"Bild" widerspricht Bundespräsident: Diekmann will Wulffs Mailbox-Nachricht veröffentlichen

 

"Bild" hat Äußerungen von Bundespräsident Christian Wulff zu seinem Anruf bei der Zeitung widersprochen. In einem am 4. Januar um 20:15 Uhr von ARD und ZDF ausgestrahlten Interview beantwortete Wulff Fragen von Ulrich Deppendorf (ARD) und Bettina Schausten (ZDF). Neben seinem umstrittenen Hauskredit ging es um seine Anrufe bei Axel Springer. Damit habe er eine Berichterstattung nicht verhindern, sondern lediglich verschieben wollen. 

"Bild" hat Äußerungen von Bundespräsident Christian Wulff zu seinem Anruf bei der Zeitung widersprochen. In einem am 4. Januar um 20:15 Uhr von ARD und ZDF ausgestrahlten Interview beantwortete Wulff Fragen von Ulrich Deppendorf (ARD) und Bettina Schausten (ZDF) (kress.de vom 4. Januar 2012). Neben seinem umstrittenen Hauskredit ging es um seine Anrufe bei Axel Springer (kress.de vom 2. Januar 2012).

Wulff sagte, er habe mit dem Anruf bei Kai Diekmann, dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, eine Berichterstattung nicht verhindern, sondern lediglich verschieben wollen. Dem Deutschlandfunk sagte Nikolaus Blome, der das "Bild"-Hauptstadtbüro leitet: "Das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen. Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden" ("stern.de").

Update"Bild.de" veröffentlichte nun einen Brief von Diekmann, in dem der Chefredakteur den Bundespräsidenten darum bittet, die Anrufbeantworternachricht veröffentlichen zu dürfen. "Um Missverständnisse auszuräumen, was tatsächlich Motiv und Inhalt Ihres Anrufs angeht, halten wir des deshalb vor notwendig, den Wortlaut Ihrer Nachricht zu veröffentlichen", heißt es in dem an Wulff adressierten Schreiben.

Update 2: Wulff lehnt die Veröffentlichung ab. Das Präsidialamt veröffentlichte eine Brief, in dem der Bundespräsident darauf hinweist, dass er sich bereits bei Diekmann entschuldigt habe. "Damit war die Sache zwischen uns erledigt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben", schrieb Wulff. Es stellten sich grundsätzliche Fragen zur Vertraulichkeit von Telefonaten und Gesprächen. Hier hätten die Medien ihre eigene Verantwortung wahrzunehmen.

Wulff bezeichnete den Anruf bei Diekmann als "schweren Fehler", für den er sich bereits entschuldigt habe. In seiner Erklärung vor Weihnachten habe er sich zum Recht der Presse- und Meinungsfreiheit bekannt. Als Bundespräsident wolle er "besonnen, objektiv neutral mit Distanz" agieren. Auf den Einwurf Deppendorfs, dass ein Anruf bei einem Chefredakteur kein Anzeichen von Besonnenheit sei, entgegnete Wulff: "Nein. Ich muss mein Verhältnis zu den Medien herstellen, neu ordnen, anders mit den Medien umgehen, sie als Mittler stärker einbinden und anerkennen." Sie hätten eine wichtige Aufgabe in der Demokratie. Zudem argumentierte Wulff mit dem Stress, den eine solche Auslandreise, während der er bei "Bild" anrief, hervorrufe. Das Interview im Wortlaut hat "Welt.de".

Wulff wird vergeworfen, dass er einen "Bild"-Bericht über seinen umstrittenen Privatkredit verhindern wollte. Am 12. Dezember - ein Tag bevor "Bild" den ersten Artikel zur umstrittenen Hausfinanzierung veröffentlichte - hinterließ der Bundespräsident "Bild"-Chefredakteur Diekmann eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Die Chefredaktion von "Bild" bestätigte den Anruf (kress.de vom 2. Januar 2012). Auch bei Springer-Boss Mathias Döpfner rief Wulff an.

Ihre Kommentare
Kopf

Friedbert Barg

05.01.2012
!

Ich bin sehr enttäuscht von dem, was der Noch-Bundespräsident Wulff gesagt hat - und von "Brechen des Schweigens" kann schon mal gar keine Rede sein. Am besten wäre es, die Bild-Redaktion würde jetzt den Wortluat der Wulff-Nachricht des Bild-Anrufbeantworters veröffentlichen.
Der ist doch noch gespeichert - oder??


Wolfgang Ferencak

Wolfgang Ferencak

EMC Medienberatung / Die Podcastakademie
Geschäftsführer

05.01.2012
!

Wenn ich mal die inhaltliche Frage außen vor lasse ist mir aus der Sicht des Kommunikationstrainers besonders aufgefallen, das Herr Wulf anscheinend einiges zu verbergen hat. Wer sich das Interview einmal genau anhört wird feststellen das er sich nur wenn es um die Rolle des Opfers selbst in den Mittelpunkt seiner Rede stellt "Ich bin überfordert gewesen, ich kenne den und den schon ewig usw. bei allen kritischen Fragen zu seinem Fehlverhalten zieht er sich auf das allgemeine....


