Web-Erfinder Tim Berners-Lee warnt: "Das Netz wird von vielen Seiten bedroht"

 

Der Vater des World Wide Web, Tim Berners-Lee, erhebt mahnend den Zeigefinger. In der aktuellen Ausgabe des "Scientific American" warnt er: "Das Web, so wie wir es kennen, wird auf verschiedene Weise bedroht." Die Gefahr komme von großen Social Networks, Internet-Providern und Regierungen.

Der Vater des World Wide Web, Tim Berners-Lee, erhebt mahnend den Zeigefinger. In der aktuellen Ausgabe des "Scientific American" warnt er: "Das Web, so wie wir es kennen, wird auf verschiedene Weise bedroht." Die Gefahr komme von großen Social Networks, Internet-Providern und Regierungen.

Vor 20 Jahren ging die erste Webseite auf dem Computer von Berners-Lee online. "Jede Person konnte Information mit jeder anderen Person teilen, überall", erinnert sich der Wissenschaftler. Das Netz beruhte auf egalitären Prinzipien. Nun versuchten verschiedene Kräfte das öffentliche Netz in einzelne Inseln zu zerteilen.

Große Soziale Netzwerke schotteten die Informationen, die Nutzer auf deren Seiten posten, vom Rest des Webs ab. Internet-Provider, die den Zugang zum Netz auf mobilen Geräten ermöglichten, bedrohten den Grundsatz der Netz-Neutralität. Und Regierungen, totalitäre wie demokratische, verletzten wichtige Menschenrechte, wenn sie ihre Bürger auszuspähen versuchten.

"Wir die Öffentlichkeit, die wissenschaftliche Community und die Presse müssen sicherstellen, dass die Netz-Prinzipien intakt bleiben", schreibt Berners-Lee. Universalität und Dezentralität seien wichtige Grundsätze. Doch vor allem Networks wie Facebook und Linkedin schüfen Silos. Die Seiten innerhalb eines Netzwerkes seien im Web verfügbar, das ja, aber die Daten würden zentral gesammelt, außerhalb des eigentlichen Webs. Informationen verlören ihre Zuordnung zu einzelnen URLs. Damit verliere der Nutzer auch die Kontrolle über die eigenen Informationen.

Apples iTunes sei ein weiteres Beispiel für ein proprietäres geschlossenes System. Innerhalb von iTunes befinde sich der Nutzer nicht mehr im Web. Apps für Smartphones oder Tablets nennt Berners-Lee "verstörend", denn ihre Inhalte lägen nicht im Web. Man könne sie nicht bookmarken oder eine Seite verlinken. Darum sei es vorzuziehen, Web-Apps zu bauen, die auf Smartphone-Browsern funktionieren.

"Walled Gardens", schreibt der Wissenschaftler, "können es in puncto Vielfalt, Inhaltsreichtum und Innovation nicht mit dem wild pochenden Netz außerhalb ihrer Tore aufnehmen". Grenzen behinderten Innovation.

Gegen die Bedrohung der Netzneutralität müssten die Gesetzgeber vorgehen, fordert Berners-Lee. Das Abschneiden vom Netz-Zugang sei eine Form der Freiheitsberaubung. Denn: "Das Ziel des Webs ist, der Menschheit zu dienen".

Wie viel das Wort des Wissenschaftlers in der zunehmend kommerzialisierten Welt des Webs allerdings noch wiegt, ist offen.

Ihre Kommentare
Kopf
Nicole Haase

Nicole Haase

artundweise GmbH
Assistentin PR-Leitung

25.11.2010
!

Interessante Perspektive.
Dass Apps in der Hinsicht eine "verstörende" Wirkung haben können, da ihre Inhalte nicht im World Wide Web liegen. Stößt mal einen ganz neuen Blickwinkel für mich an.


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