Für Irak-Reportage: Deutscher Reporterpreis geht an Carolin Emcke

 

Die Reporterzunft traf sich am Montagabend zur zweiten Verleihung des Deutschen Reporterpreises in Berlin. "Ein Fest von Journalisten für Journalisten" sollte es sein. Mit anderen Worten - ein Fest ohne überflüssige Promis, Politiker oder Promi-Politiker. Der Preis für die beste Reportage ging an Carolin Emcke für ihren Text "Der erste Schuss fällt nach fünf Minuten" über den Irak-Krieg, der im "Zeit-Magazin" erschien.

Die Reporterzunft traf sich am Montagabend zur zweiten Verleihung des Deutschen Reporterpreises in Berlin. "Ein Fest von Journalisten für Journalisten" sollte es sein. Mit anderen Worten - ein Fest ohne überflüssige Promis, Politiker oder Promi-Politiker. Der Preis für die beste Reportage ging an Carolin Emcke für ihren Text "Der erste Schuss fällt nach fünf Minuten" über den Irak-Krieg, der im "Zeit-Magazin" erschien.

Weitere Preise gingen an Andreas Weber (Essay "Lasst sie raus!" in "Geo"), Alexander Gorkow und Tobias Kniebe (Porträt des Regisseurs Klaus Lemke in der "Süddeutschen"), Beate Lakotta (bestes Interview, geführt mit einem Alzheimer-Patienten, für den "Spiegel"), Volker ter Haseborg (beste Lokalreportage im "Hamburger Abendblatt" über den Selbstmord eines armenischen Abschiebehäftlings), Mario Kaiser (als bester freier Reporter für einen Text in "brandeins"), Felix Seuffert und das Team von 2470media (beste Web-Reportage "After the War", erschienen u.a. in www.emerge-mag.com) und Roland Kirbach (für die beste politische Reportage "Der Kinderknast von Lesbos", erschienen in der "Zeit").

Laudator für Kirbach war der einzige richtige Promi an diesem Abend, der Entertainer Harald Schmidt, der auch in der Jury saß. Zwar hatte Schmidt nach eigenem Bekunden manche Texte gar nicht gelesen. Reden konnte er dann doch über Journalismus. Er sei ein "enthusiastischer" und dabei "hasserfüllter" Zeitungsleser, bekannte Schmidt. Manche Texte, wie den von Kirbach, schaue er sich aber nicht an, "um das Elend nicht an mich heranzulassen". Entweder man hänge sich danach auf oder reise sogleich an den Ort des Geschehens, um zu helfen. Oder man sage sich: "Was kann man machen? Nichts. Lieber einen Kaffee trinken." Diese Variante wähle er, Schmidt.

Während eine Sorte Gäste, unter ihnen Preisträgerin Emcke, die Haltung nicht nachvollziehen wollte oder konnte, bekannten andere Gäste große Sympathie für die Abwehrhaltung des Entertainers, die offensichtlich nicht nur als Provokation gedacht war. Wieder andere vermissten in der Auswahl der prämierten Reportagen humorvolle Texte, die nicht nur über Krieg, Tod und Verderben berichten.

Hinter dem Reporterpreis steht die vor fünf Jahren geründete Initiative Reporter-Forum. Mitgründer Cordt Schnibben ("Spiegel") monierte gleich zur Eröffnung, es gebe "zu viele überflüssige Reportagen". 1.146 Texte waren insgesamt eingereicht worden.

In der Jury des Deutschen Reporterpreises sitzen die Journalisten Axel Hacke, Erwin Koch, Nils Minkmar, Stefan Niggemeier, Angelika Overath, Sabine Rückert und Gerhard Samulat, die Autorinnen Kathrin Passig und Monika Maron, die Regisseurin Doris Dörrie, der Theaterintendant Mathias Hartmann, die Verlegerin Antje Kunstmann, der Publizist Manfred Bissinger, der frühere ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und Harald Schmidt.

Ihre Kommentare
Kopf

Rike Thomsen

07.12.2010
!

Gerade Lokaljournalismus ist ein prägender und interessanter Teil der (Print-)Presse. Warum wird gerade bei Preisträger Volker ter Haseborg (beste Lokalreportage über den Selbstmord eines armenischen Abschiebehäftlings) nicht die Quelle angegeben?


Christian Meier

Christian Meier

WeltN24 GmbH
Redakteur für Medienthemen

08.12.2010
!

Hallo Frau Thomsen, war keine Absicht. Es handelt sich um das "Hamburger Abendblatt", für das Volker ter Haseborg als Reporter arbeitet.


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