Grosso-Zoff vor neuem Höhepunkt: Bauer will gegen "Pilotabschluss" klagen

 

Im Streit um die Zukunft des Grosso-Vertriebssystems steht eine weitere Eskalation bevor: Die Bauer Media Group hat jetzt eine "rechtliche Überprüfung" des so genannten "Pilotabschlusses" zwischen Axel Springer AG und Bundesverband Presse Grosso angekündigt. Die Vereinbarung sei ein "unzulässiges Konditionenkartell".

Im Streit um die Zukunft des Grosso-Vertriebssystems steht eine weitere Eskalation bevor: Die Bauer Media Group hat jetzt eine "rechtliche Überprüfung" des so genannten "Pilotabschlusses" zwischen Axel Springer AG und Bundesverband Presse Grosso angekündigt. Die Vereinbarung sei ein "unzulässiges Konditionenkartell".

Das Verlagshaus erneuert in einer Pressemitteilung die Kritik an der Vereinbarung zwischen Springer und Grosso-Verband, die ähnlich bereits Geschäftsleiter Andreas Schoo zu Protokoll gegeben hat (kress.de vom 11. Januar 2011): Der Abschluss sei "für viele Zeitschriften langfristig existenzgefährdend". Statt einer Verbesserung der Konditionen würden bei Berücksichtigung der Stichtagsregelung "deutlich schlechtere Konditionen" angeboten. Auch die Laufzeit des Vertrages - er gilt von 2012 bis 2017 - sei  inakzeptabel. Außerdem zementierten die Nebenabreden in der Vereinbarung alle Nachteile des jetzigen Systems. "Das Grossosystem bleibt weiterhin Selbstzweck, statt sich zu reformieren und zu optimieren", so Bauer.

Springer und Grosso-Verband hatten sich im Dezember 2010 überraschend geeinigt (kress.de vom 16. Dezember 2010), und der Grosso-Verband bietet die Vereinbarung jetzt auch anderen Verlagen an. Sie besteht aus einem Schreiben der Springer-Vorstände Mathias Döpfner und Rudolf Knepper und einer "Bonus Plus"-Regelung. In dem Schreiben sind die beiden Springer-Vorstände dem Grosso entgegengekommen: Sie haben u.a. zugesichert, dass die Gemeinsame Erklärung von 2004 auch im Verhältnis zwischen Springer und einzelnen Grossisten gilt. Die Bonus-Regelung sieht vor, dass Zeitschriften sowie "Bild" und "Bild am Sonntag" eine Bonifikation erhalten, sollte ihr Umsatz ab 2012 im Vergleich zu 2010 stabil bleiben bzw. steigen.

Das seit März 2009 bestehende Zeitschriften-Konditionen-Abkommen haben Springer und Grosso-Verband in einem Aufwasch unverändert bis 2017 verlängert. Das passt Bauer nicht: Das Verlagshaus fordert "eine spürbare Absenkung der Spannen für alle Zeitschriften sowie eine Überarbeitung der Spannensystematik hin zu einem zeitgemäßen Abrechnungssystem".

Bauer-Geschäftsleiter Schoo konkretisierte gegenüber der Fachzeitung "Horizont" die Forderungen des Verlags und das weitere Vorgehen: Bauer fordert, dass die Handelsspannen um 3 Prozentpunkte sinken. Schoo will laut "Horizont" nun zunächst den Grosso-Verband abmahnen lassen, und zwar wegen eines "angeblich unzulässigen Preis- und Konditionenkartells sowie angeblich kartellrechts- und wettbewerbswidriger Behinderung". Der Abmahnung dürfte dann eine Klage folgen. Der Grosso-Verband hatte Ende 2010 auch mit Bauer gesprochen, Forderungen des Verlags nach Handelsspannen-Senkungen sowie nach bilateralen Verhandlungen mit einzelnen Grossisten aber abgelehnt.

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