"Normale Zeitung" und kein "Projekt" mehr: Augstein trennt sich von den Herausgebern des "Freitag"

 

Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung "Der Freitag", hat sich im Dezember von den vier Herausgebern Daniela Dahn, Friedrich Schorlemmer, György Dalos und Frithjof Schmidt getrennt – ohne viel Aufhebens, per Brief. Die ostdeutsche Schriftstellerin Dahn übt nun in Interviews Kritik an Augsteins Entscheidung.

Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung "Der Freitag", hat sich im Dezember von den vier Herausgebern Daniela Dahn, Friedrich Schorlemmer, György Dalos und Frithjof Schmidt getrennt – ohne viel Aufhebens, per Brief.

Die ostdeutsche Schriftstellerin Dahn übt nun in Interviews Kritik an Augsteins Entscheidung. "Die Frage ist, ob es auf Dauer hilfreich ist, sich des kritischen Korrektivs zu entledigen", sagte Dahn am Donnerstag gegenüber der "taz". Dahn und ihre Herausgeber-Kollegen hatten bereits vor dem Verkauf der Zeitung an Augstein im Jahr 2008 diese Funktion ausgefüllt.

Das "Institut der Herausgeber für den 'Freitag'" habe sich überlebt, so Augstein in seinem Schreiben. "Im Laufe der Zeit haben sich unsere Vorstellungen von der Identität der Zeitung zu meinem Bedauern entfernt", beschrieb Dahn ihr Verhältnis zu Augstein gegenüber der "taz". Im Interview mit der Tageszeitung "Junge Welt" (Ausgabe vom Freitag) sagte Dahn, dass sich Augstein "dem alten 'Freitag' gegenüber (...) von Anfang an nicht sonderlich verpflichtet gefühlt" habe. Auf Initiative der Herausgeber habe im November ein Gespräch mit Augstein stattgefunden. Darin sei über die Rolle diskutiert worden, die den Herausgebern inzwischen zukommt. Dahn habe gefordert, wieder "mehr in die Kommunikation inhaltlicher und redaktioneller Fragen einbezogen" zu werden, sagte die Schriftstellerin im "taz"-Interview. Das hätte die Herausgeber zu einem Störfaktor gemacht. Den wollte Augstein, der den "Freitag" nicht nur als Verleger und Geschäftsführer leitet, sondern auch als Autor prägt, offenbar vermeiden.

Die "Frankfurter Rundschau" (Online-Ausgabe vom Freitag) vermutet als Grund für die Trennung, einen von Dahn verfassten Artikel, der im vergangenen Sommer nicht im "Freitag" erschienen war. Darin habe Dahn eine gewisse Sympathie zu Libyen und dem damals noch lebenden Diktator Gaddafi erkennen lassen. Augstein habe mit einer Veröffentlichung des Artikels von Herausgeberin Dahn nicht den Eindruck erwecken wollen, dass es sich bei der von Dahn vertretenen Meinung um die Linie des Blattes handelt.

"Der Freitag" verkauft laut IVW zurzeit eine Auflage von 13.929 Exemplaren.

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