Bauer nimmt sich Lebensmitteleinzelhandel vor: Verlag fordert Top-Präsentation für Top-Seller

 

Die Bauer Media Group startet erneut eine Initiative für die bessere Platzierung umsatzstarker Titel im Handel. Adressat ist diesmal der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Der Verlag hat sich für den Vorstoß mit Ergebnissen einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts GVK munitioniert, wonach "durch die optimale Präsentation der Top-Seller" der Gesamtumsatz des Pressesortiments im LEH insgesamt um 10 Mio Euro gesteigert würde. Aus den Reihen der anderen Verlage gibt es dennoch Widerstand: Der Arbeitskreis Mittelständischer Verlage (AMV) sieht die Presse- und Meinungsvielfalt in Gefahr.

Die Bauer Media Group startet erneut eine Initiative für die bessere Platzierung umsatzstarker Titel im Handel. Adressat ist diesmal der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Der Verlag hat sich für den Vorstoß mit Ergebnissen einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts GVK munitioniert, wonach "durch die optimale Präsentation der Top-Seller" der Gesamtumsatz des Pressesortiments im LEH insgesamt um 10 Mio Euro gesteigert würde. Konkret fordert der Verlag, die am besten verkauften Titel in Vollsicht zu präsentieren.

In einer Mitteilung kündigt Bauer eine Gattungsmarketing-Kampagne und den Ausbau des eigenen Außendienstes an, "um den LEH entsprechend seiner Bedürfnisse umfangreich zu informieren und über die Stärke seines jeweiligen Pressesortiments aufzuklären". Die Ergebnisse der Marktforschung forderten "zum schnellen Handeln" auf, schreibt Bauer-Vertriebschef Heribert Bertram. "Sie zeigen, dass dringender Optimierungsbedarf am Presseregal besteht. Die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden können durch eine am Umsatz orientierte Präsentation der Zeitschriften bedient werden."

Als Vertriebsmarktführer mit auflagenstarken Titeln würde Bauer von einer solchen Maßnahme selbst am stärksten profitieren. Dennoch ist der Verlag bestrebt, die Forderung als segensreich für das gesamte Pressesortiment darzustellen. Auf Grundlage der GVK-Studie, von Bauer selbst in Auftrag gegeben, geht die Argumentation wie folgt: Kaufentscheidungen vor dem Regal würden in immer kürzerer Zeit getroffen, die Mehrheit der befragten Käufer sei mit dem Presseregal unzufrieden. Durch eine "entsprechende Platzierung der individuellen Top-Seller pro Markt" hätten 90% der Käufer ihre gewünschte Zeitschrift sofort gefunden. Andere Platzierungsformen hätten hingegen ein "wesentliches Problem": "Anstatt einen gewünschten Titel am überfüllten Regal lange zu suchen, verzichten Kunden vollständig auf den Kauf des entsprechenden Presseprodukts." Durch überfüllte, unübersichtliche Regale würden zudem Koppelkäufe erschwert. Die Marktforscher haben für den Test in einigen Märkten die jeweiligen Top-Titel in Vollsicht präsentiert, "ohne die übrigen Titel zu benachteiligen".

Bauer hat zu Beginn des Jahres bereits einen Vorstoß für die bessere Platzierung umsatzstarker Titel im Handel gestartet: Der Verlag führte ein Signet "Top 100 Titel" auf der Titelseite der eigenen auflagenstarken Zeitschriften ein, um die Händler zur besseren Platzierung zu animieren (kress.de vom 3. März 2010). Die Aktion scheiterte jedoch, weil andere Verlage juristisch gegen die Aktion vorgingen (kress.de vom 27. April 2010). Seitdem prangt auf den großen Bauer-Titeln nur noch ein kleines Signet mit der Aufschrift "Bauer Media Group Bestseller".

Presse- und Meinungsvielfalt in Gefahr

Auch gegen die jüngste Offensive des Hamburger Großverlags formiert sich schon der Widerstand: Der Arbeitskreis Mittelständischer Verlage (AMV) sieht in einem Statement die Presse- und Meinungsvielfalt in Gefahr. Die Pressesortimente im Lebensmitteleinzelhandel seien in Deutschland seit Jahrzehnten von einem vielfältigen Angebot geprägt, so der AMV. Eine "bevorzugte Präsenz von Massenzeitschriften mit zum Teil niedrigen Copypreisen" sei einer Förderung der Ertragskraft des Presse-Einzelhandels "nicht unbedingt dienlich". Die Präsentation und Auswahl von Zeitschriften in Vollansicht sollte nach Auffassung des AMV den Einzelhändlern überlassen bleiben, weil die ihre Kunden und seine Bestseller am besten kennen würden.

Im AMV sind eine Reihe kleiner und mittelgroße Verlage organisiert, u.a. der Jalag, Egmont Ehapa und der Olympia Verlag. Ursprünglich handelte es sich beim AMV um einen Gesprächskreis im Zeitschriftenverlegerverband VDZ, doch im September hat er sich als Verein konstituiert (kress.de vom 15. September 2010).

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.