Mehr Übersicht am Kiosk: Braun fordert Reform des Vertriebssystems

 

Zunächst in der "Süddeutschen Zeitung" und jetzt auch in "Horizont" hat Manfred Braun (Foto), Zeitschriften-Chef der WAZ-Gruppe und Vorstandschef der Publikumszeitschriften im VDZ, eine Strukturreform des Pressevertriebssystems gefordert. Die Verlage sollten sich binnen eines Jahre auf eine gemeinsame Linie verständigen, dann mit den Grossisten sprechen und im Idealfall ab 2015 das derzeitige System reformieren, so sein Wunsch.

Zunächst in der "Süddeutschen Zeitung" und jetzt auch in "Horizont" hat Manfred Braun, Zeitschriften-Chef der WAZ-Gruppe und Vorstandschef der Publikumszeitschriften im VDZ, eine Strukturreform des Pressevertriebssystems gefordert. Die Verlage sollten sich binnen eines Jahre auf eine gemeinsame Linie verständigen, dann mit den Grossisten sprechen und im Idealfall ab 2015 das derzeitige System reformieren, so sein Wunsch.

Im Detail fordert Braun, die Konditionen für Grossisten mehr am Jahresumsatz und weniger am Absatz der Titel zu orientieren. Außerdem sollten "stärker betriebswirtschaftliche Parameter wie Logistikkosten und Betreuungsaufwand einfließen, ohne das Solidarprinzip aufzugeben".

Ganz besonders liegt Braun am Herzen, am Kiosk für mehr Übersicht zu sorgen. Er regt deswegen an, weitere Markteintritts- und auch Marktaustrittsregeln zu definieren: "Wir sollten über feste, objektive und verbindliche Kriterien und Prozeduren nachdenken, wann und wie verkaufsschwache Titel aus dem allgemeinen Handel ausscheiden und vielleicht nur noch im Bahnhofsbuchhandel, über Fachgeschäfte oder eben über Abonnement vertrieben werden."

Brauns WAZ-Gruppe ist zusammen mit Burda und Michael Imhoff Gesellschafter des Nationalvertriebs-Dienstleisters MZV. Er verhandelt gerade - wie auch die G+J-Tochter Deutscher Pressevertrieb (DPV) - mit dem Grosso über neue Konditionen. Braun will, dass die zukünftigen Handelsspannenverträge nur noch für drei oder vier Jahre und nicht mehr für sieben Jahre gelten. Im Übrigen stehe eine Einigung mit dem Grosso "unmittelbar" bevor.

"Bauers Positionen sind teilweise nachvollziehbar"

Der Vorstoß von Braun zur Reform des Pressevertriebssystems dürfte nicht zuletzt eine Reaktion auf das Vorgehen der Bauer Media Group sein, die auf Konfrontationskurs ist: Sie ist Ende 2010 wegen eines Streits um Vertriebsfragen aus dem VDZ-Fachverband Publikumszeitschriften ausgetreten und klagt jetzt auch gegen das zentrale Verhandlungsmandat des Bundesverbandes Presse-Grosso (kress.de vom 18. Februar 2011). Die übrigen Verlage nehmen diese juristische Attacke sehr ernst, und Braun versucht nun offenbar, Bauer wieder ins gemeinsame Boot zu holen. Im Interview mit "Horizont" sagt er: "Die Probleme, die Bauer auf seine Weise artikuliert und wie der Verlag darauf reagiert, sollte man nicht leichtfertig ignorieren. Denn sie betreffen zunehmend auch andere Verlagshäuser. Bauers Positionen sind teilweise durchaus nachvollziehbar."

Ihre Kommentare
Kopf

Dieter Cohnen

07.04.2011
!

Lieber Herr Braun.
Als Verleger, der vor fast 25 Jahren mit einer winzigen Auflage und damals absoluter Ahnungslosigkeit über das deutsche Presse-Grosso System gestartet ist, stellen sich bei mir die Nackenhaare hoch, wenn Sie von verbindlichen Markteintritts- und Austrittsregeln sprechen.
Hätte es die damals schon gegeben, wäre meine Zeitung aller Wahrscheinlichkeit nach nie auf den Markt gekommen. Das deutsche PresseGrosso System ist - bei vielen Mängeln, das beste, das ich kennengelernt habe


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