G+J-Boss Buchholz kritisiert Nachgiebigkeit gegenüber Apple: "Das finden wir nicht besonders schlau"

 

Gruner + Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz (Foto), 49, hat anderen Verlagen zu große Nachgiebigkeit im Umgang mit Apple vorgeworfen. Im Interview mit dem kressreport kritisierte er ihre mangelnde Bereitschaft, beim Digital-Kiosk Pubbles mitzumachen: "Leider hat die deutschen Verlage, die alle von der Notwendigkeit von Kooperationen sprechen, die Lust verlassen, zu kooperieren, obwohl wir angeboten haben, notfalls sogar in eine Minderheitsbeteiligung zu gehen. Dass dies keiner annimmt, finden wir nicht besonders schlau."

Gruner + Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz, 49, hat anderen Verlagen zu große Nachgiebigkeit im Umgang mit Apple vorgeworfen. Im Interview mit dem kressreport kritisierte er ihre mangelnde Bereitschaft, beim Digital-Kiosk Pubbles mitzumachen: "Leider hat die deutschen Verlage, die alle von der Notwendigkeit von Kooperationen sprechen, die Lust verlassen, zu kooperieren, obwohl wir angeboten haben, notfalls sogar in eine Minderheitsbeteiligung zu gehen. Dass dies keiner annimmt, finden wir nicht besonders schlau."

Mit dem im Herbst 2010 gestarteten Pubbles wollen G+J und die Bertelsmann-Tochter Direct Group Verlagen einen Vertriebsweg für ihre digitalen Angebote, etwa iPad-Apps, anbieten und so die Abhängigkeit von Apples App Store mindern. Apple hat im Februar 2011 einen Abo-Service für Verlags-Apps eingeführt, dessen Regeln den Verlagen allerdings nicht schmecken.

Auch Buchholz unterstützt die Kritik: "Mich interessieren nicht so sehr die 20 oder 30% Marge, die Apple verlangt", sagte er dem kressreport. "Ich sehe aber nicht ein, warum wir uns von einem Hardware-Anbieter den Kundenkontakt und die Kundenbeziehung abnehmen lassen sollen." Laut Buchholz wird G+J seine Produkte über iTunes nur noch im Einzelverkauf und nicht mehr im Abo anbieten, sofern das Unternehmen von Apple nicht die Kundendaten der Abonnenten bekommt.

Buchholz reklamiert für sein Haus die "Inhalte-, Kunden- und Vermarktungshoheit" auch für Apps und kritisiert, dass andere Verlage es nicht genauso halten. Einige Häuser würden "ihre Grundprinzipien schon beim Start einer neuen Technologie aufgeben, um dann festzustellen, dass sie von den drei Grundprinzipien zwei nicht mehr eingelöst bekommen".

"Das kommt mir ausgesprochen komisch vor"

Auch im Streit um das Pressevertriebssystem plädiert Buchholz dafür, "die freie Verfügbarkeit von medialen Produkten zu gewährleisten". Der G+J-Boss kritisierte die Bauer Media Group für ihre Klage gegen das zentrale Verhandlungsmandat des Bundesverbandes Presse-Grosso: "Das Haus Bauer attackiert mit der Klage etwas, an dem es über Jahrzehnte selbst mitgebaut hat. Das kommt mir ausgesprochen komisch vor."

Die "gelegentliche Unbeweglichkeit der Grossisten" solle keinen Verleger dazu bringen, ein "gewachsenes, vernünftiges System in Frage zu stellen". Die Verlage müssten jetzt zeigen, dass man sich mit dem Grosso auf vernünftige Regeln und Konditionen einigen könne: "Dann lassen sich vielleicht diejenigen, die etwas irrlichternd unterwegs sind, auf den Pfad der Tugend zurückholen."

"Krise erfolgreich gemeistert"

Buchholz zog im Gespräch mit dem kressreport eine positive Bilanz des Geschäftsjahres 2010, in dem G+J den Umsatz leicht gesteigert, das operative Ergebnis deutlich verbessert und wieder einen Jahresüberschuss erzielt hat: "Dieses Haus hat gerade äußerst erfolgreich eine Krise gemeistert, die uns allen einiges abverlangt hat." Für 2011 stellte er ein neues Frauenmagazin in Deutschland in Aussicht.

Das ganze Interview mit Bernd Buchholz lesen Abonnenten im kressreport 7/2011, der am 1. April erscheint. Darin gibt der G+J-Boss auch Auskunft über die Situation der Wirtschaftspresse, die neue Geschäftssäule Professional Publishing und die Digitalstrategie des Hauses. Hier geht es geradewegs in unseren schicken Abo-Shop!

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