Ein Dankesschreiben an das beste Social Network: Glückwunsch, Facebook!

 

Ach, Facebook. Du hast gewonnen. Die Männerzeitschrift "FHM", Gott hab sie selig, hat es als eine der Ersten in Deutschland verstanden. Sie gab irgendwann dieses Jahr den Betrieb ihrer Website auf und forderte die Nutzer auf, einfach mal bei Dir reinzuschauen, Fan von "FHM" zu werden, und Fragen über lustige Aufreißersprüche von Christiano Ronaldo zu beantworten. Dass "FHM" dann endgültig eingestellt wurde, ist nicht Deine Schuld. Außerdem schaufelst du uns Traffic zu

Ach, Facebook. Du hast gewonnen. Die Männerzeitschrift "FHM", Gott hab sie selig, hat es als eine der Ersten in Deutschland verstanden. Sie gab irgendwann dieses Jahr den Betrieb ihrer Website auf und forderte die Nutzer auf, einfach mal bei Dir reinzuschauen, Fan von "FHM" zu werden, und Fragen über lustige Aufreißersprüche von Christiano Ronaldo zu beantworten. Dass "FHM" dann endgültig eingestellt wurde, ist nicht Deine Schuld.

Ein Chefredakteur meinte neulich in einem Hintergrundgespräch, er wundere sich, warum Medien nicht einfach ihre Kommentarfunktion auf ihren Webseiten abschalten und die Nutzer ganz auf Facebook diskutieren lassen. So wie die Jungs von "stern.de" das gemacht haben. Da müsse man sich nicht mit so vielen Spinnern auf den eigenen Seiten herumärgern. Auch das ist ein ermutigendes Zeichen, Facebook. Du wirst ernst genommen. Du nimmst uns Medienmenschen Arbeit ab. Du bist lustig, unterhaltsam, ein toller Zeitvertreib.

Du schaufelst uns sogar Traffic zu, wenn wir unsere möglichst exklusiven Meldungen auf unserem Fanprofil unter Deinem Dach einstellen. Kosten tut uns das keinen Cent und der Aufwand ist gering. Die Inhalte kann ja sogar ein Praktikant bei Dir posten. Im Zweifelsfall kann der das sogar besser als ein Redakteur, und wir machen ihn gleich zu unserem Social-Media-Manager. Denn twittern kann der auch.

Was außerdem toll ist: Man kann so schöne Geschichten über Dich schreiben. Du bist von einem Harvard-Studenten programmiert worden, der sich dabei von Kommilitonen "inspirieren" ließ und schließlich ganz groß rauskam – eine fetzige Geschichte, die in einer Wirtschaftszeitschrift laufen kann oder in einer Illustrierten oder sonstwo. Nach der Jubelgeschichte kann man nach etwa einem halben Jahr dann auch erste Zweifel wecken, wie gemeinschaftsdienlich die Absichten Deiner Chefs wirklich sind. Die scheinen nämlich Geld mit Dir verdienen zu wollen. Richtig viel Geld sogar! Um Milliarden soll es gehen!

Derweil freuen wir uns weiter, dass Du uns so praktisch unterstützt bei allem, was mit den jungen Leuten zu tun hat, die ja keine Zeitschriften mehr kaufen und auch sonst ganz andere Pläne mit ihrer Zeit haben, als wir uns das wünschen würden. Du verleihst uns ein wenig Jugendlichkeit, Du strahlst auf uns ab, Du machst uns cool, begehrenswert, sexy. Was würden wir ohne Dich machen? Ja, Facebook, Du hast gewonnen. Glückwunsch!

Die Glosse erschien im kressreport 25/2010 vom 10. Dezember 2010, zum Abonnement geht's hier, zur Einzelheftbestellungen hier.

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