Stefan Raabs Wutrede in der "SZ": "Die Journalisten drehen durch"

18.02.2011
 

Zu einer Uli-Hoeneß-Gedächtnis-Wutrede hat die "SZ" Stefan Raab angestachelt. Streitthema ist u.a. die Show "Unser Song für Deutschland". Auf einmal interessierten sich die Medien für den Eurovision Song Contest und täten so, als handele es sich um Politik. "Der größte Wahn liegt in den Köpfen der Journalisten. Die drehen durch", schimpft Raab.

Zu einer Uli-Hoeneß-Gedächtnis-Wutrede hat die "SZ" Stefan Raab angestachelt. Streitthema ist u.a. die Show "Unser Song für Deutschland" (kress.de vom 9. Februar 2011). Auf einmal interessierten sich die Medien für den Eurovision Song Contest und täten so, als handele es sich um Politik. "Der größte Wahn liegt in den Köpfen der Journalisten. Die drehen durch", schimpft Raab.

Raab sagt, das alles sei nur Unterhaltung, Entertainment und nichts mehr. Das Problem der meisten Leute sei: "Sie haben Schiss in der Buchse. Was passiert denn, wenn wir beim nächsten Mal den ESC nicht gewinnen? Das haben zwei Wochen später alle wieder vergessen, und jeder erinnert sich nur noch daran, wie schön das in Oslo war, als wir gewonnen haben. Niederlagen sind morgen wieder vergessen." Nur Siege würden bleiben, so Raab. 

Außerdem sei er es doch gewesen, der von der ARD gebeten worden sei, Ödland aufzuarbeiten: Nach 2004 hätte es beim Grand-Prix nur die Wahl zwischen Pest und Cholera gegeben. "In dem Jahr vor Lena hatten Sie nicht mal diese Wahl. Da wurde diktatorisch bestimmt: Alex swings, Oscar sings und Dita tanzt. Da haben Sie die Pest, die Cholera und die Syphilis frei Haus bekommen."

Dieses System sei dann in eine Neo-Demokratie überführt worden: "Wir haben nicht nur über den Künstler abstimmen lassen, sondern auch über den Song. Das System, was wir jetzt hier betreiben, ist nur die logische Konsequenz."

Raab fordert "SZ"-Interviewer Hans Hoff auf, sich seine eigenen Artikel zum Grand-Prix-Vorentscheid vom vergangenen Jahr durchzulesen: "Da stand, dass das todlangweilig ist, dass sich das kein Mensch angucken kann. Andere haben geschrieben, dass wir besser als Platz fünf sowieso nicht abschneiden werden. Aber am Schluss wollten alle mit aufs Foto, inklusive der Journalisten."

Raab sagt, er würde Leute nicht verstehen, die sagten: Man solle aufhören, wenn es am schönsten ist; man mache sich den eigenen Ruhm kaputt. "Was ist das denn für ein Schwachsinn? Das zeigt aber, worauf die aus sind: auf Ruhm. Ruhm bringt aber im Leben nichts. Ruhm ist so kurzatmig, dass auf der Aftershowparty des Deutschen Fernsehpreises die Hälfte der Leute nicht mehr weiß, wer einen Preis bekommen hat."

Raab fragt, ob irgendwo im Grundgesetz stünde, dass es ein Recht der Bevölkerung gebe, zu entscheiden, wer zum ESC fährt: "Das ist ja, als würde Jogi Löw per Tele-Voting entscheiden, wer in der Nationalmannschaft spielt. Wenn ich Trainer für die Sing-Nationalmannschaft bin, übernehme ich die Verantwortung, für die Niederlage, aber auch beim Sieg."

Niederlagen hätte es in letzter Zeit für Raab auch bei seiner Show "Schlag den Raab" gegeben, stichelt Hans Hoff und spielt auf das Alter von Raab an, der 44 ist. Raab schiebt auch hier den schwarzen Peter den Journalisten zu: Natürlich sei die Show noch lange haltbar. Er hätte nun zweimal hintereinander verloren. "Na und? Irgendwann werde ich auch dreimal hintereinander verlieren. Dafür habe ich auch schon fünfmal hintereinander gewonnen". Und selbst wenn er im Alter nachlassen würde: "So ist das Leben. Ich habe dreimal die ZDF-Hitparade gewonnen. Was soll ich noch erreichen."

