Zweistelliger Mio-Betrag für die Verlage: Grosso einigt sich mit DPV und MZV

 

Nach mehrmonatigen Verhandlungen hat sich der Bundesverband Presse-Grosso mit dem Deutschen Pressevertrieb (DPV) und dem Modernen Zeitschriften Vertrieb (MZV) auf neue Konditionen für den Zeitschriftenvertrieb geeinigt, die von März 2012 bis Februar 2018 gelten. Die neue Regelung sieht u.a. eine stärkere Gewichtung des Jahresumsatzes der Zeitschriften bei der Festlegung der Handelsspanne vor.

Nach mehrmonatigen Verhandlungen hat sich der Bundesverband Presse-Grosso mit dem Deutschen Pressevertrieb (DPV) und dem Modernen Zeitschriften Vertrieb (MZV) auf neue Konditionen für den Zeitschriftenvertrieb geeinigt, die von März 2012 bis Februar 2018 gelten. Die neue Regelung sieht u.a. eine stärkere Gewichtung des Jahresumsatzes der Zeitschriften bei der Festlegung der Handelsspanne vor.

So sollen etwa schon Titel mit einem Jahresumsatz von 500.000 Euro in den Genuss von Boni kommen, bisher war das erst bei einem Umsatz von 1,5 Mio der Fall.

Außerdem haben Grossisten und die beiden Nationalvertriebsdienstleister etwa die Stichtagsregelung im Sinne der Verlage modifziert und vereinbart, dass Titel, deren Umsatz z.B. durch Preiserhöhungen steigt, nicht länger durch eine Rabatterhöhung bestraft werden, sollte ihr Absatz sinken. Der Abschluss bedeutet insgesamt eine Umverteilung in Höhe eines zweistelligen Mio.-Betrages pro Jahr an die Verlage.

Die Grossisten haben auf einer Versammlung am 13. April in Köln die Vereinbarung durchgewunken. "Die Mitglieder stimmten am Ende trotz der erheblichen Bedenken im Hinblick auf die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen mit der erforderlichen Mehrheit zu", sagte Frank Nolte, Vorsitzender des Bundesverbands Presse-Grosso, im Interview mit dem kressreport. "Ausschlaggebend war insbesondere die Erwartung auf eine Stabilisierung der Verhältnisse im Vertriebsmarkt."

Für die Grossisten ist die Vereinbarung aus politisch-juristischen Gründen wichtig: Sie dokumentiert, dass der Verband kompromissbereit ist und maßgebliche Verlage beim Kampf um den Erhalt des Vertriebssystems auf seiner Seite hat. Die Bauer Media Group hat hingegen die Möglichkeit einer Einigung mit dem Verband in Abrede gestellt und gegen sein zentrales Verhandlungsmandat geklagt (kress.de vom 18. Februar 2011), weil es gegen Kartell- und Wettbewerbsrecht verstoße.

Mit der Axel Springer AG hatten sich die Grossisten schon im Dezember 2010 auf die sogenannte Bonus-Plus-Regelung geeinigt, die allerdings die bestehenden Konditionenregelungen unangetastet ließ und nur um eine Bonus-Regelung ergänzte (kress.de vom 16. Dezember 2010). Die übrigen Verlage kritisierten den Abschluss mal lauter, mal leiser als auf die Bedürfnisse von "Bild" zugeschnitten, Bauer nannte ihn sogar "existenzbedrohend" (kress.de vom 11. Januar 2011). Auch Springer wird jetzt aber in den Genuss der von DPV und MZV ausgehandelten Regelungen kommen.

Hinter DPV und MZV stehen die Großverlage Gruner + Jahr (DPV) sowie Hubert Burda Media und WAZ-Gruppe (MZV), auf sie entfällt ein gutes Drittel des Zeitschriftenumsatzes im Einzelverkauf. "Unser Ziel war, den Abschluss, den Axel Springer vor Weihnachten erwirkt hatte, zu einer echten Branchenlösung weiterzuentwickeln. Sie sollte insbesondere die Wünsche der Zeitschriftenverlage stärker berücksichtigen – sowohl in wirtschaftlicher als auch in systematischer Hinsicht", sagte DPV-Geschäftsführer Olaf Conrad ebenfalls im Interview mit dem kressreport. "Dass nun auch höhere monetäre Anreize für hochwertige Spezial-Interest-Magazine bestehen, zukünftig auch schon Titel mit einem Jahresumsatz größer 500.000 Euro in den Genuss eines Bonus gemäß Umsatzbonustabelle kommen und das Presse-Grosso sich noch stärker an zukünftigen Marktrisiken beteiligt, begrüßen wir ausdrücklich", schreibt Michael Imhoff, geschäftsführender Gesellschafter des MZV, in einer Pressemitteilung.

Die vollständigen Interviews mit Olaf Conrad und Frank Nolte lesen Abonnenten im kressreport 8/2011, der am kommenden Freitag erscheint. Hier geht es im Sauseschritt zum Abo!

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