Stress zwischen den Verlagen: VDZ distanziert sich von Bauers Supermarkt-Offensive

 

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hat sich in ungewöhnlich klaren Worten vom jüngsten Vertriebsvorstoß eines wichtigen Verbandsmitglieds distanziert: vom Versuch der Bauer Media Group, große Lebensmitteleinzelhändler zur bevorzugten Präsentation von "Top-Sellern" zu bewegen. Diese "Öffentlichkeitsinitiative zur Veränderung der Pressepräsentation im Einzelhandel" werde von den übrigen Mitgliedern des Arbeitskreises Pressemarkt Vertrieb (PMV) und weiteren Zeitschriftenverlagen "verurteilt", heißt es in einer Pressemitteilung des VDZ.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hat sich in ungewöhnlich klaren Worten vom jüngsten Vertriebsvorstoß eines wichtigen Verbandsmitglieds distanziert: vom Versuch der Bauer Media Group, große Lebensmitteleinzelhändler zur bevorzugten Präsentation von "Top-Sellern" zu bewegen. Diese "Öffentlichkeitsinitiative zur Veränderung der Pressepräsentation im Einzelhandel" werde von den übrigen Mitgliedern des Arbeitskreises Pressemarkt Vertrieb (PMV) und weiteren Zeitschriftenverlagen "verurteilt", heißt es in einer Pressemitteilung des VDZ. Nahezu zeitgleich hat Bauer eine Erklärung verbreitet, wonach die "Marketingkampagne im Lebensmitteleinzelhandel" fortgesetzt wird. Teil dieser Kampagne sind auch Motive und eine Website, wo von einer "Regalverstopfung" die Rede ist.

Die anderen Verlage hat das nicht sehr glücklich gestimmt: Der VDZ nimmt nun Anstoß daran, dass Bauer den Einzelhandel unter Umgehung des Presse-Grosso bearbeitet und zur bevorzugten Platzierung umsatzstarker Titel bewegen will (kress.de vom 4. November 2010). Davon würde Bauer mit seinen großen Zeitschriften nämlich in besonderer Weise profitieren. Der filialisierte Einzelhandel sei für Zeitungs- und Zeitschriftenverlage ein traditionell wichtiger Vertriebskanal, deshalb lege der VDZ ein besonderes Augenmerk auf dieses Thema, erklärt PMV-Sprecher Torsten Brandt, zugleich Vertriebschef von Axel Springer, in der VDZ-Pressemitteilung. Es müsse dabei bleiben, dass in erster Linie der Presse-Grossist vor Ort "tagtäglich für ein leserfreundliches und je nach Geschäftsart adäquates Sortiment zu sorgen hat". Brandt: "Umsatzoptimierung für den Einzelhändler ist dabei ein wichtiges Kriterium. Der freie Marktzugang für alle Presseerzeugnisse, die Neutralität gegenüber dem Einzelhandel und das damit einhergehende abgeleitete Dispositionsrecht des Presse-Grossisten bleiben jedoch unverrückbare Eckpfeiler eines funktionierenden Pressevertriebs."

Die Öffentlichkeitskampagne der Bauer Vertriebs KG erwecke aber den Eindruck, als befände sich das Pressesortiment im Einzelhandel "in einem generell schlechten und für den Einzelhändler unattraktiven Zustand". Daher werde diese Form der Kommunikation als "nicht zielführend" bewertet.

Bauer hält in seiner Erwiderung am bisherigen Kurs strikt fest: "Wie für die Mitbewerber auch, ist es das Ziel eines Verlagshauses, im Einzelhandel präsent zu sein und seine Position aktiv zu vermarkten", so das Unternehmen. Umso verwunderlicher sei es, "dass die übrigen Verlage an einer gewissen Distanz zum Einzelhandel festhalten". Bauer beteuert erneut, die eigene Kampagne diene dem Gattungsmarketing: "Letztendlich geht es bei der Marketingaktion der Bauer Vertriebs KG einzig darum, die Kategorie Zeitschriften hervorzuheben und damit die Bedeutung der Gattung Print durch kommunikative und verkaufsfördernde Maßnahmen zu stärke."

Zwischen Bauer und den übrigen Verlagen im VDZ kam es schon in der Vergangenheit zum Dissens über Grosso-Fragen. So verweigerte Bauer im Sommer die Zustimmung zu einem Positionspapier des Verbandes (kress.de vom 2. September 2010). Der Konflikt bekommt jetzt aber eine neue Qualität, weil beide Seiten ihn öffentlich austragen.

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