Travelzoo-Chef Carsten Schwecke: "Groupon hinterlässt entnervte Kunden"

09.08.2011
 

Im Dutzend sprießen derzeit Deal-Plattformen für Touristikangebote aus dem Boden. Seit die Platzhirsche unter den Dealmakern, Groupon und DailyDeal, in diesen Gefilden wildern, setzen sich nämlich auch klassische Online-Reisebüros wie "ab-in-den-urlaub.de" und Burdas HolidayCheck zur Wehr. Carsten Schwecke, Deutschlandchef des US-Online-Reisedienstes Travelzoo, zweifelt im kress-Interview an der Seriosität der Angreifer:

Im Dutzend sprießen derzeit Deal-Plattformen für Touristikangebote aus dem Boden. Seit die Platzhirsche unter den Dealmakern, Groupon und DailyDeal, in diesen Gefilden wildern, setzen sich nämlich auch klassische Online-Reisebüros wie "ab-in-den-urlaub.de" und Burdas HolidayCheck zur Wehr. Carsten Schwecke, Deutschlandchef des US-Online-Reisedienstes Travelzoo, zweifelt im kress-Interview an der Seriosität der Angreifer.

"Kleine Anbieter wie Restaurant- oder Spa-Betreiber werden teilweise mit Provisionen bis zu 50% vom Verkaufswert abgezockt und mit größeren Marken werden dagegen Garantiesummen vereinbart", sagt Schwecke, der, statt die Marge seiner Kunden zu schröpfen, ihnen einen Fixpreis berechnet. "Insbesondere Groupon und DailyDeal hinterlassen entnervte Kunden."

Zudem seien die Rabattausweisungen irreführend, weil die ursprünglichen Raten zu hoch angesetzt würden, glaubt Schwecke. DailyDeal erwehrt sich des Anspruchs. "Wir haben Strukturen und Maßnahmen definiert, um die Transparenz und Korrektheit unserer Angebote zu gewährleisten", sagt ein Sprecher. Dafür habe man extra eine Abteilung aufgebaut, die prüfe, inwiefern Preise und Rabatte realisitisch sein. Dass sich unter den Deals gelegentlich ein schwarzes Schaf finde, will er dennoch nicht ausschließen.

Für den Berliner Anbieter DailyDeal machen die "Travel Deals" mittlerweile bereits rund ein Viertel des Umsatzes aus, den das Unternehmen erwirtschaftet. Groupon betreibt ebenfalls eine Reise-Deal-Sparte und hat zuletzt eine Koop mit dem Online-Reise-Schwergewicht Expedia verkündet.

Bei Travelzoo scannt eine eigene Redaktion den Markt nach empfehlenswerten Deals, solche der Wettbewerber gehören laut Schwecke aber nicht dazu. "Deals bei Groupon und DailyDeal sind einfach größtenteils zu schlecht", sagt er. "Hotels etwa, die unseren Ansprüchen genügen, müssen beim Bewertungsportal HolidayCheck mindestens eine Weiterempfehlungsquote von 70% haben."

Derzeit finde in "zu wenig inhaltlich kompetente Beratung statt", so Schwecke. Zu viele Partner würden derzeit von anderen Marktpartnern verprellt, sagt Schwecke. "Die Wettbewerber hinterlassen verbrannte Erde, weil sie den Tourismusmarkt nicht kennen."

Aus diversen Richtungen in dem kleinen Markt bestätigen Hinweise den Eindruck, den Schwecke erweckt; Groupon müsse die Beziehungen zu seinen Kunden "partnerschaftlicher" gestalten und vor allem das junge Geschäftsmodell verfeinern. Echtzeit-Deals und mobile Angebote könnten dazu ein Anfang sein. Mit Blick auf den Börsengang hält sich Groupon selbst derzeit mit Details zur künftigen Strategie zurück.

Auch wenn er "keinesfalls" Groupon-Aktien kaufen würde, glaubt Travelzoo-Chef Schwecke prinzipiell ans Geschäftsmodell und traut dem Absatzkanal "Deals" auch innerhalb seiner Branche eine prominente Rolle zu. "Die Leute aber haben ein feines Gespür dafür, wo attraktive Deals sind und was nur eine andere Form der Markenkommunikation ist. Wir sehen der Marktbereinigung entspannt entgegen."

Das vollständige Interview mit Carsten Schwecke und analytische Beobachtungen vom Markt der Reise-Deal-Plattformen lesen Abonnenten im aktuellen kressreport. Einen guten Abo-Deal bieten wir übrigens hier.

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