Das komplette Raab-Interview bei "sueddeutsche.de".

Ihre Kommentare
Kopf

Hahn

18.02.2011
!

...wer bitte ist Herr Raab?


Tanja Lugert

Tanja Lugert

www.ganz-muenchen.de
Redakteurin

18.02.2011
!

Man kann über Stefan Raab denken was man will. Sicherlich scheiden sich bei ihm die Geister. Allerdings hat er einige Dinge auf den Punkt gebracht, aber als Moderator kennt er das Geschäft. Es läuft seit Jahren so und wird sich auch zukünftig nicht ändern. Seine Ideen sind nicht schlecht und haben oft zu einem gutem Ergebnis geführt und das muss man ihm anrechnen. Zumindest entstaubt er mit seiner frechen Art die Fernsehlandschaft und das macht einfach Spass, weil es funktioniert.


Robert Winter

18.02.2011
!

Grossartig!
Recht hat er! Diese Mutlosigkeit und Spiessigkeit vorallem im deutschen Entertainment ist zum heulen.
Und wenn einer den Mut wie Raab hat, dann verbreiten diese Spiesser wie Hoff ihre biederen Sprüche und glauben sie haben irgendwie eine Ahnung.
Entertainment - Show - Popmusic: schon mal ins Deutsche übersetzt?
Warum tut man sich in diesem Lande so schwer mit diesen Begriffen?
Raab ist ohnehin der einzige TV-Macher der sich mal traut nicht zu kopieren!


JUICEDaniel

18.02.2011
!

Lukas

18.02.2011
!

Stefan Raab hat so recht, egal, wie man zur aktuellen Show steht. Und Herr Raab ist wirklich der Einzige, der im gesamten deutschen TV Markt erfolgreich Innovation vorantreibt (wie selbst Giovanni di Lorenzo gestern Abend bei Illner bemerkte)!


Hans-Jürgen Schröder

Hans-Jürgen Schröder

Go Press! Ltd.
Geschäftsführer

18.02.2011
!

Mir persönlich geht sein Geschmack total ab. Ich denke da an Raabs Erfahrungen/Misserfolge in den vergangenen Jahren
- Max Mutzke 2004: "Can't Wait Until Tonight"
- Raab himself 2000: "Wadde hadde dudde da" (o Graus!)
die bei weitem nicht das widerspiegeln, was sich als typisch "deutsches Liedgut" bezeichnen lässt. Und LM-L: Naja!
Warum wird nicht , wie z.B. bei DSDS, das "gemeine Volk" zur Abstimmung gebeten. Das wäre - wenn vielleicht auch erfolglos - wenigstens demokratisch


Stefan Frei

Stefan Frei

Bündnis für Werte GmbH & Co. KG & iduwi UG
Geschäftsführer

18.02.2011
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Nachmacher und Schlechtredner: „Einfach mal die Klappe halten!“ Seit 20 Jahren gibt es in Deutschland kaum Innovationen in der TV Landschaft, die nicht als Lizenz im Ausland eingekauft worden wären. Jetzt haben wir mal eine mutige Person im eigenen Land, die sich traut streitbare Wege zu gehen, Innovationen schafft und wir zersägen ihn – trotz grandioser Erfolge (Schlag den Raab wird in 14 exportiert, Lena Sieg etc.)!
Das ist respektlos und erstickt jede Form von Innovation!


Buntstift

18.02.2011
!

Raab versuchte im ersten "Schland-Taumel" nach dem Oslo-Erfolg die "Geldmaschine" gleich lebenslang zu "pachten". Legitim - nachdem die ARD und andere Medien dieser "Geiselnahme" nichts entgegensetzten. Man sollte dieses -oft punktarme- Gröhl- und Hüpfspektakel nicht überbewerten und auch nicht in Manier der Privatsender und "Randpresse" hochspielen. Wer will, kann sich das noch zwei Abende antun. Ansonsten haben wir in ganz "Schland" wichtigere Themen, als glucksenden Gesangesnachwuchs.


kritzelliese

18.02.2011
!

