Pressevertrieb Köln und Probst & Heuser: Grossisten ziehen Fusionsantrag zunächst zurück

 

Das Bundeskartellamt guckt sich Fusionsvorhaben von Presse-Grossisten genauer an als in der Vergangenheit: Mitte Juni hat das Amt umfangreiche Fragebögen an zahlreiche Verlage, Nationalvertriebe und Grosso-Unternehmen verschickt, um sich eine Entscheidungsgrundlage für die im Mai beantragte Fusion von Pressevertrieb Köln, Hürth, und Probst & Heuser, Wuppertal, zu verschaffen. Die beiden Grossisten haben ihren Antrag auf Zusammenschluss nun zurückgezogen, wollen aber zu einem späteren Zeitpunkt erneut beim Bundeskartellamt vorstellig werden.

Das Bundeskartellamt guckt sich Fusionsvorhaben von Presse-Grossisten genauer an als in der Vergangenheit: Mitte Juni hat das Amt umfangreiche Fragebögen an zahlreiche Verlage, Nationalvertriebe und Grosso-Unternehmen verschickt, um sich eine Entscheidungsgrundlage für die im Mai beantragte Fusion von Pressevertrieb Köln, Hürth, und Probst & Heuser, Wuppertal, zu verschaffen.

Die beiden Grossisten haben ihren Antrag auf Zusammenschluss nun zurückgezogen, wollen aber zu einem späteren Zeitpunkt erneut beim Bundeskartellamt vorstellig werden. Sie hätten sich aus "verfahrenstechnischen Gründen" für den vorübergehenden Rückzug entschieden und wollten der Behörde die notwendige Zeit einräumen, die Fragebögen auszuwerten, schreiben Pressevertrieb Köln und Probst & Heuser in einer Pressemitteilung: "An unserer Absicht, die beiden Unternehmen zusammenzuschließen, hat sich nichts geändert. Wir werden in absehbarer Zeit den Antrag erneut beim Bundeskartellamt stellen."

Trotz der Rücknahme des Fusionsantrags müssen alle betroffenen Unternehmen die Fragebögen der Kartellis beantworten. Einige dieser Fragen gingen "ans Eingemachte", schreibt das Fachblatt "dnv": So wolle das Amt etwa von Verlagen wissen, welche anderen Grossisten für sie in den entsprechenden Gebieten außer den beiden Fusionswilligen in Frage kämen, sollten sie das Recht haben, sich via ordentlicher Kündigung von Grosso-Unternehmen zu trennen.

Grundkonsens aufgekündigt

Bislang hat das Bundeskartellamt Fusionsvorhaben von Grosso-Unternehmen ohne vertiefte Prüfung genehmigt. Dass sich die Behörde nun ein genaueres Bild machen will, dürfte damit zusammenhängen, dass der bisherige Konsens zwischen Verlagen und Grossisten über Grundlagen des Grosso-Systems nicht mehr besteht: Die Bauer Media Group führt zwei Rechsstreitigkeiten mit Grosso-Unternehmen bzw. dem Bundesverband Presse-Grosso. Dabei geht es darum, ob und unter welchen Umständen ein Verlag einem Grossisten ordentlich kündigen kann und ob der Grosso-Verband zentral mit den Verlagen Konditionen für alle ihm angehörenden Grosso-Unternehmen verhandeln darf. Bei einer BGH-Verhandlung Ende Mai hatte der beigeladene Vorsitzende der Prozessabteilung des Bundeskartellamtes, Jörg Nothdurft, bereits in Fragen verpackte Zweifel daran geäußert, dass das derzeitige Grosso-Vertriebssystem zu 100% kartellrechtskonform ist (kress.de vom 24. Mai 2011).

Sollte das Bundeskartellamt einmal zu dem Ergebnis kommen, dass Fusionen zwischen Grossisten wie die zwischen Pressevertrieb Köln und Probst & Heuser geplante den Wettbewerb beeinträchtigen, hätte das auch für die Verlage Konsequenzen: Die meisten von ihnen drängen die Grossisten massiv zu Fusionen, weil damit Kosteneinsparungen verbunden wären, von denen sie selbst zu profitieren gedenken.

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