Wolfgang Ferencak

Wolfgang Ferencak

EMC Medienberatung / Die Podcastakademie
Geschäftsführer

05.01.2012
!

und unverbindliche man zurück, man muss seine Einstellung zur Presse erneuern, man hat wohl nicht richtig agiert und, und, und, hier zeigt sich das er noch ein paar Leichen im Keller hat was er ja auch bei der konkreten Frage auf diese Möglichkeit gar nicht bzw extrem ausweichend beantwortet hat. Alles in allem war das, für mich, eine schlechte Schmierenkomödie mit dem Ziel den Bürgern Sand in die Augen zu streuen und Mitleid zu schinden. Für die Medien reicht diese Vorstellung jedenfalls nicht


Sven Fischer

05.01.2012
!

Interessant ist sprachlich auch "..ich habe mich..entschuldigt..".
Darin spiegelt sich auch ein Teil des Habitus' wider. Er hat nicht um Entschuldigung gebeten, was sprachlich richtig gewesen wäre und vor allem sachlich der Situation mit etwas Demut angemessen, sondern er entscheidet ("der König bin ich") entschuldigt zu sein/sich entschuldigt zu haben.
Abermals fehlt der sorgfältige Umgang mit der Muttersprache.
Dennoch interessant ist bei alledem, wer eigentlich ein Interesse hat, die deutsche


Hans-Wolfgang Bolz

05.01.2012
!

Ständig diese Wiederholungen der schweren Jugend, das Ausweichen auf konkrete Fragen und diese Entschuldigungen mit dem "auf-die- Tränendrüse-Gedrücke ist miesester Stil. Die Mehrheit des deutschen Volkes will mit Sicherheit nicht - wie er der Meinung ist- dass er Präsident bleibt. Er scheint im höchsten Maße Beratungsresisten zu sein. Als Lehrberuf taugt der Präsidentenstuhl nicht.
Wer seit mindestens 10 Jahren im Beamtenverhältnis lebt und ständig die Verfehlungen anderer - die nicht dieses Au


Iris Fischer

Iris Fischer

HRC HumanResourcesConsulting
HR- & OE-Expertin, Systemischer Coach, Supervisorin (DGSF)

05.01.2012
!

Für mich war dies ein weiterer Beweis, daß die Person des Herrn Wulff das Amt des Bundespräsidenten schwer beschädigt. Verspätete und unzureichende Reaktionen anstelle von rascher Transparenz, überschnelle Aktionen mit schwerwiegenden Beeinflussungsversuchen, stetes verständnisheischendes "man" anstelle von "ich"-Aussagen und die Meinung, dieses mit hohen Würden und Verantwortung versehene Amt dennoch ausüben zu können, zeigen, daß die notwendige Rechtschaffenheit, Reife und Souveränität fehlen.


Reinhold Kopp

05.01.2012
!

Mit Wehmut denkt man an Bundespräsident Roman Herzog zurück, der für sich "Klarheit und Wahrhaftigkeit im Denken und Reden" zur Richtschnur im Amt gemacht hat. Herr Wulff wird nur noch von der gravitätischen Anwandlung des Amtes zusammengehalten; dahinter ist ein tönendes Nichts.


Fritz Tillack

Fritz Tillack

Redaktion Promigefluester/Blog
Redakteur

05.01.2012
!

Viel Lärm um nichts, so könnte man dieses Interview mit unserem Bundespräsident Christian Wulff nennen. Klar ist, wir haben mal wieder keine klare Antworten auf die Fragen von Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten bekommen,sondern unser höchster Mann im Staat bat um Verständnis für sein handeln, Aber genau dieses können wir leider nicht mehr haben.
Wenn es um das Thema Pressefreiheit geht, merkt man ihm an, dass er einiges gerne ändern würde,solange es um seine Person geht. Traurig das ganze.


Peter F. Meyer

05.01.2012
!

Hang em high


Peter Kirch

05.01.2012
!

Zu Update 2 - Ich glaub, ich spinne: Wie kann MAN sich auf Vertraulichkeit berufen, wenn über eine angeblich vertrauliche Mailbox-Aufzeichnung (!?) vorsätzlich unwahr berichtet wird? Veröffentlichen Sie!!!
Mir kam gestern Abend bei dem Gespräch und der sich daran anschließenden Diskussion heute die schöne alte Charakterisierung von bestimmten Menschen in den Sinn: "Die Lücke, die er hinterließ, ersetzte ihn vollkommen!"
Sicher müssen wir auch das schon bald bei dieser Personalie feststellen.


Manfred Gorgus

Manfred Gorgus

SOLAR-professionell
Herausgeber

05.01.2012
!

Bild bietet Transparenz mit der Veröffentlichung von Wulffs Telefonat mit dem Anrufbeantworter. Wulff verweigert und sammelt munter Strafpunkte. Solch Verhalten führt schnell zur Disqualifikation, zumindest moralisch. Zur Schadensbegrenzunghilft irgendwann nur noch der Rücktritt.


Maria Beck

05.01.2012
!

Wenn Herr Bundespräsident Christian Wulff in dem Interview die Wahrheit gesagt hat, müsste er eigentlich selbst daran interessiert sein, dass das Gespräch auf dem AB der Bild-Zeitung veröffentlicht wird.


Barbara

06.01.2012
!

Die Bildzeitung mag ich nicht, aber ich habe auch keine Sympathien für diesen lavierenden Bundespräsidenten, der mit seiner zweiten (jungen) Frau Shows abzieht, dunkle Kreditgeschäfte und blöde Urlaube von Gnaden der "Reichen und Schönen" genießt - das alles ist eines BP ziemlich unwürdig. Dass er nicht an Rücktritt denkt, kann man kaum nachvollziehen. Will er Gesetze unterzeichnen mit dieser korrupten Vergangenheit? Schade für Angela Merkel, er sollte sooo beliebt sein.


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