Die DLD-Digitaltrends: Wo Geld und Stil zusammen jodeln

 

Ein wenig Hype ist dabei, aber unterm Strich gehört Burdas Digital-Kongress DLD zu den wichtigsten Veranstaltungen ihrer Art. Ein wenig TED, ein wenig Startup-Schaulaufen und natürlich ein wenig Burda - die Stars der Szene kommen offenbar sehr gerne nach München, um dann im Anschluss nach Davos weiterzuziehen. kress hat die relevanten Trends zusammengefasst.

Ein wenig Hype ist dabei, aber unterm Strich gehört Burdas Digital-Kongress DLD zu den wichtigsten Veranstaltungen ihrer Art. Ein wenig TED, ein wenig Startup-Schaulaufen und natürlich ein wenig Burda - die Stars der Szene kommen offenbar sehr gerne nach München, um dann im Anschluss nach Davos weiterzuziehen. kress hat die relevanten Trends zusammengefasst.

Das Geld fließt

Auf dem DLD wurden vermutlich so viele Deals eingefädelt und so viel Wagniskapital in Aussicht gestellt wie in keinem Jahr zuvor. Nicht davon offiziell, natürlich, aber hinter den Kulissen soll es hoch hergegangen sein. Mit Groupon-Gründer Andrew Mason war ein Kandidat für einen Börsengang dabei. Sein angeblich profitables Startup wird nach nur zwei Jahren mit 15 Mrd Dollar bewertet. Reid Hoffmann von Linkedin wird ebenfalls nachgesagt, den IPO anzustreben, und zwar noch vor Facebook.

"Wenn sie zehn Unternehmenschefs fragen, ob sie noch einmal an die Börse gehen würden, sagten neun von ihnen Nein", meinte dagegen Barry Silbert von Secondmarket, einer Art alternativer Börse. Aber - mit Börsengängen werde eben sehr viel Geld verdient. Gibt es eine zweite Blase? Soweit wollte kaum jemand beim DLD gehen. Gerne heißt es, die Geschäftsmodelle seien im Vergleich zum Anfang des Jahrtausends realer und realistischer.

Für einen bizarren Moment sorgte Groupon-Gründer Mason. Eine halbe Stunde war er den bohrenden Fragen von Moderatorin Kara Swisher ausgewichen, was einen Börsengang oder den abgesagten Verkauf an Google angeht. Swisher hatte gestichelt und gelästert, und das zur Unterhaltung des Publikums. Zum Schluss stellte sie eine vermeintlich harmlose Frage, wovon Mason träume. Da schien er so erleichtert zu sein, dass er sich zwei Minuten einer Fantasie hingab, wie es wäre, in einem Spielcasino mit lauter Zombies gefangen zu sein, die er alle abknallen müsse. Da ist dem ein oder anderen Finanzier wohl das Blut in den Adern gefroren.

Google sucht die Zukunft

Die Google-Manager müssen die Branche davon überzeugen, dass der Konzern seinen Höhepunkt noch nicht überschritten hat. "Suche ist tot", sagte beispielsweise Esther Dyson. Nun verspricht der Konzern, die Suche soll relevanter werden, die Erfindung und Integration von Social Media-Anwendungen besser gelingen. Auf dem DLD waren Google-Vertreter wie üblich in Fußballmannschaftsstärke vertreten, darunter Marissa Mayer, Philipp Schindler, Nikesh Arora und natürlich Ex-CEO Eric Schmidt.

Vor allem Schmidt wurde hofiert wie ein König. Dabei habe er doch noch gar nichts getan, sagte Schmidt vor seiner Rede. Und da kam dann auch tatsächlich nicht viel. Schmidts Ansprache an die Gemeinde konzentrierte sich auf die mobile Zukunft, die der Konzern mit dem Betriebssystem Android dominieren will, das allgegenwärtige Netz und die "erweiterte Menschheit". Schön, aber alles nicht neu. Die Presse erfuhr im Anschluss an die Rede im Hinterzimmer leidlich spannende Dinge von Schmidt wie die Ansage, dass er sicher noch weitere zehn Jahre bei Google bleibe. Mit einem Bonus von 100 Mio Dollar sagt sich so etwas mit leichtem Herzen.

Dafür, dass Google von Hubert Burda und vielen Medienmanagern regelmäßig heftig für "Content-Klau" geprügelt wird, war die Sonderbehandlung und die überbordende Freundlichkeit übertrieben. Ein weiterer Beleg für die allgemeine Schizophrenie, mit der die Medienbranche dem Suchgiganten gegenübertritt.

Social = Geschäft

Social Media-Plattformen und -Anwendungen werden endlich auch als Geschäftsmodell ernst genommen. Facebook war auch ohne Mark Zuckerberg einer der DLD-Stars. "Search moves Social", sagte beispielsweise "New York Times"-Verleger Arthur Sulzberger Jr. Social-TV werde zu einem ganz großen Ding, versicherte Ynon Kreiz von Endemol, Social Content eminent wichtig, meinte Scribd-Gründer Trip Adler. Wenn Social zum Geschäft wird, fragt sich allerdings auch, was das dann mit Social macht.

