TV-Marktanteile 2010: Bittere Bilanz für die ARD

 

Ob sich ARD-Programmdirektor Volker Herres schon ein wenig fühlt wie Bayern-Coach Louis van Gaal? Trotz bester Startbedingungen und Publikumslieblingen wie Eurovisions-Wunderteenie Lena und den WM-Kickern im Team musste das Erste eine demütigende Saisonbilanz ziehen: Mit einem Gesamt-Marktanteil von 13,6% hängte RTL den Senderverbund 2010 klar ab. Die ARD erzielte im Jahresdurchschnitt lediglich 13,2%. Da halfen auch die guten ARD-Dezemberwerte nichts mehr.

Ob sich ARD-Programmdirektor Volker Herres schon ein wenig fühlt wie Bayern-Coach Louis van Gaal? Trotz bester Startbedingungen und Publikumslieblingen wie Eurovisions-Wunderteenie Lena und den WM-Kickern im Team musste das Erste eine demütigende Saisonbilanz ziehen: Mit einem Gesamt-Marktanteil von 13,6% hängte RTL den Senderverbund 2010 klar ab. Die ARD erzielte im Jahresdurchschnitt lediglich 13,2%. Da halfen auch die guten ARD-Dezemberwerte nichts mehr.

In der nun endgültigen Bilanz mit den Zahlen vom Silvesterabend steht RTL ganz oben auf dem Siegertreppchen: Die Kölner verbuchen in der werberelevante Zielgruppe einen Durchschnittsmarktanteil von 18,1% und hängten damit die Verfolger ProSieben (11,6%) und Sat.1 (10,7%) weit ab.

Trotz spektakulärer Einzelerfolge wie dem Ausnahme-Filmhit "Die Wanderhure", der dem kurzfristig zum Mittelalterexperten mutierten Bällchensender 9,87 Mio Gesamtzuschauer einbrachte, hat Sat.1 auch 2010 seine neue Ausrichtung noch nicht recht gefunden. Probleme bereitet weiterhin der Vorabend, wo der Telenovela-Nachschub "Hand aufs Herz" nicht wirklich zünden wollte. Und am traditionell schwierigen Freitagabend gibt es trotz positiver Signale durch die neuen Shows "Die perfekte Minute" und "Mein Mann kann" noch zu wenig Konstanz. Die neue Staffel der Ulla-Kock-am-Brink-Show dürfte 2011 Senderchef Andreas Bartl ein wenig Luft verschaffen. Sat.1 verbuchte in der Zielgruppe einen Verlust von 0,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und tritt somit auf der Stelle.

Voll auf die Zwölf? Nicht wirklich!

Alles andere als zufrieden sein kann auch der ProSieben-Kollege Thilo Proff. Vom ehrgeizigen Ziel "Alles auf die Zwölf", das heißt einem entsprechenden Zielgruppen-Marktanteil, ist der Sender mit nur 11,6% in der Jahresbilanz weit entfernt. Gegenüber dem Vorjahres-Durchschnitt büßte ProSieben 0,3 Prozentpunkte ein und ist damit der größte Verlierer. Besonders krass macht sich das beim Blick aufs Gesamtpublikum bemerkbar: Hier liegt der notorisch junge Sender - unter anderem bedingt durch die starke WM-Konkurrenz - 2010 bei nur 6,3% (Vorjahr: 6,6%).

Bei den kleineren Privatsendern verfehlte kabel eins das zwischenzeitlich einmal herbeigesehnte Ziel, über die 7,0-Prozentmarke zu kommen, klar: Am Jahresende steht bei den Werberelevanten 6,2% in der Bilanz (Vorjahr: 6,1%). Trotzdem ein Ergebnis, mit dem der Benjamin der ProSiebenSat.1-Gruppe gut leben kann. Vor allem vom enormen, für viele Kritiker zunächst nicht vorhersehbarenen "X Factor"-Schub profitierte Vox: Der IP-Sender verbesserte sich von 7,5% aus dem Vorjahr auf das ansehnliche amtliche 2010-Endergebnis von 7,7%.

