Gratis-"Tagesschau"-App sorgt für Zündstoff: NDR weist Kritik der Verleger zurück

21.12.2010
 

Der NDR hat die Kritik der Verleger an der Gratis-"Tagesschau"-App für Smartphones zurückgewiesen. NDR-Sprecher Martin Gartzke sagte der dpa: "Dass die 'Tagesschau'-App den Verlegerverbänden nicht passt, haben sie hinreichend kundgetan". An der Rechtmäßigkeit der App gebe es indes objektiv keinerlei Zweifel. Das hätten Rundfunkrat, Gutachter und die Rechtsaufsicht übereinstimmend festgestellt.

Der NDR hat die Kritik der Verleger an der Gratis-"Tagesschau"-App für Smartphones zurückgewiesen. NDR-Sprecher Martin Gartzke sagte der dpa: "Dass die 'Tagesschau'-App den Verlegerverbänden nicht passt, haben sie hinreichend kundgetan". An der Rechtmäßigkeit der App gebe es indes objektiv keinerlei Zweifel. Das hätten Rundfunkrat, Gutachter und die Rechtsaufsicht übereinstimmend festgestellt.

Die Zeitschriftenverleger hatten zuvor die gerade veröffentlichte "Tagesschau"-App als eine offenkundige Wettbewerbsverzerrung kritisiert. "Gespeist aus einem großen Gebührentopf wirft der NDR seine Gratis-App auf den Markt und beeinträchtigt das junge Geschäft der Verleger mit Apps, die damit Geld verdienen müssen", schimpfte VDZ-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Fürstner.

"Diese, für den Leser gratis erscheinende Konkurrenz kostet unsere freie und staatsunabhängige Presse Chancen, sich im Medienwandel zu behaupten."

Bei der "Tagesschau"-App, so stellten die Verleger weiter fest, handele es sich um ein rechtswidriges Angebot, weil ihre Informationsmenge und -struktur die Grenzen der Sendungsbezogenheit deutlich überschritten.

VDZ-Hauptgeschäftsführer Fürstner betonte, dass sich der NDR mit seiner "Tagesschau"-App über alle sorgfältig dargelegten ordnungspolitischen Argumente hinwegsetzt und die Bestandsgarantie überdehnt habe. Er bedauerte, dass die öffentlich-rechtlichen Amtsträger die Gesprächsangebote der Verleger ausgeschlagen und keine Versuche unternommen hätten, zu einem Ausgleich der Interessen zu kommen. "Das ist das ebenso unfaire, wie aber leider auch typische Verhalten einer nahezu unkontrollierbaren und nur sich selbst verpflichteten Einrichtung", so Fürstner.

BDZV: Zu Weihnachten werde der Öffentlichkeit die neue App untergejubelt

Unterstützung erhielt der VDZ von den Zeitungskollegen: Die "Tagesschau"-App verstoße gegen geltendes Recht, erklärte der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Dienstag in Berlin. "Damit gibt es ein weiteres Leseangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ein solches Angebot hat angesichts der bestehenden Pressevielfalt im Netz nichts mehr mit einer Grundversorgung durch die öffentlich-rechtlichen Anstalten zu tun", so BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.

Auffällig sei auch der Zeitpunkt für den Markteintritt, beklagten die Zeitungsverleger. Zu Weihnachten werde der Öffentlichkeit die neue App untergejubelt, kritisierte Wolff. Gerade jetzt, wenn die neuen Tablet-PCs und Lesegeräte auf dem Gabentisch lägen, gebe es damit kostenlose Konkurrenz zu den jüngst eingeführten Bezahl-Apps der Zeitungen. Hier werde massive Marktverzerrung zu Lasten der privatwirtschaftlichen Presse für jedermann sofort deutlich. "Das muss rechtlich geklärt werden", forderte Wolff.

Ihre Kommentare
Kopf

Ralf Oltmanns

21.12.2010
!

Ich denke, es wäre wirklich an der Zeit, dass sich die Mitglieder des VDZ und des BDZV intensiv Gedanken darüber machen, wie sie konkurrenzfähige Produkte auf den Markt werfen könnten, statt erfolgreichen Mitbewerbern den Erfolg zu neiden und mit der Gerichtskeule zu schwingen.


Peter W.

21.12.2010
!

Oh mann ... diese Printler ... statt zu meckern, sollten sie mal ihre Hausaufgaben machen. Der ÖRR hat die Pflicht, für alle Zielgruppen ein Informationsangebot bereitzustellen. Nicht mehr und nicht weniger tun sie. Was wäre die Alternative in den BDZV- und VDZ-Augen? Eine Bezahl-App der Tagesschau? Keine App? ÖRR abschaffen? Frohes Fest.


Philipp

22.12.2010
!

