9Live erkennt Gewinnspielsatzung an: Anruf-Quiz-TV vergleicht sich mit Medienwächtern

24.11.2010
 

Die ewigen Scharmützel zwischen den Anruf-Quiz-Sendern wie 9Live und den Landesmedienanstalten sollen endlich zu den Akten: Die ProSiebenSat.1-Tochter 9Live hat sich mit den Medienwächtern auf einen Vergleich geeinigt. Die Medienanstalten kassieren demnach alle noch offenen Bußgeldbescheide wieder ein, die ProSiebenSat.1-Gruppe latzt einmalig 100.000 Euro

Die ewigen Scharmützel zwischen den Anruf-Quiz-Sendern wie 9Live und den Landesmedienanstalten sollen endlich zu den Akten: Die ProSiebenSat.1-Tochter 9Live hat sich mit den Medienwächtern auf einen Vergleich geeinigt. Die Medienanstalten kassieren demnach alle noch offenen Bußgeldbescheide wieder ein, die ProSiebenSat.1-Gruppe latzt einmalig 100.000 Euro.

Zudem wollen die Landesmedienanstalten Verfahren nicht weiter verfolgen, die sich auf "Altfälle" beziehen und in denen noch kein Urteil gefällt wurde.

Damit belohnen die Medienanstalten vor allem, dass 9Live die Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht zurückzieht, mit der der Sender gegen die neue Gewinnspielsatzung protestiert hatte. Mit dem Rückzug wird ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts von 2009 rechtskräftig, das die Satzung in ihren Grundzügen bestätigt hat. Die Satzung ist seit rund einem Jahr in Kraft und verpflichtet die Quiz-Shows zum fairen und transparenten Umgang mit den Anrufern.

Die ZAK (Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten) hatte 9Live & Co. in den vergangenen Monaten beinahe regelmäßig wegen diverser Verstöße mit Bußgeldern überhäuft. Nach einer schwierigen Startphase, habe ProSiebenSat.1 "die von den Medienanstalten in der Gewinnspielsatzung formulierten Spielregeln im Wesentlichen akzeptiert", so ZAK-Chef Thomas Langheinrich. Mittlerweile hätten die Sender ihre Spiele angepasst und den Nutzerschutz verbessert, über Mitarbeiterschulungen etwa, lobt Langheinrich.

Eine Absolution indes sei der Vergleich nicht. Die ZAK will weiter prüfen und bei weiteren Verstößen erneut Bußgelder verhängen. Bisher hatte 9Live die Bußgelder teils akzeptiert, teils sich auch (erfolgreich) gerichtlich gegen die Strafen zur Wehr gesetzt. Vom Vergleich betroffen sind zehn konkrete Bußgeldverfahren.

Sender-Chef Ralf Bartoleit wertet den Vergleich als Punkt für die Rechtssicherheit von Call-In-Gewinnspielen im deutschen Fernsehen. "Wir wollen uns auf unterhaltsame und transparente Shows für unsere Zuschauer konzentrieren und nicht auf Auseinandersetzungen mit den Landesmedienanstalten", so Bartoleit weiter. Man sei fest entschlossen, den konstruktiven Dialog mit den Aufsichtsbehörden fortzusetzen.

9Live ist verantwortlicher Dienstleister für alle Call-In-Shows, die über die diversen Kanäle der Gruppe verbreitet werden. Probleme mit der Medienaufsicht hatten aber auch schon das DSF (heute Sport1) und Super RTL, die nicht zur Gruppe gehören. Super RTL hat seine Quiz-Show aus dem Verkehr gezogen.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.