander MacG

Seamaster Pictures Ltd
Producer & EcoWarrior

02.11.2010
!

...und ich wünschte, die Verlage u Sender würden nur 20% all dieser vergeudeten Beraterhonorare in innovative Konzepte u Projekte stecken,
dann wären deutsche Verlage schon wesentlich weiter und die Branche würde nicht so hilflos rumrudern - besonders in Bezug auf Web-TV.

Aber auch da haben Medienberater ja sowas von falsch beraten und von nix ne Ahnung gehabt, aber fette Honorare abgerechnet.
Da kann man nur noch einen dicken Hals bekommen, was sich ein Teil der Branche seit 20 Jahren abhält!


Alexander MacG

Alexander MacG

Seamaster Pictures Ltd
Producer & EcoWarrior

02.11.2010
!

PS.

Ich bin seit den Anfängen dabei, daher kenne ich diese ganzen Beraternamen und Firmen noch von Deutschen Multimediakongressen aus dem 90ern...

Seit 2002 nehme ich keine der Einladungen als vom Veranstalter bezahlter Schlaumeier zu diesen Kongressen mehr an, weil ich die Kopfschmerzen danach kaum ertragen kann.

Die deutsche Branche kann fast nur "me too" und lobhudelt sich aber speziell auf diesen Kongressen selber und zieht noch Dusseligeren das Geld aus der Tasche. Einäugige und Blind


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