Armseeliges Winseln einer im Online Zeitalter nicht konkurrenzfähigen Contentindustrie, die ihre Blüte schon ein den goldenen Print-Zeiten hinter sich gelassen hat. Solange für entsprechende Endgeräte Gebühren fällig werden, wird es dem Nutzer kaum zu vermitteln sein, dass die zugehörigen Inhalte nicht frei und kostenlos abrufbar sein sollen. Im Übrigen steht es den Herren ja frei eine Klärung dieser - längst nicht so eindeutigen - Rechtsfrage gerichtlich herbeizuführen...


KW

22.12.2010
!

Hallo Leute,

wir zahlen auch Gebühren also warum sollen wir dann keine Nachrichten schauen?

Engstirniges Neidisches Volk


David Göhler

22.12.2010
!

Die Ewiggestrigen vom VDZ ...

Wo war der Aufschrei bei der iPad-App von N24, die als Gratis-App auf den Markt kam und das junge Geschäft der Verleger mit Apps beeinträchtigt, die damit Geld verdienen müssen. Von einem Fernseh-Sender, mit Videos. Exakt das Gleiche, wie es der NDR macht.

Wo war der Aufschrei bei der iPad-App von Focus Online (gratis, mit Videos, tagesaktuell), wo war der Aufschrei bei der Stern-App für iPhone? Nix. Hier geht es nur um Kohle, niemand denkt an die Konsumenten ..


Christian M.

22.12.2010
!

Hier bellen Verleger, die keine mehr sind. In den Verlagen hat man die Leitung Unternehmensberatern überlassen, die eine Zeitschrift/Zeitung/App nicht aus verlegerisch, creativer Sicht betrachten sondern nur anhand von Zahlen und Statistiken. Es "regiert" ein aufgeblähter, überbezahlter Wasserkopf, dessen vorrangiges Ziel die Selbsterhaltung ist. Dafür wird in den Redaktionen gespart was das Zeug hält. So entstehen weder gute Printprodukte noch konkurrenzfähige Apps noch überzeugender Content.


Vuvu

22.12.2010
!

Hier die einfachste Lösung: GEZ wird abgeschafft, dann ist es auch legitim für die Tagesschau-App Geld zu verlangen, letztendlich zahlt es ja jeder User für die App mehr als genug über die GEZ-Gebühren.
Falls da wegen Wettbewerbsverzerrung eine Klage eingereicht wird, dann müssten eigentlich die GEZ-Zahler auch eine Gegenklage einreichen, warum sie dann überhaupt GEZ bezahlen, wenn sie sowieso für die Dienstleistung der öffentlich-rechtlichen Anstalten trotzdem nochmal bezahlen sollen.


B.H.

22.12.2010
!

Ich arbeite in einem Medienunternehmen und kann mich nicht dagegen wehren, den Wettbewerber meines Arbeitgebers über meine Rundfunkgebühren finanziell zu unterstützen. Die Entwicklung und Pflege von Apps ist sehr kostenintensiv und der ÖRR bekommt hierfür auch noch Zwangs-Subventionen der Bevölkerung, um Arbeitsplätze in der freien Marktwirtschaft zu gefährden...
und das ist dann keine Wettbewerbsverzerrung?


bingfan

22.12.2010
!

Die meisten deutschen Verlage haben sich ihre Position nicht in einer Marktwirtschaft erkämpft, sondern von den Alliierten nach dem Krieg in Form von monopolartigen Lizenzen geschenkt bekommen. Darauf konnten sie aufbauen und haben - durchaus erfolgreich - weitere Medien erschlossen. Auch der Wettbewerb untereinander war doch mehr von Rücksichtnahme geprägt. Durch das Internet und neue "Devices" müssen sie sich zum ersten mal richtig behaupten, haben es mit Gegnern auf Augenhöhe zu tun.


B.H.

22.12.2010
!

...das vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und der vorangegangenen Gleichschaltung der öffentlichen Information eine deutliche Reglementierung für die Vergabe von Verlagslizenzen stattgefunden hat, war wohl nicht nur aus Sicht der Alliierten wünschenswert.
Und bei dem Vorstoß des ÖRR handelt es sich wohl kaum um einen Wettbewerb auf Augenhöhe, wenn einer der Wettbewerber finanziell unabhängig von Vertriebs- und Werbeerlösen agieren kann.


Dudelfunk und Unterhaltungs-TV

22.12.2010
!

Mich wundert, das die Verleger erst bei der Tagesschau-App reagieren. Die stete Selbstausweitung der Öffentlich-Rechtlichen Medienanstalten ist schon lange ein Ärgernis.
Haben die schon soviel Marktmacht, dass die Verleger sich nicht trauen, die Verschwendung von Zwangsgeldern dort täglich anzuprangern? Dann wären wir der Diktatur schon einen Schritt näher. Wer 7,6 Milliarden € jährlich an Zwangsgeldern kassiert, kann auch Meinung erkaufen. Die ÖR konservieren altes und gehören abgeschafft!


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