Wer sich jetzt nicht wandelt, der verschwindet

Für Medienunternehmen, die aus der analogen Welt kommen, muss die Transformation noch schneller gehen als bisher. Der Finanzinvestor Jim Breyer sagte: "Wenn wir die Medienkonzerne von morgen heute starteten, gäbe es weder Zeitungen noch Zeitschriften noch Fernsehen bei ihnen." Wandelten sich die Konzerne nicht drastisch, werde es sie in zehn Jahren nicht mehr geben. Paul-Bernhard Kallen, der Vorstandschef von Burda, stellte sich vor allem zwei Fragen: Wie entwickelt sich die Werbung im Internet? Wie muss man Print-Produkte gestalten, damit sie eine Zukunft haben?

Alt und Neu gehören zusammen

Der Brückenschlag zwischen alter und neuer Medienwelt geht voran. Der Unterschied zwischen Alt und Neu krache in sich zusammen, sagte sinngemäß James Murdoch. Für viele Medienkonzerne (wenn auch nicht für alle) ist das Digitalgeschäft eine Selbstverständlichkeit, die allerdings von der Integration in die bestehenden Strukturen und den Geschäftsmodellen noch in den Griff zu bekommen ist.

Symbolisch für diesen Brückenschlag mag das Gespräch zwischen Facebook-Investor Sean Parker und Romancier Paolo Coelho gewesen sein, die sich ganz gut zu verstehen schienen. Dem Gespräch war auch zu entnehmen, dass der für 8 Oscars nominierte Facebook-Film "The Social Network" angeblich reine Fiktion sei. Denn: "Es gibt keine Victoria´s Secret Models im Silicon Valley."

Tablets sind gesetzt

Ist Mobile ein gesetztes Mega-Thema, scheint der Durchbruch für den Tablet-PC ebenfalls ausgemachte Sache zu sein. Auf vielen Panels fragten Sprecher, wer alles ein iPad besitze, und viele viele Arme reckten sich in die Höhe. Gewiss, kein repräsentatives Ergebnis. Dennoch: Wo sich ein Gerät derart schnell bei den Entscheidern durchsetzt, gibt es gute Chancen für den Massenmarkt.

Andere Noch-Nischenthemen wie Augmented Reality streben dorthin. AR sei "the next mass medium", meinte Maarten Lens-FitzGerald von Layar. "Unsere Vision ist es, den Desktop zu ersetzen", sagte Peter Meier von Metaio.

Stimmung, Stimmung, Stimmung

Die Stimmung hat sich im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal gesteigert. Die Organisatoren Steffi Czerny und Marcel Reichart waren wie üblich strahlender Laune, zwischendurch wurde getanzt, ein lustiges Viral-Video zur "Footloose"-Musik aufgenommen und Hubert Burda jodelte. Klassische Medien könnten sich von der zur Schau gestellten guten Laune gerne anstecken lassen.

Stil ist Trumpf

Zu guter Letzt: Der DLD scheint wie die gesamte Branche immer stylisher zu werden. Nicht nur hat Natalie Massenet, die Gründerin des Modeportals net-a-porter.com, den Aenne Burda-Award bekommen. Burda-Gattin Maria Furtwängler, die den Preis verlieh, trug auch nicht zufällig ein Kleid, das sie auf net-a-porter erstanden hatte. Sean Parker war mit tadellosem Outfit - Anzug mit Weste, Designer-Brille und halbhohen Lacklederschuhen - der männliche Gegenpart. Deepak Chopra, der Guru des Wohlgefühls, bestach nicht nur mit einer Rede auf das ausgewogene Leben, sondern auch mit glänzenden roten Schuhen, die bequem und außergewöhnlich zugleich aussahen.

Am Ende gab es in diesem Jahr zwar nicht wie im vergangenen Jahr ein Google-Handy geschenkt - aber für alle DLD-Gäste das gute Gefühl, ein Stück von der digitalen Zukunft gesehen zu haben und ein Teil von ihr zu sein. 

Ihre Kommentare
Kopf
Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

26.01.2011
!

das mit dem jodeln sehe ich ganz anders

Beste Grüße


Stefan Frei

Stefan Frei

Bündnis für Werte GmbH & Co. KG & iduwi UG
Geschäftsführer

26.01.2011
!

„search goes social“ „vom Informationsnetz zum Social Network“ – beide Aussagen bringen es auf den Punkt! Diese Aussage könnte das orientierungslose Herumstochern vieler Marken und Old School Medien endlich beenden und den Weg zu wirklich relevanten Themen und Konzepten aufzeigen. Auch die "lousy pennies" werden der Vergangenheit angehören, wenn wir endlich das bedienen, wonach die Gesellschaft verlangt. Mal sehen, wer in diesem Business überhaupt noch "social" kann. Social heißt nämlich sozial.


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