IVW-Auflagenstreit: Bauer kassiert Schlappe gegen "Spiesser"

22.06.2011
 

Beim Landgericht Hamburg fing sich die Bauer Media Group im Auflagenstreit gegen den "Spiesser" eine Absage ein. Bauer wollte den Dresdnern gerichtlich verbieten, mit einer Auflage von gut 760.000 Exemplaren auf Werbekundenfang zu gehen - der Verlag zweifelt an, dass so viele Hefte tatsächlich in die Schulranzen wandern.

Beim Landgericht Hamburg fing sich die Bauer Media Group im Auflagenstreit gegen den "Spiesser" eine Absage ein. Bauer wollte den Dresdnern gerichtlich verbieten, mit einer Auflage von gut 760.000 Exemplaren auf Werbekundenfang zu gehen - der Verlag zweifelt an, dass so viele Hefte tatsächlich in die Schulranzen wandern.

Dem "durchschnittlichen Leser" sei das schnuppe, urteilten die Richter, wie "Spiegel Online" berichtet. Tatsächliche Auflagenzahlen seien nur für die Media-Industrie interessant, und die wüsste "Messungenauigkeiten" der IVW-Auflageninformation richtig zu interpretieren - die eine kostenlose Verbreitung mit sich bringt.

Bauer will die Chose nicht auf sich ruhen lassen. "Die Auseinandersetzung hat für die Bauer Media Group grundsätzliche Bedeutung", heißt es aus Hamburg. Weitere Schritte prüfe Bauer derzeit, möglicherweise will das Haus den Klageweg gehen.

Was war passiert? Vor wenigen Monaten hatte Bauer strenge Briefe an Schulen in Bayern verschickt, um abzuklopfen, wie die Anstalten mit den angelieferten kostenlosen "Spiesser"-Exemplaren umgehen - und vor allem wie viele davon die Hände der Schüler gelangen. Die (geringe Anzahl) der Rückantworten ermutigte Bauer dazu, die offiziellen IVW-Zahlen mit denen der "Spiesser" hausiert infrage zu stellen (kress.de vom 28. April 2011).

Das Gericht führte die schmale Ausbeute erstens auf die Frist zurück, die Bauer den Schulen gesetzt hatte, und zweitens auf den Hinweis, höhere Instanzen anzugehen, sollten die Schulen nicht antworten. Es liege nahe, dass sich die Schulen "nicht zuletzt unter dem Eindruck dieser 'Drohung' teilweise nur unklar zur Verteilung des 'Spiesser', insbesondere in der Vergangenheit, geäußert haben".

"Spiesser"-Geschäftsführer Frank Haring begrüßt naturgemäß das Urteil aus Hamburg und betont, sich an die Regeln der IVW zu halten. "Wenn Bauer diese Regeln infrage stellt, stellt es die Verbreitung von kostenlosen Printmedien generell in Frage", so Haring.

Die IVW indes sieht sich über den Fall bislang "nicht lückenlos" im Bild, wie IVW-Chef Michael Schallmeyer gegenüber "Spiegel Online" einräumt - und verspricht dran zu bleiben.

Öl ins Feuer gießt in diesem Streit die Tatsache, dass Bauer mit seinem Jugendmagazin "Bravo" gegen den "Spiesser" um die selbe Zielgruppe wetteifert, und damit auch um Werbekunden.

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