Medienscheuer Medienmogul: Leo Kirch ist tot

 

Leo Kirch ist tot. Er war einer der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Medienunternehmer Deutschlands. Kirch starb am Donnerstagvormittag in München im Alter von 84 Jahren. Zuletzt führte der fast erblindete und im Rollstuhl sitzende Kirch seit 2002 einen juristischen Feldzug gegen die Deutsche Bank, von der er Schadensersatz in Mrd-Höhe forderte - mit ungewissem Ausgang.

Leo Kirch ist tot. Er war einer der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Medienunternehmer Deutschlands. Kirch starb am Donnerstagvormittag in München im Alter von 84 Jahren. Zuletzt führte der fast erblindete und im Rollstuhl sitzende Kirch seit 2002 einen juristischen Feldzug gegen die Deutsche Bank, von der er Schadensersatz in Mrd-Höhe forderte - mit ungewissem Ausgang.

Kirch warf der Deutschen Bank vor, seine Pleite mit verursacht zu haben. Der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf E. Breuer hatte im Fernsehen gesagt, dass es allgemein bekannt sei, dass Kirch keine Kredite mehr bekomme. Für Kirch hat diese Äußerung die Kündigung seiner Kredite durch alle anderen Banken zur Folge - und damit den Zusammensturz seines Imperiums.

"Unser geliebter Ehemann, Vater, Bruder, Dr. Leo Kirch, ist heute im Kreise seiner Familie friedlich verstorben. Wir sind sehr traurig!",  teilte seine Familie am Donnerstag mit.

2007 kehrte der Privat-TV-Pionier Kirch ins Mediengeschäft zurück mit der Beteiligung an der EM.Sport Media, der heutigen Constantin Medien AG (Sport 1, Highlight Communications, Contantin Film).

Kirch wurde am 21. Oktober 1926 als Sohn eines fränkischen Spenglers in Würzburg geboren. Anfang der 50er Jahre stieg er in den Filmhandel ein und kaufte die Ausstrahlungsrechte an Streifen wie "La Strada". In den 80er Jahren stieg er beim aufkeimenden Privatfernsehen ein. Mit seiner Beteiligung an Sat.1 strahlte er die eigenen Filme auf dem Kanal aus. 1985 beteiligte er sich am Axel Springer Verlag. Ende der 80er Jahre expandierte er ins Pay-TV. Die nur zögerlich steigenden Abonnentenzahlen bei Premiere brachten ihn allerdings wirtschaftlich immer stärker in Bedrängnis.

Dennoch folgten weitere milliardenschwere Investitionen: Kirch erwarb die Übertragungsrechte an der Fußball-WM und eine Mehrheitsbeteiligung  an der Formel-1-Holding SLEC. Ende 2001 begann das Aus für Kirch: Die Dresdner Bank forderte einen Großkredit von 900 Mio Euro zurück. Im Januar 2002 zog Springer eine Option, den Anteil an ProSiebenSat.1  für 772 Mio Euro an Kirch zurückzugeben. Kirchs Schulden waren  inzwischen auf 6,5 Mrd Euro angewachsen. Am 8. April  2002 musste Kirch Media Insolvenzantrag stellen.

"Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen", sagte Kirch in einem seiner seltenen Interviews.

Jürgen Doetz, 1982 von Kirch als späterer Sat.1-Chef engagierter Privat-TV-Mann der ersten Stunde und heute Präsident des Privatsenderverbands VPRT, sagt zum Tod von Leo Kirch: "In tiefer Betroffenheit trauern wir um eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten unserer Republik". "Ohne den unternehmerischen Weitblick und den Mut von Leo Kirch wäre der erfolgreiche Start und der Aufbau des privaten Fernsehens 1984 in Deutschland nicht möglich gewesen", so Doetz.

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