Mathias Döpfner zum Dienstjubiläum: "Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend"

27.12.2011
 

Mathias Döpfner, 48, ist seit zehn Jahren Chef des Medienriesen Axel Springer. Zu seinem Dienstjubiläum sagt Döpfner in einem Interview mit dpa: "Ich habe das Gefühl, das Ganze hat gerade erst begonnen". Entscheidend seien nun die nächsten zehn Jahre, betont Döpfner. Dann werde es nur noch multimediale Marken geben, die auf vielen Wegen ihre Nutzer finden - elektronisch und gedruckt.

Mathias Döpfner, 48, hat es in zwanzig Jahren vom Musikkritiker zum Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG geschafft. Seit zehn Jahren ist er Chef des Medienriesen. Zu seinem Dienstjubiläum sagt Döpfner in einem Interview mit dpa: "Ich habe das Gefühl, das Ganze hat gerade erst begonnen". Entscheidend seien nun die nächsten zehn Jahre, betont Döpfner. "Da müssen wir die digitale Transformation vertiefen und verankern." Dann werde es nur noch multimediale Marken geben, die auf vielen Wegen ihre Nutzer finden - elektronisch und gedruckt. "Die Grabendiskussion - hier Zeitungen, da das Web - ist dann vorbei. Es wird beides geben, und wir wollen mit guten journalistischen Angeboten zu einer digitalen Gründungswelle beitragen."

Döpfner gab schon 2007 die Devise aus, dass Axel Springer innerhalb von zehn Jahren die Hälfte von Umsatz und Gewinn im digitalen Geschäft erwirtschaften will. Inzwischen kommt rund ein Drittel der Erlöse und ein Viertel des Ergebnisses vom Digital-Feld .

Zum zehnjährigen Jubiläum blickt der 2,01 Meter große Döpfner im Gespräch mit dpa auch zurück: "Meine berufliche Entwicklung war von Krisen, schwierigen Zeiten und öffentlichem Widerstand geprägt", erzählt er schließlich. "Vielleicht ist das ganz gut, dass es immer wieder Rückschläge gab, denn es hilft, die Bodenhaftung zu bewahren."

"Pin war ein Fehler, da ist nicht zu beschönigen"

Ein solcher Augenblick war Springers Fiasko mit der Pin Group, das einen Riesenverlust von mehreren Hundert Millionen nach sich zog. Ausschlaggebend sei gewesen, dass die Bundesregierung einen Mindestlohn in der Branche einführte: "So konnten die privaten Postdienstleister nicht mehr profitabel arbeiten", sagt Döpfner und ärgert sich noch heute. Erst nach dem Ausstieg Springers stoppte das Bundesverwaltungsgericht die Regelung. "Die Entwicklung war so nicht vorherzusehen", betont er. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich in einem Rechtsstaat eine Regierung rechtswidrig verhalten würde. Mittlerweise gibt es zwar ein letztinstanzliches Urteil dazu. Aber das alles nützt nichts. Aus heutiger Sicht war Pin ein Fehler, da ist nichts zu beschönigen."

Seine Karriere begann Döpfner als Musikkritiker bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dann wurde er Geschäftsführer einer Konzertagentur, danach Chefredakteur der "Wochenpost", des Boulevardblattes "Hamburger Morgenpost" und der "Welt".

Immer noch ein Journalist

Nach wie vor sieht sich Döpfner auch als Journalist. Diesen Beruf trage er bei der Hotel-Anmeldung ein. Für ihn gehören zu einem guten Manager die Eigenschaften: "Ein starker Wille, durch Wände hindurchzugehen, etwas tun, was alle für falsch halten und am Ende Erfolg haben." Im Journalismus sei das ähnlich.

Brüche sind für ihn belebend, auch in der Musik. "Alle geraden, weißen Rhythmen sind mir fremd, vor allem Country Musik, Hard Rock und Schlager", erzählt er dpa. "Ich höre praktisch nur schwarze Musik. Und natürlich Opern." Auch Unvorhersehbares bereitet Döpfner Spaß: "Was ich furchtbar gern mache, ist einfach loslaufen, im Wald oder in einer Stadt. Die schönsten und interessantesten Sachen entdeckt man, wenn man sich verirrt.

Ihre Kommentare
Kopf

Peter F. Meyer

27.12.2011
!

...ob Herr Döpfner jemals bereit gewesen wäre, bei seiner Firma PIN zu dem dort üblichen Lohn zu arbeiten? 10 Stunden am Tag bei einer 6 Tage-Woche? Sein Gehalt hätte jedenfalls locker gereicht, um Pin am Leben zu erhalten, die Jobs zu sichern und besser zu bezahlen.


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