TED-Konferenzen: Geteiltes Wissen, besseres Leben

 

Am Montag fand die zweite TEDx-Konferenz in Berlin statt. "Ideas worth spreading" lautet das Prinzip der Konferenzen, die seit 1984 kluge Köpfe aus unterschiedlichen Wissensgebieten und Branchen zusammenbringen. Der Gedanke dahinter: Geteilte Ideen können die Welt verbessern. Die Medienindustrie hat sich diesem Prinzip lange verweigert.

Am Montag fand die zweite TEDx-Konferenz in Berlin statt. "Ideas worth spreading" lautet das Prinzip der Konferenzen, die seit 1984 kluge Köpfe aus unterschiedlichen Wissensgebieten und Branchen zusammenbringen. Der Gedanke dahinter: Geteilte Ideen können die Welt verbessern. Die Medienindustrie hat sich diesem Prinzip lange verweigert.

Die wichtigsten TED-Veranstaltungen finden jedes Jahr in Palm Springs und Oxford statt. Die Konferenzen, bei denen jeder Sprecher 18 Minuten bekommt, um exakt eine möglichst inspirierende Idee vorzustellen, sind schon ein Jahr im Voraus ausgebucht. Die besten Vorträge, mittlerweile mehr als 700, werden kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen hinter TED ist eine Non-Profit-Organisation.

TEDx-Konferenzen werden seit zwei Jahren unabhängig von den "großen" TED-Events abgehalten. Die Organisation lokaler und regionaler Konferenzen liegt ganz in der Hand von Initiatoren, die von den TED-Machern eine Lizenz erhalten. Dafür dürfen sie ihre Veranstaltung TEDx nennen, müssen sich aber an die Regeln halten. Dazu gehört beispielsweise auch, dass auf der Bühne keine Produkte oder Unternehmen im Vordergrund stehen dürfen - es geht um die Ideen.

"Genau so eine Veranstaltung wird gebraucht"

Die TEDx Berlin "Fantastic Reality - How we shape our future" hat die Berliner Kommunikationsagentur red onion von Stephan Balzer organisiert. Der Agenturchef ist ein TED-Fan und auch TED-"Botschafter" für Deutschland. Alle Interessenten, die hierzulande selber eine TEDx-Veranstaltung auf die Beine stellen wollen, werden mit ihrem Konzept von Balzer geprüft. "In Deutschland wird genau so eine Veranstaltung gebraucht", sagt Balzer. Der deutsche Wissenschafts-Betrieb sei aber in der Regel noch "viel zu verkopft".

Die TEDx Berlin war die insgesamt 1.000 unabhängige Konferenz überhaupt seit dem Start des Formats vor zwei Jahren. Die Veranstalter hatten mit wenigen Ausnahmen gute Referenten ausgewählt. Bemerkenswert vor allem der Brite Simon Berry, der sich bereits vor vielen Jahren eine Frage stellte: Warum sind Coca-Cola-Flaschen selbst in den entlegensten Winkeln sogar von Entwicklungsländern erhältlich, warum schaffen es aber beispielsweise wichtige Medikamente nicht immer dorthin?

Die Marke Coca-Cola ist es, der dieses Kunststück gelingt. Denn die "letzte Meile" bis in kleine Dörfer legen nicht die Cola-Trucks zurück, sondern lokale Händler. Hier setzt Berrys Idee an. Mit seiner Initiative Colalife will er den Getränkekisten kleine Behälter beilegen, die u.a. mit Medikamenten, Kondomen und Babyöl gefüllt sind. Berry arbeitet mit seinem Team nun daran, Coca-Cola davon zu überzeugen, die Kisten quasi als Huckepack für die Päckchen nutzen zu dürfen.

Mit Ideen inspirieren

Colalife war nur ein Beispiel unter mehreren Projekten, Ideen und Initiativen, die TEDx-Gäste am Montag zu sehen und hören bekamen. Unter den Referenten war auch der Interface-Spezialist Fabian Hemmert, der für die Deutsche Telekom Laboratories an Mobiltelefonen bastelt, die beispielsweise Druck, Feuchtigkeit oder kleine Luftströme übermitteln können und so das Telefonieren emotionaler machen.

Vom TED-Prinzip könnte sich die Medienbranche ein Stückchen abschneiden. Denn bis heute werden kluge Ideen und neue Konzepte von den jeweiligen Urhebern unter dem Deckel gehalten, bis es zu spät ist. Denn nur wenige Ideen werden tatsächlich umgesetzt, und oft sind es nicht die intelligentesten, sondern diejenigen, die für am massentauglichsten bzw. am vermarktbarsten gehalten werden.

Zwar gibt es in Medienunternehmen wie der Axel Springer AG oder Gruner+Jahr mittlerweile Kreativwettbewerbe. Doch die sind mindestens genauso viel Marketing-Maßnahme für den guten Ruf des Unternehmens wie tatsächliche Investition in fortschrittliche Ideen.

Den Blick über den Tellerrand muss die Medienindustrie lernen - schnell

Nur eine verschwindend geringe Zahl von deutschen Medienunternehmen unterhält Abteilungen für Forschung und Entwicklung. Der Austausch mit branchenfremden Spezialisten und Forschern findet meistens nur durch Zufall oder per Einzelinitiative statt. Stattdessen bleibt die Medienindustrie eine Branche, die sich im Großen und Ganzen ganz auf sich allein verlässt. In einer Zeit, in der Geschäftsmodelle wegzubrechen drohen, vermutlich kein erfolgversprechender Weg.

Auch bei TED geht es freilich nicht darum, halbgare oder spinnerte Ideen zu verbreiten. Auch nicht darum, geniale Geistesblitze frühzeitig zu verraten, um sie sich von Mitbewerbern klauen zu lassen. Es geht vielmehr darum, Ideen und ihren geistigen Eltern eine größere Plattform zu verschaffen, die über den Wirkungskreis der jeweiligen Branche hinaus geht und sich gegenüber anderen Disziplinen öffnet und vom daraus entstehenden Dialog wiederum profitiert.

Die Medien können vom TED-Prinzip viel lernen. Sie müssen es sogar.

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