Medien-Elefanten tagen in München: Anke Schäferkordt fordert eine neue Rundfunkordnung ein

 

RTL-Chefin Anke Schäferkordt, wie üblich einzige Frau in der traditionellen Elefantenrunde zur Eröffnung der Medientage München, traute sich, ein schmutziges S-Wort in den Mund zu nehmen: Sie sprach vom "Sparen" - und empfahl es ihren mitdiskutierenden Intendanten Markus Schächter (ZDF) und Ulrich Wilhelm (BR). "Öffentlich-rechtliches Sparen heißt doch, eine prozentual etwas niedrigere Kostensteigerungen anzumelden", sagte sie.

RTL-Chefin Anke Schäferkordt, wie üblich einzige Frau in der traditionellen Elefantenrunde zur Eröffnung der Medientage München, traute sich, ein schmutziges S-Wort in den Mund zu nehmen: Sie sprach vom "Sparen" - und empfahl es ihren mitdiskutierenden Intendanten Markus Schächter (ZDF) und Ulrich Wilhelm (BR). "Öffentlich-rechtliches Sparen heißt doch, eine prozentual etwas niedrigere Kostensteigerungen anzumelden", sagte sie.

"Die aktuelle Rundfunkordnung entspricht überhaupt nicht mehr der Medienwelt in der wir heute leben", so die Kölner Senderchefin. Sie kritisierte die Wettbewerbsverzerrung, die sich durch die Gebührengelderhöhungen von ARD und ZDF ergeben. Von einer "gewissen Maßlosigkeit" der Öffentlich-Rechtlichen sprach ProSiebenSat.1-Chef Andreas Bartl und beklagte - auch mit Blick auf die Champions-League-Rechte, die künftig beim ZDF liegen -, dass die Konkurrenten in ihrem "Shoppingrausch mit der gebührenfinanzierte Platinkarte unterwegs sind". Ähnlich wie sein Beiratslobbyist Edmund Stoiber mahnte Bartl neue Spielregeln nicht nur für den nationalen, sondern auch den globalen Wettbewerb an. "Wir können uns nicht mehr selbst helfen", sagte er in München.

Sorge um die Google-Übermacht

Tatsächlich dominierte neben dem üblichen Seilziehen zwischen Privat-TV und Öffentlich-Rechtlichen die Sorge vor dem internationalen Markteindringlingen wie Google und Facebook die Diskussion - gerade weil deren Treiben häufig nicht reguliert sei. "Wer dominiert die Netznavigation?", war für Burda-Vorstand Paul-Bernhard Kallen die entscheidende Frage. Den Erfolgskurs auf digitalen Geschäfsfeldern möchte er nicht etwa durch überkommene Konzentrationsregulierungen verstellt sehen. Immerhin will er "schon bald", wie er ankündigte, den digitalen Erlösanteil bei Burda von jetzt 40 auf 70 Prozent steigern.

Die Unzeitgemäßheit der Konzentrationsbestimmungen kritisierte auch Anke Schäferkordt, als sie sagte: "Google könnte problemlos Axel Springer kaufen." Der so gescholtene Internetriese freute sich über die vielen ehrfürchtigen Zuschreibungen, machte sich aber demonstrativ klein. "In Wirklichkeit ist Google ja noch jung und gar nicht so groß", scherzte Stefan Tweraser, der den gerade erst weiter beförderten Nordeuropa-Chef Philipp Schindler in der Runde vertrat.

ProSiebenSat.1 will "Gatekeeper" bleiben

Doch mit Aussagen wie "Das Internet ist groß genug für mehr als einen Anbieter" konnte er die Sorgen der deutschen Medienmanager um ihre Märkte nicht entkräften. "Google kleidet sich immer gut im Schafspelz", klagte Andreas Bartl, reklamierte aber für seine Sender, dass weiterhin sie - und nicht ein künfiges Google-TV - "Gatekeeper" zu den begehrten Inhalten bleiben müssen.

Dienstantritt mit Freud'schem Versprecher

In der Frage, wie Marktkonkurrenten, deren Server im Ausland stehen, reguliert werden sollen, konnte naturgemäß keine Einigkeit erzielt werden. "Wir werden das Internet nicht der deutschen Rechtssprechung unterwerfen können", sagte der frisch gekürte BLM-Präsident Siegfried Schneider, der somit auch einer der Hausherren der Medientage ist.

Stattdessen wolle er sich für eine "Liberalisierung bei der Regulierung" einsetzen. Soll heißen: Lieber weniger Auflagen für alle, als Messen mit ungleichem Maß. Seine eigene programmatische Eingangsrede gipfelte allerdings in einem Freud'schen Versprecher. "Wir sollten die Chancen nutzen", sagte der ehemalige CSU-Medienminister, "ohne auf die Risiken zu achten."

BR-Chef Ulrich Wilhelm kritisiert die Talkshow-Flut

Interessantes Detail am Rande: Der Ex-Regierungssprecher Ulrich Wilhelm scheut sich in seiner neuen Funktion als "starker Mann der ARD", wie ihn der souverän moderierende "Wirtschaftswoche"-Chefredakteur Roland Tichy bezeichnete, auch heiße Eisen anzufassen. Recht deutlich ließ er erkennen, dass er mit der öffentlich-rechtlichen Talkshow-Flut nicht glücklich ist und kündigte Überprüfungen an - je nach den jeweiligen "Laufzeiten der Verträge", so Wilhelm.

kress ist offizieller Medienpartner der Medientage München.

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