Sponsorengeld geht vor Vertriebserlös: "Handelsblatt First"-App bleibt vorerst kostenlos

 

Die iPad-App "Handelsblatt First" bleibt bis auf weiteres kostenlos für Nutzer. Eigentlich sollte die Anwendung, auf der exklusive Stücke der Wirtschaftsredaktion des "Handelsblatt" zuerst veröffentlicht werden, ab Mai kosten - 11,99 Euro im Monat oder 119,99 Euro im Jahr. Doch jetzt wird ein neuer Sponsor dafür sorgen, dass "First" weitere Monate umsonst bleibt.

Die iPad-App "Handelsblatt First" bleibt bis auf weiteres kostenlos für Nutzer. Eigentlich sollte die Anwendung, auf der exklusive Stücke der Wirtschaftsredaktion des "Handelsblatt" zuerst veröffentlicht werden, ab Mai kosten - 11,99 Euro im Monat oder 119,99 Euro im Jahr. Doch jetzt wird ein neuer Sponsor dafür sorgen, dass "First" weitere Monate umsonst bleibt.

"Die Lücke zwischen dem, was derzeit Sponsoren zu zahlen bereit sind, und möglichen Vertriebserlösen ist noch zu groß", sagt Peter Neumann, Leiter Online Projekte bei der DvH Medien, zu der die Verlagsgruppe Handelsblatt gehört. Auf kress-Anfrage bestätigt er, dass ein Abschluss mit einem neuen Sponsor bevorsteht. In der Startphase zwischen Ende Januar und Ende April präsentiert Siemens die App als Sponsor.

Neumann betont, der Verlag bleibe "weiter auf dem Pfad der Bezahlinhalte und dem Ziel, Handelsblatt First kostenpflichtig zu machen." Der Wechsel auf Bezahlinhalte sei "nur eine Frage des Zeitpunkts".

Die auf Basis der Erlösströme gefällte Entscheidung ist nachvollziehbar und rational. Dennoch stehen ihr Absichtserklärungen gegenüber, mit der digitalen Kostenloskultur Schluss zu machen. So sagte "Handelsblatt"-Chef Gabor Steingart im Juni 2010 im kress-Interview: "Ich glaube nicht an die Umsonst-Kultur. Wenn die Medien alles verschenken, zerstören sie sich selbst." Steingart hatte sich zuletzt im engen Schulterschluss mit Springer-Chef Mathias Döpfner gesehen. Springer ist bei der Einführung von Bezahlinhalten jedoch konsequent.

Neumann mag in der Entscheidung pro-kostenlos keine Inkonsequenz erkennen. Zum einen gäbe der Verlag die Inhalte nicht kostenlos her, denn es bezahle ja jemand - der Sponsor. Zum anderen sei der Zeitpunkt der Einführung von Bezahlinhalten nicht relevant: "Wenn ein User auf eine Anwendung nicht verzichten kann oder will, wird er auch für sie bezahlen - unabhängig vom Zeitpunkt. Das Produkt entscheidet."

Darüber hinaus habe die "Handelsblatt"-App den Vorteil, dass sie nicht so leicht substituierbar sei wie etwa eine News-Website. Es sei eine "Anwendung mit Alleinstellung".

Bisher wurde die iPad-App über 30.000 mal heruntergeladen. Dies entspreche der Obergrenze der Erwartungen, sagt Neumann. Die Entscheidung, in die Kostenlos-Verlängerung zu gehen, ist ein schlichtes Rechenexempel. Angenommen, zwischen 1 und 5% der Nutzer (auf Basis der aktuellen Download-Zahl) wären bereit, ein Jahresabo abzuschließen, läge der Erlös für ein Jahr zwischen 36.000 und 180.000 Euro. "Die Fortsetzung des Sponsorships nutzt derzeit allen", sagt Neumann.

Das Beispiel gibt einen Einblick in die App-Ökonomie von Medienunternehmen.  Für sie sind Bezahl-Anwendungen auf Tablets noch mit vielen Unwägbarkeiten und Risiken verbunden. Wie zuvor im Web gilt noch die Maxime, zunächst nennenswerte Reichweiten aufzubauen und dafür auf Vertriebserlöse zu verzichten.

Ihre Kommentare
Kopf

Andreas May

20.04.2011
!

Es ist sehr zu bedauern, dass gute Verlagsarbeit / guter Wirtschaftsjornalismus von einem Haus wie dem Handelsblatt verschenkt wird. Schon wieder geht man in die falsche Richtung (nicht nur das Handelsblatt). Die Produktion von Nachrichten kostet Geld. Die Ausgabe ebenfalls. Warum sollte der Zeitungsleser zahlen, während der WEB-Kunde nicht zahlt. Impliziert das Internet bei den Verantwortlichen etwa immer noch: "...the web is for free... ???


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