Quotenfrust statt Alpenglühen: "Wanderhure" Alexandra Neldel scheitert in der Lederhose

 

Lamas im steirischen Bergdorf, sinnlich wallende Saris und Uwe Steimle als Frust-Ossi beim Schuhplattln: Eigentlich keine ganz abwegige Idee von Sat.1, Alexandra Neldel ("Die Wanderhure") in eine Multikulti-Gaudi zwischen Lederhosen-Liebelei, indischem Musical und Alpenwestern zu schicken. Dumm nur, dass dem biederen Movie "Bollywood lässt Alpen glühen" dramaturgisch nach wenigen Minuten die Luft ausging - und es so nur 2,67 Mio Zuschauer aktivieren konnte (Marktanteil: 8,4%).

Lamas im steirischen Bergdorf, sinnlich wallende Saris und Uwe Steimle als Frust-Ossi beim Schuhplattln: Eigentlich keine ganz abwegige Idee von Sat.1, Alexandra Neldel ("Die Wanderhure") in eine Multikulti-Gaudi zwischen Lederhosen-Liebelei, indischem Musical und Alpenwestern zu schicken. Dumm nur, dass dem biederen Movie "Bollywood lässt Alpen glühen" dramaturgisch nach wenigen Minuten die Luft ausging - und es so nur 2,67 Mio Zuschauer aktivieren konnte (Marktanteil: 8,4%).

In knappen Hot Pant-Lederhosen machte Sat.1-Markenbotschafterin Neldel zwar eine knackige Figur, etwas "Bild"-Unterstützung im Vorfeld gab's auch, doch an eine Wiederholung des "Wanderhure"-Wunders war natürlich nicht zu denken. Zur Erinnerung: Im Oktober 2010 hatte die mittelalterliche Fleischbeschau 9,75 Mio Zuschauer vor die Bildschirme gelockt.

Diesmal floppte die allzu bemüht witzige ORF-Sat.1-Koproduktion nicht nur beim Gesamtpublikum, auch die Zielgruppen-Ausbeute enttäuschte: Mit 1,41 Mio jüngeren Fans landete der wohl einmalige Bollywood-Ausflug bei einem Werbe-Marktanteil von 10,9%, der nur knapp über dem aktuellen Monatsdurchschnitt von Sat.1 liegt. Zum Vergleich: Sieben Tage zuvor hatte die Wiederholung des Hannes-Jaenicke-Klamauks "Allein unter Schülern" einen Schnitt von immerhin 14,8% geholt. Bezeichnend: Nach dem Alpin-Murks stieg der Marktanteil mit dem Sat.1-Magazin "Akte 20.11" im Anschluss sogar wieder auf 11,9%.

Der Tagessieg bei den 14- bis 49-Jährige ging an den RTL-Vorabenddauerbrenner "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten", den sich 2,80 Mio Werberelevante nicht entgehen lassen wollten (24,7%). Aufs Marktanteils-Konto zahlte ebenfalls die starke Hauptabend-Serie "CSI: Miami" (20,1%) ein, während "Dr. House" (17,8%) weiterhin kränkelt.

"Scrubs"-Paradox: Maue Gags, starker Zuspruch

Am traditionell humoristischen Dienstagabend hatten vor allem die ProSieben-Planer zu lachen: Die Comedy-Folge "Two and a Half Men" um 21:35 Uhr schob sich mit 2,71 Mio Werberelevanten sogar auf Platz zwei im Tagesranking (21,0%).

Sehr wacker behaupten konnte sich auch die neuen "Scrubs - Die Anfänger"-Folgen, die mit Marktanteilen von 17,6% (um 22:05 Uhr) und 19,9% (um 22:35 Uhr) die Kassen klingen ließen. Damit konnte sich "Scrubs" im Vergleich zum ohnehin starken Staffelstart in der Vorwoche noch einmal steigern. Verkehrte Fernsehwelt: Enttäuschten die bisherigen Durchläufe der Krankenhaus-Comedy meist durch die Bank, erlebt die neunte und finale Staffel jetzt einen ungeahntes Frühlingshoch. Und ganz im Vertrauen: Die Gags waren früher schon mal deutlich besser.

Bei den Reichweiten-Riesen hatte unterm Strich die ARD-Serie "In aller Freundschaft" die Nase vorn, die sich auf eine Fanbasis von 6,92 Mio Zuschauern ab drei Jahren verlassen kann - darunter 1,13 Mio Werberelevante (8,3%). "Familie Dr. Kleist" landete mit 6,44 Mio Gesamtzuschauern auf dem zweiten Platz.

In der Tageswertung siegte RTL mit einem Zielgruppen-Marktanteil von 21,1%. ProSieben (10,8%) und Sat.1 (10,3%) blieben auf Distanz.

Ihre Kommentare
Kopf

zeitwand

09.02.2011
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Interessantes Bild: Die TOP15 bestehen nur aus RTL und ProSieben Sendungen. Two and a half men haben den Erfolg wirklich verdient, nicht wegen der Serie an sich (die ist wirklich nur Mittelmaß), aber ich finde gut das es Sitcoms in der Primetime endlich geschafft haben sich wieder zu etablieren. Hoffentlich droht da nicht schon bald ein Overkill, man denke nur an den Mittwochabend bei ProSieben.
Auch interessant: TV Total Vorklappe als eigenständige Sendung.


Wolfgang Messer

Wolfgang Messer

- Freiberuflich tätig -
TV-Sprecher, Blogger und Redakteur

09.02.2011
!

@zeitwand: Die Top 15 bestehen hier nur deshalb aus RTL und Pro7, weil für das Ranking leider die unsinnige 14-49-"Zielgruppe" (eine Erfindung u. a. vom damaligen RTL-Chef Thoma) benutzt wird.

