Burdas "Max"-Neustart im kress-Check: Neunziger-Revival mit Eutern im Rotlicht

 

Leichtigkeit war schon immer eine schwere Angelegenheit: Auf 228 Seiten Hochglanzpapier versucht sich die Comeback-Ausgabe des ehemaligen Milchstraßen-, nun Burda-Titels "Max" an den schönen Nebensächlichkeiten der Welt, unter anderem der Erotik von Kuh-Eutern und Lebensmitteln. Glaubt man dem Editorial, dann arbeiteten 1.682 Redaktionsmitglieder - aus der Facebook-Community des Titels - an der Wiedergeburt der Zeitschrift.

Leichtigkeit war schon immer eine schwere Angelegenheit: Auf 228 Seiten Hochglanzpapier versucht sich die Comeback-Ausgabe des ehemaligen Milchstraßen-, nun Burda-Titels "Max" an den schönen Nebensächlichkeiten der Welt, unter anderem der Erotik von Kuh-Eutern und Lebensmitteln. Glaubt man dem Editorial, dann arbeiteten 1.682 Redaktionsmitglieder - aus der Facebook-Community des Titels - an der Wiedergeburt der Zeitschrift. 

Über vier Monate hinweg sammelten die Chefredakteure Alexander Böker und Oliver Wurm in einer Art "gläsernen Redaktion" Anregungen, Themenideen und "anfeuernde Durchhalteparolen" ein, wie sie schreiben. Der Kult um den Facebook-Austausch zieht sich daher wie ein roter Faden durchs Heft. Immer wieder wird - in gedruckter Form wohlgemerkt - der spielerische Gedankenaustausch im Digitalen beschworen. Alles kulminiert in einem 15-Seiten-Dossiers, in dem sich renommierte Edelfedern wie Michael Pantelouris oder die kurzzeitige "Emma"-Chefredakteurin Lisa Ortgies am Beziehungsflechten abarbeiten - mit mal lesenswertem, mal eher banalem Erkenntniswert.

Horst Schlämmer im Zwielicht

Ohnehin sind es allerdings, wie es auch schon bei der im Januar 2008 reichlich verspätet zu Grabe getragenem Neunziger-Jahre-Stilbibel, die opulenten Fotostrecken und Grafik-Spielereien, an denen man hängen bleibt. Sehenswert los geht es mit tatsächlich ziemlich originellen Backstage-Künstlerportraits von ZDF-Plauderer Markus Lanz. Sobald die roten Lichter erloschen waren, bat der Talkmaster Gäste wie Til Schweiger, Horst Schlämmer oder Karl Lagerfeld zu künstlerisch ambitionierten Hobbyaufnahmen.

Der Bogen schlägt sich weiter über eine originelle Acht-Seiten-Strecke, auf der die Fotokünstler Daniel und Geo Fuchs Waffen, Bomben und Kampfflugzüge ästhetisch arrangieren, über die unvermeindliche, leicht schwülstige Lack-Erotik in der "For Your Eyes Only"-Sektion oder schrill in Szene gesetzter China-Mode hin zu drei originellen Food-Sex-Fotos. Von denen hätte man gerne mehr gesehen. Vielleicht entdeckt man sie aber auch schon bald wieder in verwandten "Zeit Magazin"- oder "Süddeutsche Zeitung Magazin"-Strecken.

Zwischen den Glamour drängt sich allerdings auch einiges Grau, darunter eine eher lieblos arrangierte Bilderfolge, die Twitter-Zitate der Jugendrevolten von Nordafrika bis Nordengland mit doppelseitigen Reportagemotiven kombiniert, oder eine eher hemdsärmelig aufbereitete Interior-Design-Strecke. Auch aus dem Thema eines Reportage-Portraits über die Berliner U-Bahnline 8 hätte man sowohl in Text als auch im Bild mehr machen können.

Braucht man Print? Aber ja, meint "Max"

Fast schon beschwörenden Charakter haben dagegen die vier Seiten, die die "Max"-Macher unter die Überschrift "Print Is (Not) Dead" stellten. Hier werden Zeitschriftenkonzepte vorgestellt, mit denen sich auch diese Redaktion eigentlich selbst Mut machen möchte - "mitten in der Boomzeit von Tablets und Apps", wie Fred Grimm schreibt. Schöne neue Retro-Welt.

Dazu passt, dass im eher kantenfreien Revival-Ambiente sogar Hajo Schumacher ein Plätzchen findet. Er führte den "Max" von 2000 bis 2002 und sollte ihn damals politischer machen. Sein aktuelles Stück "Entspannt Euch!" wird aber eher genau diesem Anspruch, dem Entspannten, gerecht. Politisch besonders bissig ist es nicht.

Fazit: Dass noch in diesem Jahr eine weitere "Max"-Ausgabe herauskommt, wird durch die plakative Titelzeile "Einmalige Ausgabe 2011" geradezu ausgeschlossen. Alles Weitere muss sich zeigen. Mit der in 100.000er Auflage gedruckten Premium-Kaffeetisch-Zierde kann sich Burda sehen lassen. Wer im Geldbeutel den stolzen Copypreis von 6,90 Euro bereits zusammengekratzt hat, wird nicht enttäuscht sein. Allerdings bleibt auch bei diesem Neustart "Max" eines der schönsten Dinge des Alltags, die man eigentlich nicht braucht. 

Ihre Kommentare
Kopf

Damian

21.10.2011
!

Braucht man Print? Aber ja, meint "Max" Aber braucht man Max? Nein!


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