"Das war ein Riesenfehler": Beinahe-G+J-Digitalchef Scheffler stolpert über Plagiate

28.05.2011
 

Der Wechsel des ehemaligen "Handelsblatt Online"-Chefredakteurs, Sven Scheffler, 40, zu G+J ist offenbar geplatzt, weil der Journalist "massiv abgeschrieben" hat. Dies berichtet "sueddeutsche.de". Dem Internet-Angebot liegt eine E-Mail mit der Betreffzeile "SchefflerPlag" vor, auf der Plagiate Schefflers dokumentiert sind. Auch bei der "SZ" hat Scheffler den Angaben zufolge in seiner Zeit bei "Handelsblatt Online" abgeschrieben.

Der Wechsel des ehemaligen "Handelsblatt Online"-Chefredakteurs, Sven Scheffler, 40, zu den G+J Wirtschaftsmedien ist offenbar geplatzt, weil der Journalist "massiv abgeschrieben" hat. Dies berichtet "sueddeutsche.de". Dem Internet-Angebot liegt eine E-Mail mit der Betreffzeile "SchefflerPlag" vor, auf der Plagiate Schefflers dokumentiert sind.

Für den Artikel "Weichgespült auf dem Weg zur Volkspartei", den Scheffler am 18. August 2010 bei "Handelsblatt Online" über die Grünen veröffentlicht hat, soll der Journalist ganze Absätze von älteren Texten aus anderen Medien kopiert haben, darunter auch ein Text des "SZ"-Redakteurs Michael Bauchmüller: "Grüne Welle", vom 9. Juli 2010.

Scheffler räumte gegenüber "sueddeutsche.de" die Plagiate ein: "Das war ein Riesenfehler. Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte." Er habe an dem Tag unter enormem Zeitdruck gestanden. Auch bei einem anderen Kommentar will Scheffler nach eigenen Angaben "nicht sehr sauber gearbeitet haben". Trotzdem sei das Ganze "ein Ausrutscher, keine Methode".

Am vergangenen Montag soll der Wechsel von Scheffler zu G+J abgeblasen worden sein. Leitende Redakteure des Hamburger Verlags hätten kurz vor einem Treffen mit Scheffler einen Tipp bekommen haben, heißt es bei "sueddeutsche.de". Scheffler soll die Vorwürfe sofort eingeräumt und inzwischen auch einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet haben.

Gruner + Jahr hatte am vergangenen Donnerstag auf kress-Anfrage bestätigt, dass Sven Scheffler doch nicht Digital-Chef der G+J Wirtschaftsmedien wird (kress.de vom 26. Mai 2011). Über die Gründe sei Stillschweigen vereinbart worden.

Hintergrund: Scheffler sollte ab Juli die Leitung des Online-Ressorts der G+J Wirtschaftsmedien übernehmen (kress.de vom 18. Mai 2011). Damit hätte er die Websites und alle digitalen Produkte und Services der Wirtschaftstitel "Börse Online", "Business Punk", "Capital", "Financial Times Deutschland" und "impulse" verantwortet.

Scheffler war als Nachfolger des langjährigen Online-Chefs Anton Notz vorgesehen, der kürzlich die Teamleitung des Kommentar-Ressorts der G+J Wirtschaftsmedien von Ulrike Sosalla übernommen hatte, die als stellvertretende Ressortleiterin Politik in die Berliner Redaktion gewechselt ist (kress.de vom 9. Mai 2011).

Steffen Klusmann, Sprecher des Chefredakteurs-Kollegiums der G+J Wirtschaftsmedien, sprach bei der Vorstellung des Neuzugangs Sven Scheffler von einer "tollen Verstärkung für die Fortführung unserer digitalen Expansion gerade auch im Bereich der Bezahl-Angebote".

Scheffler war zuletzt Chefredakteur von "Handelsblatt Online" (kress.de vom 10. Februar 2011). Seit Juli 2008 hatte er in Düsseldorf als Chefredakteur den Relaunch der Website und die Entwicklung der iPhone-Application des 'Handelsblatts' vorangetrieben. Davor war Scheffler geschäftsführender Redakteur für "Junge Karriere" und "Perspektiven". Von Mitte 2004 bis Frühjahr 2007 war er stellvertrender Chefredakteur von "business news".

Die Suche nach einem neuen Digital-Chef der G+J-Wirtschaftsmedien läuft. Was Sven Scheffler künftig macht - unklar. 

Ihre Kommentare
Kopf

Benjamin Steinhausen

28.05.2011
!

Er hat keine Ahnung, wie das passieren konnte?
Wie wär's mit Strg C/ Strg V


Christian

28.05.2011
!

