Kiosk-Neuling "GZ Live" im kress-Check: Schöne Dinge, schöner Schein, schönes Heft

 

Das Lifestyle- und Modemagazin "GZ Live" will das Geschäft mit dem Glamour nicht allein den Großen überlassen. "Wenn Frauen Anzüge anziehen", wird darin Marcus Schenkenberg mit der berechtigten Frage zitiert, "warum sollten dann Männer keine Perlen tragen." Der Untitled Verlag, erst 2009 gegründet und von Branchen-Schwergewichten wie Frank Otto, Karl Dietrich Seikel und Rolf Wickmann unterstützt, bekennt Farbe.

Das Lifestyle- und Modemagazin "GZ Live" will das Geschäft mit dem Glamour nicht allein den Großen überlassen. "Wenn Frauen Anzüge anziehen", wird darin Marcus Schenkenberg mit der sehr berechtigten Frage zitiert, "warum sollten dann Männer keine Perlen tragen." Der Hamburger Untitled Verlag, erst 2009 gegründet, bekennt Farbe.

Ob die einstigen Investoren wie Medienunternehmer Frank Otto, Ex-"Spiegel"-Geschäftsführer Karl Dietrich Seikel, Fachverleger Sebastian Hüthig, Ex-"stern"-Herausgeber Werner Funk, der Ex-Gruner + Jahr-Vorstand Rolf Wickmann ihre Starthilfe bei Untitled gut angelegt haben, muss sich erst noch zeigen. Mit dem Vorzeige-Objekt "GZ Live" muss man sich in Hamburger Herrenclubs jedenfalls nicht genieren.

Der Verlag, der nebenbei Corporate-Publishing-Objekte hervorbringt und sich auch als Agentur versteht, ging aus der Insolvenzmasse der VVA Verlagsgruppe hervor. Untitled-Geschäftsführer Christian Jürgens wagte damals einen Management-Buyout und nahm viele Redaktionstalente von Titeln wie "Blonde" oder dem eingestellten Fußball-Heft "Player" mit.

Gestemmt wird "GZ Live", das sein Kiosk-Debüt am 11. Mai feierte, von den Chefredakeurinen Sigrid Jürgens und Caroline Schiedt. Für die Art Direction zeichnet Hanna Tembrink verantwortlich. Die Texte, darunter auch erfreulich viele lesenswerte Langformate, hat Ulrich Schmid feingeschliffen. Die Startauflage des 124-Magazins beträgt 24.000 Exemplaren, die über den Bahnhofs- und Flug-Buchhandel, aber auch über Juweliere, Mode- und Einrichtungshäuser vertrieben werden.

Die 7,50 Euro lohnen sich, wenn man originell, teilweise spektakulär inszenierte Luxus-Objekte bestaunen mögen, die im allgemeinen vor der Kameralinse spröde wirken: Doch Arrangements wie die Kombination von kühler Schwarz-Weiß-Mode mit feurig leuchtendem Farbsteinschmuck (Fotografin: Monica Menez) sowie im Straßendreck verteilte teuer Herrenuhren ("Urban Style: Gold küsst Asphalt", abgelichtet von Felix Krüger) sieht man eben auch nicht aller Tage.

Selbst in den erwartbaren Lesestücken über passioniertes Sammler - immerhin ist "GZ Live" der Schwestertitel des renommierten Fachblatts "GZ Goldschmiede Zeitung" - erlaubt sich das Team einen unverkrampft Stil und Augenzwinkern ("Sie horten sündhaft teure Zeitmesser, reden unverständliches Zeug und sind ständig auf der Jagd nach neuen Objekten. Verrückt? Ja, aber liebenswert").

Außerdem nutzt Sigrid Jürgens als Autorin ihre Plattform endlich einmal, die wiederkehrenden Mode-Zyklen und die weit verbreitete Aufgekratztheit in der Branche prägnant zu belächeln: "Im Sommer 2011 leben die Seventies wieder auf", schreibt sie. "Tragen wir die Revolution auf der Haut, weil wir im Herzen so spießig sind?".

Spießig ist "GZ Live" nicht, im Gegenteil: Erfrischend anders.

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