Kartellis stimmen DFL-Vermarktungsplänen zu: Für die ARD-"Sportschau" wird die Luft dünn

20.06.2011
 

Durchbruch für die DFL bei der Vermarktung der Bundesliga-Medienrechte: Der Ligaverband darf ein Verwertungsszenario ausschreiben, das samstags eine frühe Highlight-Berichterstattung im Internet und auf mobilen Endgeräten vorsieht. Das Bundeskartellamt gab dafür grünes Licht. Das sei ein entscheidender Schritt, jubelt die DFL.

Durchbruch für die DFL bei der Vermarktung der Bundesliga-Medienrechte: Der Ligaverband darf ein Verwertungsszenario ausschreiben, das samstags eine frühe Highlight-Berichterstattung im Internet und auf mobilen Endgeräten vorsieht. Das Bundeskartellamt gab dafür grünes Licht. Das sei ein entscheidender Schritt, jubelt die DFL.

Damit könnte die Luft für die "Sportschau" ab der Spielzeit 2013/2014 dünn werden, denn in dem Szenario gibt es eine Free-TV-Berichterstattung erst ab 21.45 Uhr. Liga-Präsident Reinhard Rauball erklärt, es gehe dem Verband keineswegs darum, bestimmte Sendungen abzuschaffen. Ziel sei es vielmehr, den verschiedenen Rechte-Nachfragern mit ihren individuellen Geschäftsmodellen und Vertriebswegen faire Chancen einzuräumen.

Zur Erinnerung: Im Jahre 2008 hatte das Bundeskartellamt das Vermarktungsmodell der DFL für die Spielzeit 2009/2010 geprüft. Damals ließ die Behörde erkennen, dass eine zeitnahe Free-TV-Highlight-Berichterstattung wesentlich sei für die Frage der "angemessenen Verbraucherbeteiligung". Die DFL änderte daraufhin ihre ursprünglichen Pläne.

Nun heißt es rückblickend beim Bundeskartellamt, dass man es 2008 aufgrund der damaligen Gestaltung des Vermarktungsmodell für notwendig erachtet hätte, die Attraktivität der Free-TV-Rechte durch zeitliche Vorgaben zu erhöhen. Und weiter: "Die nun durchgeführten Marktermittlungen des Bundeskartellamts haben ergeben, dass eine vergleichbare Vorgabe für die jetzt zu prüfenden Ausschreibungspläne der DFL nicht gerechtfertigt wären."

"Voraussetzungen von 2008 mit heute nicht vergleichbar"

Der Präsident des Bundeskartellamts Andreas Mundt erklärt: "Die Voraussetzungen von 2008 kann man nicht mit der heutigen Situation vergleichen. Pläne der DFL zu einem eigenen Bundesligakanal oder das 'Kirch-Modell' standen diesmal nicht zur Debatte. Über den gesamten Ausschreibungszeitraum betrachtet, könnte auch dem Übertragungsweg Web-TV eine größere Bedeutung zukommen. Letzten Endes muss der Markt entscheiden, welches Szenario zum Zuge kommt".    

Das von der DFL jetzt geplante Vermarktungsmodell enthält eine Vielzahl von Rechtepaketen zur Verwertung sowohl im Free-TV als auch im Pay-TV über verschiedene Übertragungswege. In Bezug auf die Free-TV Highlight-Berichterstattung gibt es zwei alternative Szenarien: Szenario I sieht dabei u.a. ein Paket für eine Highlight-Berichterstattung ab 18:30 Uhr im Free-TV vor. Im Szenario II gibt es hingegen u.a. ein Paket für eine Highlight-Berichterstattung über "Netcast" (d.h. im Wesentlichen Web-TV) ab 19:00 Uhr sowie für eine Free-TV Berichterstattung ab 21:45 Uhr.

Yahoo soll Interesse an der Web-"Sportschau" haben

Die DFL wird in den kommenden Wochen "in enger Abstimmung mit dem Bundeskartellamt" die Ausschreibung mit "mindestens zwei wettbewerbsfördernden Verwertungsszenarien" konkretisieren. Somit könne die Ausschreibung voraussichtlich Ende 2011 - wie geplant - starten.

Hintergrund: Bislang sammelt die DFL für die Bundesligavereine 412 Mio Euro von den Medienpartnern ein. Die ARD zahlt für die "Sportschau" aktuell 75 Mio im Jahr. Künftig könnte es deutlich mehr werden. An einer Fußball-Highlight-Berichterstattung im Internet soll Yahoo interessiert sein.

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