Die Frage ist, wer ihn fertig machen will. Die Dokumente gezielt an G+J und SZ zu leiten, nachdem der Wechsel offiziell ist, riecht gewaltig nach Rufmord. Unabhängig davon, dass ein Plagiat natürlich ein Unding ist.


Tanja Lugert

Tanja Lugert

www.ganz-muenchen.de
Redakteurin

28.05.2011
!

@Christian, aus Erfahrung kann ich sagen, dass nur zwei Journalisten mit dem gleichen Menschen zu einem Thema ein Interview führen müssen und diese dann Veröffentlicht auch lesen, als ob sie voneinander abgeschrieben haben;)

So langsam gehen mir persönlich diese ganzen Plagiatsvorwürfe auf die Nerven – Gibt es keine besseren Themen?


Uli

28.05.2011
!

Ich habe längere Zeit mit Sven Scheffler zusammengearbeitet. Ein sehr guter Journalist und ein hervorragender Chef. Schade, dass ihm dieser Fehler unterlaufen ist. Auch für G+J ist das ein Verlust. Ich würde mich Christian anschließen - das war eine gezielte und feige Aktion gegen Scheffler. Hoffentlich wird bald deutlich, wer der Miesling ist.


Claus

28.05.2011
!

Natürlich ist abschreiben schlecht, aber es gibt doch gravierende Unterschiede zu Guttenberg: Scheffler ist jetzt erst mal arbeitslos und ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Redaktion ihn nehmen wird oder einen Auftrag erteilt. Guttenberg hat Vermögen. Der eine wird es also ungleich schwerer haben als der andere. Zeitdruck in der Redaktion ist eine bekannte Tatsache, immer weniger Leute müssen immer schneller produzieren. Die qualitative Autorenredaktion ist dank Google kaum Realität.


Coskun (Josh) Tuna

Coskun Tuna

Seeding Alliance GmbH
Gesellschafter Geschäftsführer

29.05.2011
!

Ich habe mal für eine Deutschklausur fast drei Seiten auswendig gelernt. Die habe ich dann auch fehlerfrei niedergeschrieben. Meine Lehrerin wunderte sich schon wie ich so sauber liefern konnte. Ich hoffe das kommt nicht irgendwie ans Tageslicht, sonst muss ich vielleicht ausgewiesen werden.


Felix Mohring

Felix Mohring

a+o Ges. für Kommunikationsberatung
Junior PR-Berater

30.05.2011
!

Es ist eigentlich schon eine Sauerei, dass man es nötig hat abzuschreiben. Aber die Sauerei ist nicht die des Redakteurs, sondern der Redaktion dahinter. Wer spart denn immer mehr ein an Personal und setzt das verbliebene immer mehr unter Druck? Es sollte jeder genügend Zeit haben ordentliche Arbeit abzuliefern, auch im Online. Qualität vor Quantität. So wird es im Journalismus sicherlich ncht aufwärts gehen.
Ich hoffe, dass Scheffler eines Tages seine Qualität wieder beweisen kann.


Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

Redaktionsbüro UJF.biz
Freier Journalist

31.05.2011
!

Claus (vielleicht einer der Cläuse, die fast Schefflers Kollegen geworden wären?) hat Recht. Das Ausquetschen der Redakteure IST schlimm. Noch schlimmer ist, dass sie nicht zugeben können, wenn die Grenze der Belastung erreicht ist. Der Ehrgeiz besteht für manche darin, die quantitativen Vorgaben zu erfüllen - zur Not mit unsauberen Methoden. Vielleicht ist es Angst, als "Minderleister" gebrandmarkt zu werden. Es ist Zeit, dass die Kollegen wieder lernen, "Nein" zu sagen, wenn es zu viel wird.


Michael

03.06.2011
!

Ich kannte Herrn Scheffler bis eben nicht, aber er tut mir leid. Abschreiben ist natürlich nicht in Ordnung, aber dass wegen eines "Ausrutschers" (den ich hiermit nicht verharmlosen will) seine Karriere womöglich für immer zerstört wird, ist ein Unding. Auch ich habe schon mehrmals bemerkt, dass Kollegen bei mir abgeschrieben haben. Das fand ich dann zugebenermaßen auch nicht besonders prickelnd. Trotzdem käme mir nie in den Sinn, jemandem daraus so einen tödlichen Strick zu drehen.


Chris

03.06.2011
!

Hier hat hat offensichtlich jemand aus Neid und sonstigen niederen Motiven gehandelt. Natürlich ist es nicht in Ordnung, einige Passagen von anderen Journalisten zu übernehmen, aber einige wenige Ausrutscher ins Verhältnis mit fast 20 Jahren sehr guter journalistischer Leistung zu setzen, das ist einfach nicht gerecht.
Dieser Fehler wird m.E. total überbewertet und es wäre schade, wenn ein guter Journalist aus diesem Grunde der Medienwelt verloren ginge.


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