RTL II und das Zittern um die Qualität

Fast schon eine Schreckensbilanz (in der Außenwahrnehmung) hinterließ schließlich RTL II im Programmjahr 2010, das mit "Big Brother" eigentlich so stark begonnen hatte. Nach diversen Flops im Sommer und der ausgerechnet vom Senderchef Jochen Starke wohl etwas zu impulsiv losgetretenen Qualitätsdebatte musste sich der Zweite-Reihe-Privatsender mal wieder ernsthaft Sorgen ums Senderimage machen. Unterm Strich fiel die Bilanz mit einem Zielgruppen-Marktanteil von 6,0% dann doch nicht ganz so schlimm aus, im Vorjahr waren es allerdings noch 6,2%. Und mittlerweile liegt kabel eins wieder klar vorn.

Im Gesamtzuschauer-Ranking liegt RTL mit 13,6% Jahresmarktanteil erstmalig seit 2003 wieder vor der ARD (13,2%). Das ZDF kam auf 12,7%, Sat.1 auf 10,1%. Deutlich abgesetzt von der Spitzengruppe folgen ProSieben (6,3%), Vox (5,6%), kabel eins (3,9%) und RTL II (3,8%).

Offene ARD-Programmbaustellen

Für die ARD-Programmstrategen dürften sich viele Fragen, die das Programmjahr 2010 trotz vieler Sport-Highlights und guter Einzelerfolge, etwa den weiterhin souveränen "Tatort"-Quotengaranten aus Münster, überschatten, auch im neuen Jahr fortsetzen. Oberste Dringlichkeit hat weiterhin das Vorabend-Problem im Ersten: Hier will es Volker Herres ab der zweiten Jahreshälfte mit Krimikomödien versuchen. Am schwachen ARD-Nachmittag wirkt sich die Konkurrenz durch das zwar von Feuilletonisten kräftig kritisierte, in der Werbe- und Zuschauerwirkung aber höchst erfolgreiche RTL-Scripted-Reality-Programm in der durchschnittlichen Quoten-Bilanz weiterhin verheerend aus.

RTL hat auch im Dezember die Nase vorn

Am generellen Befund konnten letztlich auch die guten Dezember-Werte der ARD nichts mehr ändern: Im traditionellen Gala-Monate mit dem Festprogramm rund um die Feiertage erzielte das Erste einen Gesamt-Marktanteil von 12,7% und lag damit deutlich vor den ZDF-Kollegen (12,3%). Doch auch im Dezember hatte RTL mit immerhin 13,6% beim Gesamtpublikum die Nase vorn. Zum Vergleich: Im November hatte RTL allerdings noch 15,3% erzielt, die ARD 12,2% und das ZDF 11,7%.

Bei den Werberelevanten lag RTL mit 18,2% im Dezember über dem Jahresdurchschnitt von 18,1%. Dennoch konnten die Kölner längst nicht mehr an den November-Rekordwert von 19,8% anknüpfen. Weiterhin beachtlich blieb allerdings der Abstand zu ProSieben (11,2% im Dezember, 11,6% im November) und Sat.1 (10,3% im Dezember, 11,0% im November).

Vox erreichte in der letzten Monatswertung 2010 einen Zielgruppen-Wert von 7,2% und lag damit noch vor den Öffentlich-Rechtlichen, die beide jeweils 6,7% erzielten. kabel eins schaffte es mit 6,3% knapp über den Jahresdurchschnitt, RTL II blieb mit nur 5,6% darunter.

Silvester-Schunkeln mit Andy Borg

Last but not least: Die meisten Zuschauer hatten sich am letzten Programmtag des Jahres für die ARD entschieden. Der Gesamt-Marktanteil für das Erste, wo sich immerhin 4,55 Mio Gesamtzuschauer für die Schunkelei "Silvesterstadl" mit Andy Borg entschieden hatten, lag bei 13,8% (ZDF: 11,0%, RTL: 9,5%).

Bei den Werberelevanten hatte RTL mit 13,7% an Silvester die Nase vorn - weit vor ProSieben (8,7%) und Sat.1 (8,0%).

Auf ein gutes neues TV-Jahr!

Ihre Kommentare
Kopf

karin kleibel

03.01.2011
!

Wie furchtbar, dass der rasende RTL-Schwachsinn auch noch zum Maßstab wird. Es steht zu befürchten, dass die ARD auch weiterhin versuchen will, es den privaten gleicht zu tun. Das heißt für mich ich kann getrost, meinen Fernseher abschaffen.


Jakob

03.01.2011
!

"Das heißt für mich ich kann getrost, meinen Fernseher abschaffen."
Liebe Karin, keinen Fernseher zu haben befreit aber zuknftig nicht mehr davon, die ARD zu finanzieren.


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