"Galakids" im kress-Check: Massage auf den Malediven

 

Viele Mütter werden "Galakids" nicht mögen: Der jüngste Ableger der People-Zeitschrift "Gala" propagiert, Jungen und Mädchen schon im zarten Alter vollumfänglich mit Markenkleidung auszustaffieren, erklärt den iPod Touch in Kinderhand für "einfach unverzichtbar" oder legt Leserinnen wärmstens die "Super Dundae Supreme"-Massage für Girls ans Herz. Sie kostet nur 70 Euro (für 75 Minuten) - findet allerdings im Ice Cream Spa des Kids Clubs auf den Malediven statt.

Viele Mütter werden "Galakids" nicht mögen: Der jüngste Ableger der People-Zeitschrift "Gala" propagiert, Jungen und Mädchen schon im zarten Alter vollumfänglich mit Markenkleidung auszustaffieren, erklärt den iPod Touch in Kinderhand für "einfach unverzichtbar" oder legt Leserinnen wärmstens die "Super Dundae Supreme"-Massage für Girls ans Herz. Sie kostet nur 70 Euro (für 75 Minuten) - findet allerdings im Ice Cream Spa des Kids Clubs auf den Malediven statt.

"Galakids" richtet sich an "Yummie Mummies", worunter man bei Gruner + Jahr "die urbane, berufstätige und stylishe Müttergeneration mit Kindern von bis zu 12 Jahren" versteht. Daneben hat der Verlag seinen Blick fest auf die Mode- und Beautyindustrie gerichtet: Auf etwa einem Drittel der 146 Seiten findet die Leserin nichts als Produktpräsentationen, und große Marken wie Marc O`Polo und Armani werben für ihre Kinderkollektionen. An vielen Stellen des Heftes hat man den Eindruck, "Galakids" sei für Leserinnen bestimmt, deren liebstes Accessoire das Kind selbst ist - eines, das es leider noch nicht von Gucci gibt.

Soweit der moralisierende Teil dieser Besprechung, jetzt der Abschnitt ohne Schaum vorm Mund: "Galakids" reiht sich ein in eine ganze Gruppe von neuen Titeln, die es auf "stylische Mütter" mit kleinen Kindern abgesehen haben. Dazu gehören auch "Mum" (Luna Media), "Mama" (WAZ-Gruppe) und - derzeit "pausierend" - "Mama's Life" (Vikant Crafts Publishing). Kennzeichnend für "Galakids" ist die "Gala"-gemäße durchgehende Orientierung an angesagten "Hollywood-Eltern": Auf dem Titel ist die schöne Schauspielerin Jessica Alba mit ihrer wohlgeratenen Tochter Honor Marie zu sehen, im Heftinneren ist zu lesen, wie Will Smith oder die Beckhams ihre Kinder erziehen ("extravagant" bzw. "very british") und wie es bei einem Kindergeburtstag in Hollywood so zugeht (kann schon einmal 100.000 Dollar kosten).

Anders als Wettbewerber verzichtet "Galakids" ganz auf viele für Elternzeitschriften gemeinhin typische Elemente: Probleme und Herausforderungen der Kindererziehung kommen nicht vor, soweit sie über die Frage nach dem passenden Schuhwerk, geeignetem Sonnenschutz oder zeitgemäßer Freizeitgestaltung ("einfach nur im Garten toben war gestern") hinausgehen. "Galakids" ist ein Papier gewordener Aufruf zu Konsumfreude und Oberflächlichkeit, aber die Zeitschrift macht auch keinen Hehl daraus.

Wie man es von G+J erwarten darf, ist sie zudem handwerklich gut gemacht. Das Layout ist frisch, es gibt hochwertige Fotostrecken, und die Texte sind zwar nicht tiefer als eine Badebucht auf Sardinien, plätschern aber munter vor sich hin: "Wenn jemand sein Kind 'Apple' nennt, weiß man gleich wo der Tofu-Hase langläuft", heißt es in einem Artikel etwa über die makrobiotisch orientierte Schauspielerin Gwyneth Paltrow.

Im Hinblick auf den weiteren Lebensweg von "Galakids" hält man bei G+J den Flummi flach: Ob das Heft ein zweites Mal erscheinen wird, lässt der Verlag noch offen. Gegenüber den Wettbewerbern ist "Galakids" aber durch die Anbindung an die große "Gala"-Redaktion und die vorhandenen Kontakte zur Werbeindustrie im Vorteil. Und was die Leserinnen angeht, muss man sagen: Viele Mütter werden "Galakids" nicht mögen - aber einige schon.

"GalaKids" erscheint am 7. April und kostet 3,80 Euro. Redaktionsleiterin ist Astrid Saß, zugleich stellvertretende Chefredakteurin von "Gala".

Ihre Kommentare
Kopf

Munich Cowboy

06.04.2011
!

Das Konzept scheiterte schon Ende der 70er Jahre mit der Miss Vogue.
Denke unsere Anzeigenkunden wissen mit so einem Schwachsinn umzugehen.


Angelika Rosemarie

06.04.2011
!

Das hat gerade noch gefehlt. Hoffe, dass dieses völlig überflüssige Hochglanz-Blättchen genau in der Versenkung verschwindet, aus der es gekrochen kam. Das braucht nun wirklich niemand - weder der geneigte Leser noch der Anzeigenkunde.


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