Revolution bei der WAZ-Gruppe: Petra Grotkamp will Mehrheit übernehmen

 

Petra Grotkamp, 67, Mitgesellschafterin (16,7%) der WAZ-Mediengruppe, will die Mehrheit am Konzern übernehmen. Laut "manager magazin" bietet sie ihren Mitgesellschaftern vom Brost-Stamm 500 Mio Euro für deren 50%-Anteil. Das Geschäft solle in vier bis acht Wochen über die Bühne gehen. Grotkamps Anwalt hat die Existenz der Offerte mittlerweile bestätigt.

Petra Grotkamp, 67, Mitgesellschafterin (16,7%) der WAZ-Mediengruppe, will die Mehrheit am Konzern übernehmen. Laut "manager magazin" bietet sie ihren Mitgesellschaftern vom Brost-Stamm 500 Mio Euro für deren 50%-Anteil. Das Geschäft solle in vier bis acht Wochen über die Bühne gehen.

Petra Grotkamp ist die Tochter des WAZ-Mitgründers Jakob Funke und Ehefrau des langjährigen WAZ-Geschäftsführers Günther Grotkamp, 84. Sie gehört dem Funke-Stamm an, der wie die Brosts 50% an der Gruppe hält. Die Brost-Anteile liegen bei drei Enkeln des zweiten WAZ-Gründers Erich Brost. Mit ihnen ist sich Petra Grotkamp laut "manager magazin" über den Kauf einig. Die Entscheidung liegt allerdings beim Essener Anwalt Peter Heinemann, der bis 2015 die Testamentsvollstreckung für die Brost-Enkel inne hat (kress.de vom 9. September 2010).

"Ich werde das alles gründlich prüfen"

Die Pressestelle der WAZ-Gruppe verbreitete am Montag ein Statement Heinemanns, das die Offerte Petra Grotkamps indirekt bestätigt: "Ich werde das alles gründlich prüfen und die testamentarische Verfügung des Erblassers und die Interessen der Enkel abwägen", so Heinemann. Auch Grotkamps Rechtsanwalt Andreas Urban hat den Bericht im "manager magazin" unterdessen bestätigt. Sie habe das Angebot unterbreitet, um "klare Gesellschafterstrukturen zu schaffen und sicherzustellen, dass die WAZ-Mediengruppe auch künftig als Familienunternehmen Erfolg haben kann", sagte er der Nachrichtenagentur dapd.

Nienhaus oder Braun statt Hombach?

Klappt der Deal, solle Bodo Hombach, Vertreter der Brost-Seite, in der Geschäftsführung der Gruppe seinen Platz räumen, schreibt das "manager magazin" weiter. WAZ-Chefs würden in diesem Fall möglicherweise Christian Nienhaus oder Manfred Braun. Nienhaus ist bereits Geschäftsführer der Gruppe, Braun leitet den Zeitschriftenbereich und das Verlagsgeschäft in NRW.

Die Ereignisse bei der WAZ-Gruppe bedeuten eine unerwartete Wende in einem surrealen Streit zwischen den Eigentümern: Petra Grotkamp hat, beraten von ihrem Mann, in der Vergangenheit energisch den Rechtsweg beschritten, um zu verhindern, dass Gisela Holthoff (im Juli verstorben) und Renate Schubries, ihre Schwestern und Mitgesellschafterinnen im Funke-Stamm, ihre Anteile an den Brost-Stamm verkaufen könnten und das Gleichgewicht zwischen den Familien kippt.

Erst vor wenigen Wochen war - ebenfalls durch eine Veröffentlichung im "manager magazin" - eine weitere Facette des Streits bekannt geworden: Die Zeitschrift enthüllte geheime Verträge aus dem Jahr 2008 zwischen der Brost-Seite einerseits und Gisela Holthoff und ihrem Adoptivsohn Stephan Holthoff-Pförtner andererseits. Sie sahen u.a. vor, dass Holthoff-Pförtner von Anneliese Brost (mittlerweile verstorben) einen Kredit von 85 Mio Euro bekam, mit dem er Anteile seines Mitgesellschafters Frank Holthoff übernehmen wollte. Im Gegenzug ließ sich Frau Brost als Sicherheit eine Kaufoption auf Anteile Gisela Holthoffs an der Gruppe einräumen. Damals schäumten die Grotkamps, doch nun dürfte ihre Laune wieder besser sein.

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