"Völlig gaga": Die Heilmann-Facebook-Saga

 

Vor wenigen Tagen brachte der Berliner "Tagesspiegel" eine Exklusivmeldung. Der Werber (Scholz&Friends), Internet-Unternehmer und CDU-Politiker Thomas Heilmann "steige bei Facebook aus". Heilmann habe seine Anteile verkauft. Die Meldung stimmte, was danach kam, war aber interessanter als die Nachricht an sich.

Vor wenigen Tagen brachte der Berliner "Tagesspiegel" eine Exklusivmeldung. Der Werber (Scholz&Friends), Internet-Unternehmer und CDU-Politiker Thomas Heilmann "steige bei Facebook aus". Heilmann habe seine Anteile verkauft. Die Meldung stimmte, was danach kam, war aber interessanter als die Nachricht an sich.

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Facebook eine Finanzspritze von 500 Mio Dollar bekommt, davon 450 Mio Dollar von Goldman Sachs. Der "Tagesspiegel"-Redakteur Henrik Mortsiefer hatte darauf Heilmann angerufen, um ihm zum Mechanismus der Goldman-Investments zu befragen. In dem Gespräch bezeichnete Heilmann die Bewertung von Facebook mit nun 50 Mrd Dollar als "irre". Auf die Frage, was er mit seinen eigenen Anteilen gemacht habe, sagte Heilmann, er habe sie vor Weihnachten verkauft.

Dies veröffentlichte der "Tagesspiegel" korrekt in einer knappen Meldung, die auch an die Nachrichtenagenturen rausging. Weder hatte sich Heilmann konkret dazu geäußert, wie viele Anteile er hält ("im Promillebereich"), wie viel er mit dem Verkauf erlöst hat, und an wen er auf welchem Wege verkauft hat.

Die Meldung, berichtete Heilmann gegenüber kress so amüsiert wie erstaunt, habe trotzdem eine weltweite Welle geschlagen. Zwar ist Heilmann selber Profi, was Werbung angeht. Doch eine solche Reaktion erstaunte ihn dann doch. Nicht nur deutsche Medien wollten ihn nun befragen, sondern auch internationale Titel. Darunter die brasilianische Finanzzeitung "Exame", zuletzt das bekannte US-Blog "TechCrunch". Dessen Autor Robin Wauters fragte Heilmann, was er mit dem Verkauf verdient habe. Die Antwort: "Ich konnte meinen Kindern ein Weihnachtsgeschenk kaufen."

Auch gegenüber kress sagte Heilmann (natürlich) nichts über die Details. Warum die Meldung sich in Windeseile verbreitete, kann er nur vermuten. Heilmann hat der Meldung, dass Facebook nun mit 50 Mrd Dollar bewertet ist, ein Gesicht gegeben. Dass die Bewertung des Social Network überzogen scheint, ist keine News und auch als Statement keine Überraschung. Doch in Verbindung mit der Investitionsspritze wirkte der Heilmann-Verkauf offenbar als perfekte Ergänzung mit gegenläufiger Aussage: Vielleicht wäre es nun Zeit, auszusteigen. Für Goldman Sachs, sagt Heilmann, lohne sich der Deal allerdings in jedem Fall.

Was den Politiker, der Vize der CDU in Berlin ist, dann doch irritiert: Er habe einen detaillierten Plan für die Reform der maroden Berliner S-Bahn vorgelegt. Das Konzept sei laut Heilmann von der Presse weitgehend ignoriert worden - außer vom "Tagesspiegel", der äußerst lobend kommentiert hatte. Im Spätsommer hatte sich Heilmann zudem als Vermittler engagiert, als der Verkauf von Karstadt an Nicolas Berggruen ins Stocken geraten war und zu scheitern drohte. Die Vermittlung war letztlich erfolgreich, habe aber von der Aufmerksamkeit nur ungefähr ein Zehntel des Medienechos zu Facebook ausgemacht. Heilmann findet das: "Völlig gaga".

Ihre Kommentare
Kopf
Alexander MacG

Alexander MacG

Seamaster Pictures Ltd
Producer & EcoWarrior

06.01.2011
!

Auch wenn ich sicherlich in weiten Bereichen eine andere Betrachtung und gar Weltanschauung haben mag als Herr Heilmann, was sich sicherlich auch in unserer politischen Haltung widerspiegelt, aber die Einschätzung zur facebook Bewertung und diesen überzogenen medialen Hype als "komplett gaga" zu bezeichnen, teile ich gerne.

Zuckerberg auf amerikanisch ausgesprochen klingt wohl nicht umsonst wie "sucker....." ;-)


RD

07.01.2011
!

Wenn es hier irgend jemand ein "sucker" sein sollte, dann ist es sicher nicht Herr Zuckerberg. He's laughing all the way to the bank :-)


JohannQ

07.01.2011
!

FB ist nunmal eine international relevante Firma... was der Heilmann macht ist lokal, bestenfalls regional relevant. Von daher sollte ihn das jetzt nicht sooo sehr wundern ;)


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