Ob es nun wirklich eine gute Idee war, Lena zur "Titelverteidigung" zu nominieren, das darf man fragen. Aber ich bin keine Expertin in der Unterhaltungsbranche, im Gegensatz zu Stefan Raab. Er hat unfassbar viele, erfolgreiche Ideen - er ist DER EINZIGE, der wirklich Innovationen in unsere beschi*** TV-Landschaft bringt.

Man möge doch bitte abwarten: Wahrscheinlich hat er aus Lena im Rest-Europa bereits einen Star gemacht. DIE stimmen ja am Ende für oder gegen sie. Der Raab macht das schon.


Momme

18.02.2011
!

Es ist echt unbegreiflich für mich, dass man Stafan Raab als großen Retter der unterhaltungsbranche sehen kann. Und Innovation? Nur mal am Rande für die Unwissenden: Schlag den Raab ist eine billige Kopie von Beat the Star aus USA! Genauso wie alles im deutschen fernsehen! und mal ganz ehrlich: Wer kann den noch über tvtoal lachen? eine show in der einfach nur auf untersten niveau sich über andere leute lustig gemacht wird.Aber es ist wie auch in der politik die leute lassen sich einfach blenden


Peter F. Meyer

18.02.2011
!

Ja ja. Wenn es nicht so läuft, wie man möchte, dann sind die Journalisten Schuld an allem.
Aber so einfach ist das nicht Herr Raab. Sie sollten auch einmal Selbstkritik üben und zugeben, dass die Entscheidung, Lena im Alleingang auftreten zu lassen, ein großer Fehler war! Nicht für Sie. Sie verdienen ja durch Lena richtig Schotter! Arme Lena.
Imperialistisches Verhalten mit Selbstüberschätzung haben bislang jeden in die richtige Ecke getrieben. Johannes B. macht ja hier auch kein besseres Bild.


ostseh

18.02.2011
!

nur wer macht, hat recht. ebenso, wer gewinnt oder wer heilt.
gewonnen ist vorher schon lange nicht mehr worden beim songcontest. und nur die ausländischen medien sagten mit lena - man muss sie ja nicht mögen, aber das vorher war ja wirklich peinlich - eine neue musikära voraus. und es gilt noch immer das prinzip, dass ein erfolg wie beim würfeln bestätigt werden muss. das geschieht nun. und dann kann nach der auswertung doch jede debatte geführt werden. zauderer- und besserwisserdebatte


Andreas Kasperczak

18.02.2011
!

So langweilig wie geschrieben war "Ein Song für Deutschland" nicht, dass 2 Drittel der Musikstücke allerdings kaum ESC geeignet sind , ohne ihnen die musikalische Qualität absprechen zu wollen, ist schon bemerkenswert.
raab ist für mich der am meisten überschätzte Fernsehschaffende überhaupt, Tv total ist schon lange in Routine erstarrt, und C-u.D -Promis nach immer gleichem Muster in Wettkämpfen antreten zu lassen ,ist kein Zeichen von überschäumenden Einfallsreichtum.


ostSeh

18.02.2011
!

@juiceDA'N'IEL: eine der besten gegendarstellungen, die ich je gelesen habe. kurz, prägnant und superwitzig :-) sie entlarvt das ganze system der homestories.. ..


Currywurstbrot

18.02.2011
!

raab hat vollkommen recht


MetzgersBester

18.02.2011
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Etwas dünnhäutig geworden, der selbsternannte TV-King. Sein Problem: Ein Siegel, ein Maffay oder ein Gottschalk wird er nie. Wo sind diese unglaubl. tollen Ideen? SCHLAG DEN RAAB ist Lizenz, seine Grand-Prix-"Innovation" nur die Rückkehr zu alten Verhältnissen usw. Und als Trittbrettfahrer über andere Sender zu lästern, haben andere schon besser gekonnt. Er sollte auf seiner Insel das mit dem Grand Prix verdiente Geld zählen u. auf 1,5 Mio. Quote heute hoffen. Und dann eine Auszeit nehmen...


