Trotz Klagedrohung: Grosso-Verband will Bauer nicht nachgeben

 

Im Ping-Pong-Spiel zwischen Bauer Media Group und Bundesverband Presse-Grosso haben jetzt wieder die Grossisten Aufschlag: Erwartungsgemäß weigern sie sich, eine Unterlassungserklärung der Bauer Vertriebs KG zu unterschreiben. Die Vertriebstochter des Großverlags verlangt darin u.a., dass der Verband nicht länger mit ihm über einheitliche Konditionen verhandeln darf. Der Grosso-Verband wertet dieses Ansinnen in einer Pressemitteilung nun als "nicht nachvollziehbar".

Im Ping-Pong-Spiel zwischen Bauer Media Group und Bundesverband Presse-Grosso haben jetzt wieder die Grossisten Aufschlag: Erwartungsgemäß weigern sie sich, eine Unterlassungserklärung der Bauer Vertriebs KG zu unterschreiben. Die Vertriebstochter des Großverlags verlangt darin u.a., dass der Verband nicht länger mit ihm über einheitliche Konditionen verhandeln darf. Der Grosso-Verband wertet dieses Ansinnen in einer Pressemitteilung nun als "nicht nachvollziehbar".

Die Genese des Konflikts in Kürze: Grosso-Verband und Axel-Springer AG hatten sich im Dezember überraschend auf einen "Pilotabschluss" geeinigt, den die Grossisten nun auch den anderen Verlagen anbieten (kress.de vom 16. Dezember 2010). Er sieht u.a. eine Bonuszahlung für Zeitschriften vor, deren Umsatz zwischen 2012 und 2017 gegenüber 2010 nicht um mehr als 4% sinkt.

Bauer hält diese Vereinbarung aber für völlig unzureichend und fordert u.a. eine Absenkung der Grosso-Handelsspannen um 3 Prozentpunkte. Der Grosso-Verband hat diese Forderung Ende 2010 abgelehnt und er wehrt sich auch gegen den Versuch des Verlags, mit einzelnen Grosso-Unternehmen separat zu verhandeln. Bauer hat daraufhin eine "rechtliche Überprüfung" des Verhaltens der Gegenseite angekündigt (kress.de vom 27. Januar 2010) und den Grosso-Verband mit Anwaltsschreiben vom 26. Januar abmahnen lassen. Der Verlag greift dessen zentrales Verhandlungsmandat an. In einer Pressemitteilung von Ende Januar erweckte Bauer den Eindruck, auch den Abschluss zwischen Grosso-Verband und Springer als "unzulässiges Konditionenkartell" juristisch angehen zu wollen, doch das ist nicht der Fall.

Der Grosso-Verband "bedauert" in seiner Mitteilung, dass der Verlag "nach mehr als 60-jähriger erfolgreicher Zusammenarbeit keine Gespräche mit der Verbandsspitze führen will". Ein "konstruktiver Dialog über Vertriebspolitik und Konditionen" sei nicht möglich, solange Bauer an dieser Haltung festhalte. "Gemeinsam mit allen anderen Verlagen" halte der Verband eine "weiterhin einheitliche Konditionen-Regelung für unverzichtbar für den neutralen, auf Vollsortimente ausgerichteten Pressevertrieb". Die Abmahnung durch Bauer und die in Aussicht gestellte Klage wertet der Grosso-Verband als Versuch, "zur Erlangung einseitiger Vorteile das neutrale Vertriebssystem ernsthaft zu gefährden".

Bauer hat sich mit seiner unversöhnlichen Haltung unter den Verlagen noch weiter isoliert: Sie halten am einheitlichen Verhandlungsmandat des Grosso-Verbandes fest.

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