Roland Tichy auf der kress Konferenz 2011: "Nicht so viel neben her machen"

 

Roland Tichy, Chefredakteur der "WirtschaftsWoche", sprach auf der diesjährigen kress Konferenz über "Beilagen, Beiboote, Zubrot oder nur Journalismus? Wieviel Nebenaktivitäten vertragen Zeitschriften und Zeitungen?" Dabei forderte er vor allem mehr Leidenschaft und stärkere Selbstkritik, denn wenn es um die Selbstkritik ginge, seien die Medienschaffenden zu bequem. Man solle sich doch auf das Kerngeschäft konzentrieren und nicht so viel neben her machen.

Roland Tichy, Chefredakteur der "WirtschaftsWoche", sprach auf der diesjährigen kress Konferenz über "Beilagen, Beiboote, Zubrot oder nur Journalismus? Wieviel Nebenaktivitäten vertragen Zeitschriften und Zeitungen?" Dabei forderte er vor allem mehr Leidenschaft und stärkere Selbstkritik, denn wenn es um die Selbstkritik ginge, seien die Medienschaffenden zu bequem. Man solle sich doch auf das Kerngeschäft konzentrieren und nicht so viel neben her machen. Die Verlagsmanager unterlägen einer Verführung, die sie vom Kerngeschäft ablenkt, so Tichy. "Wir sind die Flickschneider die etwas zusammenschnipseln, obwohl es andere besser können." 

"Ich bin nicht gegen Nebengeschäfte, aber man sollte sich lieber darauf konzentrieren, was man am besten kann", so der "WiWo"-Chef. Das Internet sei für die meisten eine gute Ausrede für die fallende Auflage, kritisiert er Verlage und Redakteure und stellte dabei die Frage in den Raum: "Machen wir wirklich die faszinierenden Produkte?"

Tichy fordert mehr Leserorientierung

Tichy sprach sich auch für mehr Verständnis für den Leser aus: "Haben wir verstanden, was der Leser eigentlich will?" Während sich die Leser in der Woche schnell übers Internet informieren, so kam es Tichy zu Ohren, würden sie am Wochenende tiefere, umfassendere und genauere Informationen wollen. Und das alles müsste natürlich schön verpackt werden.

"Der Leser ist das flüchtigste Wesen schlechthin." Er würde sich immer wieder neue Quellen suchen um umfassend informiert zu sein. Es sei arrogant von den Medienschaffenden zu denken, als wären sie die allmächtigen Anbieter. So würde man den Leser nur vor den Kopf stoßen. Man müsse mehr darauf achten, was die Leser wollen.

Der "WiWo"-Mann merkte außerdem an, dass die Medienbranche, die einzige Branche sei, die auf Vereinheitlichung setzt - aus Kostengründen. Er sei  hingegen ein Verfächter der Diversifikation. Ein großes allgemeines Blatt könne nicht viele kleine regionale Blätter ersetzen.

"WiWo" tastet sich mit "WirtschaftsSchule" an die Familien heran


Am kommenden Samstag liegt der "WiWo" zum ersten Mal die "WirtschaftsSchule" bei, verriet Tichy. Das Heft thematisiert den Umgang mit Geld und Lohn. Laut Tichy wird die wirtschaftliche Grundausbildung von jungen Menschen in Deutschland vernachlässigt. Mit "WirtschaftSchule" will die "WiWo" den Sprung ins Familienleben, eben ins Private, schaffen. Bisher würde die Wirtschaftszeitung vorrangig von Männern gelesen. Die neue Beilage richtet sich vor allem an Schüler, soll aber auch eine Art Frischenzellenkultur an die Branche sein.

"Väter sollen Diskussionsmöglichkeiten mit ihren Kindern haben", beschreibt Tichy dem ihm vorschwebenden Effekt des Magazins. Geplant sei außerdem, dass das Heft auch an Schulen verteilt wird, denn es soll wirtschaftliche Fragestellungen an Schulen bringen.

In der zweiten kress Konferenz stand die Frage "Liegt die Zukuft der Medien jenseits der Medien?" im Mittelpunkt. Darüber diskutieren am Dienstag u.a. Christian Unger, CEO von Ringier, Hans Fink, Geschäftsführer von SevenVentures oder auch Jens Müffelmann, Leiter Elektronische Medien bei Axel Springer.

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