Es soll aber noch vereinzelte Webseiten geben, die ihr Ranking an der gesamten Zuschauerzahl orientieren. Da sieht's dann etwas anders aus.


Wolfgang Messer

Wolfgang Messer

- Freiberuflich tätig -
TV-Sprecher, Blogger und Redakteur

09.02.2011
!

P. S.: Zum Hintergrund siehe auch hier:
http://fastvoice.net/2010/08/18/tv-quoten-quatsch-fur-zielgruppen-horige/
(Ich falle übrigens Mitte Juni aus der Zielgruppe 'raus - dann endet wohl auch schlagartig meine Konsumfreude und die Empfänglichkeit für Werbebotschaften)


AKS

09.02.2011
!

Mal wieder bin ich nicht mit Ihrem Kritiker einer Meinung, was die Bollywood-Schmonzette in den Alpen betrifft: Erstens war es 'ne wirklich witzige Idee, eine solche Komödie zu drehen, zweitens hat man in Deutschland / Österreich nun mal leider keine Bollywood-Budgets und drittens: Hätten alle Damen der werberelevanten Zielgruppe zuvor gewusst, dass der knackige indische (?) Hauptdarsteller auf seine Weise auch mit Hannes Jaenicke konkurrieren kann, hätten vielleicht ein paar mehr gekuckt... ;-)


Tanja Lugert

Tanja Lugert

www.ganz-muenchen.de
Redakteurin

09.02.2011
!

@AKS, da gebe ich dir recht, gut war die Idee. Leider wurde sie sterbenslangweilig umgesetzt und auch Alexandra Neldel konnte nichts "rausreissen". In einem möchte ich dir aber wiedersprechen - ab Mitte der 90er Jahre waren die Alpen der "Topdrehort" für erfolgreiche Bollywoodformate. Selbst Deutschland wurde inzwischen entdeckt. Scrubs verwundert mich sehr. Dass Format hat sehr stark nachgelassen und seinen Charme verloren. Vielleicht wollen alle nur wissen was aus Dr. Dorian und Co. wird.


AKS

09.02.2011
!

@Tanja Lugert: Dass "Bollywood" seit den 90ern in der Schweiz dreht - um nicht in Kaschmir über den Haufen geschossen zu werden, wissen wir ja nun alle. Trotzdem haben weder der ORF noch Sat.1 das Budget einer Bollywood-Produktion, wenn ich meine Bemerkung da noch mal allgemein verständlich präzisieren darf... Und wo liegt da jetzt der Widerspruch?????


Peter Jebsen

Peter Jebsen

Handelskammer Hamburg
Chefredakteur HW │ Hamburger Wirtschaft (Abt. Content & Marketing)

09.02.2011
!

@AKS, re: "Trotzdem haben weder der ORF noch Sat.1 das Budget einer Bollywood-Produktion (...)." Stimmt. Das Budget von TV-Filmen für den deutschsprachigen Markt ist höher. In einem Interview mit Markus Ruoff (Quotenmeter.de) war am Montag zu lesen: "Ein 90-minütiger Fernsehfilm kostet in der Regel zwischen eineinhalb und zweieinhalb Millionen Euro." Das durchschnittliche Budget eines Bollywood-Films hingegen beträgt je nach Quelle (u. a. PBS.org) umgerechnet zwischen $500.000 und $1.000.000.


Tanja Lugert

Tanja Lugert

www.ganz-muenchen.de
Redakteurin

09.02.2011
!

@AKS, du hast vergessen mit dem Fuß aufzustampfen. Dann habe ich deine Interpretation wohl falsch verstanden. Allerdings bin ich gerne bereit Fehler einzusehen. Wobei ich sehe, dass du nicht besonders viel Ahnung von Bollywoodfilmen hast. "Dil se" wurde 1998 im Kaschmir gedreht. Mit der Angst vorm Erschiessen hat das nichts zu tun.

@Peter Jebsen, so findet man sich wieder;) freut mich!


AKS

10.02.2011
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@Peter Jebsen: Danke, Peter Jebsen! Natürlich bin auch ich bereit Irrtümer einzusehen ;-) (@Frau Lugert), denn dass Bollywood-Produktionen tatsächlich unter den Budgets der hiesigen TV-Filmkunst liegen war mir nicht bekannt. Habe ich einfach mal so nicht bermutet - auch wenn sie in der Schweiz gedreht werden? Und ja: ich weiß, dass man in "Bollywood" vergleichsweise billig jegliches Filmmaterial technisch nachbearbeiten lassen kann. Ist mir bekannt...


Tanja Lugert

Tanja Lugert

www.ganz-muenchen.de
Redakteurin

10.02.2011
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@AKS, bevor hier eine Endlosdiskussion über Bollywoodproduktionen entsteht, die hier nichts zu suchen haben. Hier handelt es sich um ein eigenes Genre der Produktionen, dass seit ungefähr fünf Jahren einem extremen Wandel unterliegt. Billigproduktionen haben kaum noch Bedeutung auf dem indischen Markt und die Produzenten verlegen sich in Mumbai inzwischen auf einen vollkommen anderes Level, da sich in den letzten Jahren mit Bildung einer Mittelschicht ein anspruchvolleres Publikum etabliert hat.


AKS

11.02.2011
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@Tanja Lugert: schön, dass Sie wir mal einer Meinung sind - nämlich dass diese Diskussion beendet werden sollte. Zumal Sie ja jetzt nix anderes schreiben, als ich ursprünglich auch: "Billigproduktionen haben kaum noch Bedeutung auf dem indischen Markt"... Also doch große Budgets. ;-)


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