Rico

19.02.2011
!

Super! Raab ist einer der wenigen mutigen und innovativen Menschen in der deutschen Medienlandschaft... Wie mir dieses pseudointellektuelle Journalistengefasel auf die Nerven geht: Alles wissen bisser, aber nichts können sie...


Didi

19.02.2011
!

Stefan Raab hat meist "ein Händchen" für solche Unternehmungen, sollte jetzt aber auch einfach zugeben, dass er in diesem Fall Mist gebaut hat. Die Idee der "Titelverteidigung" ließ von Anfang an Langeweile erahnen und die farblosen, sich viel zu sehr ähnelnden Songs haben die Befürchtungen nur bestätigt. Spaß und Spannung waren in diesem "Vorentscheid" für die allermeisten Zuschauer nicht zu finden. Und genau darum geht es doch im Entertainment - was faselt er da nur von "Grundgesetz" herum?


Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

19.02.2011
!

das Wut- Interview hilft ihm auch nichts. Er und sein Management mißachten eklatant das kleine Einmaleins der Entertainment Medien. Das 1. Gebot: riskiere und beschädige niemals einen Sieger. Lena wäre für den Rest ihres Lebens eine Siegerin geblieben, wenn man sie nicht zum zweiten Mal antreten ließe. Ich prognostiziere Lena im letzten Viertel, und folglich eine Reputation als Looserin. Die geschlossene Konkurrenz wird nichts anderes zu tun haben, als den Sieg von Lena zu verhindern. Blauäugig.


Jürgen Weise

19.02.2011
!

Sorry, lieber Stefan Frei und Co.:
Stefan Raab hat zwar definitiv viele Innovationen eingebracht und viele Veränderungen im TV ausgelöst - Hut ab! Doch es muss auch gestattet sein, so eine Lichtgestalt zu kritisieren, wenn sie übers Ziel hinausschießt. Denn Raab ist aus meiner Sicht teilweise etwas zu ehrgeizig, zu egozentrisch und zu einzelkämpferisch ausgerichtet. Und in diesen Fällen bedarf es eines Korrektivs. Doch leider gehört auch die Selbstkritik nicht gerade zu Raabs Särken. Um ihn wirklich aus der Reserve zu locken, sind dann schon mal deutlichere Worte, wie von SZ-Interviewer Hoff, nötig. Doch Raab kann das vertragen. Denn er geht ja nach wie vor selbst nicht gerade zimperlich mit seinen Gästen und "Opfern" in TVTotal um.
Ich wünsche mir - auch jenseits von Raab - neue Ideen und Konzepte sowie frische Gesichter im TV - wäre das nicht einmal eine Casting-Show wert? ;-)


claire frei

20.02.2011
!

der Erfolg gibt ihm recht !!!!!
er ist für mich als wenig tv konsumentin immer wieder ein highlight


Ralf Greis

21.02.2011
!

Na isses nicht schön diese typisch deutsche Problemwirklichkeit... wir wissen und kümmern uns immer genau um die Gründe und Facetten warum Dinge scheitern werden. Wenn es 90% Chancen gibt und 10% Risiko verbringen wir 95% unserer Zeit damit uns auf die 10% Risiko zu konzentrieren. Was uns in der Qualität den Begriff "Made in Germany" einst eingebracht hat das geht uns bei dem Begriff von Innovation fürchterlich ab. Wie im Internet sind wir die "Chinesen" die lieber kopieren anstatt zu innovieren


Alexander MacG

Alexander MacG

Seamaster Media Ltd
Producer & EcoWarrior

21.02.2011
!

Schade nur für Lena, die nach dem jetzigen ESC eher in der Vergessenheit verschwinden wird...

Geopfert auf der Schlachtbank von Brainpool, deren GF zusammen mit Raab eh über Leichen gehen.

Kleine dicke Männer (Anwalt von Beruf), die alle gerne Porsche fahren :-D und sich selber als den Mittelpunkt der TV Unterhaltung halten. Das ist leider die Wirklichkeit hinter der Klosettschüssel im Gesicht und der GF dieses Unternehmens.


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