Grosso und Springer reichen sich die Hand: "Zukunftsweisender Pilotabschluss"

 

Sicherheit gegen Geld. Das ist - zugespitzt - der Kern einer "strategischen Partnerschaft für den Presseeinzelverkauf" mit der Axel Springer AG, die der Bundesverband Presse-Grosso am Donnerstag auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung abgesegnet hat. Das Grosso feiert die Vereinbarung als "zukunftsweisenden Pilotabschluss für eine Branchenlösung zur Stabilisierung des einzigartigen deutschen Grosso-Vertriebssystems" und will sie jetzt auch den anderen Verlagen anbieten.

Sicherheit gegen Geld. Das ist - zugespitzt - der Kern einer "strategischen Partnerschaft für den Presseeinzelverkauf" mit der Axel Springer AG, die der Bundesverband Presse-Grosso am Donnerstag auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung abgesegnet hat. Das Grosso feiert die Vereinbarung als "zukunftsweisenden Pilotabschluss für eine Branchenlösung zur Stabilisierung des einzigartigen deutschen Grosso-Vertriebssystems" und will sie jetzt auch den anderen Verlagen anbieten.

Die Partnerschaft umfasst laut Grosso-Verband Regelungen über "wesentliche medien- und branchenpolitische Aspekte der Zusammenarbeit" (Sicherheit) sowie eine Zusatzvereinbarung zur bestehenden Konditionenregelung (Geld).

In einer Erklärung, unterschrieben von Vorstandschef Mathias Döpfner und seinem Stellvertreter Rudolf Knepper, bekennt sich Springer erneut zur "Gemeinsamen Erklärung" von Verlegerverbänden und Bundesverband Presse-Grosso aus dem Jahr 2004. Der Verlag macht deutlich, dass er sich auch im Verhältnis zu den einzelnen Grosso-Unternehmen an diese Erklärung gebunden fühlt. Das ist für die Presse-Großhändler aus folgendem Grund wichtig: Bei Rechtsstreitigkeiten mit der Bauer Media Group hat sich die "Gemeinsame Erklärung" als wirkungslos erwiesen, weil sie nach Auffassung verschiedener Gerichte allenfalls die Verbände bindet, die sie unterschrieben haben, das Verhältnis zwischen Verlagen und einzelnen Grossisten aber nicht berührt.

Zu den zwischen Grosso und Verlagen strittigen Punkten gehört die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Verlag einem Grossisten kündigen kann. Der Zeitschriftenverlegerverband VDZ hat in einem Positionspapier im Sommer noch für die Verlage reklamiert, dass unter bestimmten Bedingungen auch Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen möglich sein müssen (kress.de vom 2. September 2010). Nun haben Springer und Grosso hingegen vereinbart, dass eine Kündigung nur bei dauerhaften Leistungsmängeln und nachhaltiger Verletzung von Vertragspflichten möglich ist.

Die Parteien haben zudem die Mitsprache des Verlags bei Grosso-Fusionen geregelt und auch eine Formel für die ausgesprochen strittige Frage der Ausdehnung des Verlags-Grossos gefunden. So sollen Mischfusionen zwischen Verlags-Gossisten und unabhängigen Grossisten möglich sein, die Axel Springer AG erklärt sich aber dazu bereit, ihren jeweiligen Anteil an einem betroffenen Grosso-Unternehmen zu verkaufen.

Grossisten müssen Kröte schlucken

Der Pilotabschluss befördere "Planungs- und Investitionssicherheit sowie Verbindlichkeit der Zusammenarbeit", schreibt der Bundesverband Presse-Grosso in einer Mitteilung. Die Kröte, die das Grosso schlucken muss, ist freilich die Zusatzvereinbarung zur bestehenden Konditionenregelung: Sie sieht ein neues Instrument namens "Bonus Plus" vor. Springer erhält demnach einen Bonus, sollte der Umsatz des Verlags im Presseeinzelhandel im Vergleich zum Jahr 2010 konstant bleiben oder steigen. Die Höhe des Bonus - unklar. Die Zusatzvereinbarung gilt zwischen 2012 und 2017.

Springer-Vorstand Knepper will die Vereinbarung als "Signal in die Branche" verstanden wissen: "Wir freuen uns, dass wir mit dem Presse-Grosso einen verlässlichen und flexiblen Vertriebspartner an der Seite haben." Die bilaterale Einigung zwischen Springer und Grosso bedeutet eine überraschende Wendung in einer verfahrenen Situation: Grosso und Verlegerverbände haben zu Jahresbeginn von der Politik moderierte Gespräche über die Zukunft des Grosso-Vertriebssystems aufgenommen, sind aber bislang nicht zu einer Übereinkunft gelangt. Der VDZ hat lange versucht, dem Vertriebsmarktführer Bauer Brücken zu bauen, der gegenüber dem Grosso auf Konfrontationskurs gegangen ist. Ohne Erfolg: Gerade hat Bauer den Fachverband Publikumszeitschriften des VDZ wegen eines Streits um Vertriebsfragen verlassen (kress.de vom 6. Dezember 2010). In dieser Situation prescht Springer plötzlich voran und setzt die übrigen Verlage unter Zugzwang.

Bauer will bilaterale Gespräche

Die Grossisten beschäftigten sich bei ihrer Mitgliederversammlung am Donnerstag aber auch mit Bauer. Die Konditionenvereinbarung des Verlags mit dem Grosso läuft schon 2012 aus, und er will für den Zeitraum danach nach Informationen aus Grosso-Kreisen offenbar bilaterale Gespräche mit einzelnen Grossisten führen. Der Grosso-Verband habe dieses Ansinnen abgelehnt, er wolle weiter zentral mit Bauer verhandeln und dem Verlag eine Regelung anbieten, wie er sie jetzt mit Springer vereinbart hat. An einen baldigen weiteren Friedensschluss glaubt aber nur, wer schon erheblich in Weihnachtsstimmung ist.

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