Neue Details: Wulff hat auch auf Döpfners Mailbox gesprochen

08.01.2012
 

Bundespräsident Christian Wulff hat nicht nur dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, gedroht, sondern auch Mathias Döpfner, dem Vorstandschef der Axel Springer AG. Der Springer-Verlag hatte bereits vergangene Woche bestätigt, dass Wulff bei Döpfner interveniert habe. Jetzt gibt es weitere Details: Wulff soll Döpfner laut "Spiegel" nicht persönlich erreicht haben, hinterließ aber eine Nachricht auf Döpfners Mailbox.

Bundespräsident Christian Wulff hat nicht nur dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, gedroht, sondern auch Mathias Döpfner, dem Vorstandschef der Axel Springer AG. Der Springer-Verlag hatte bereits vergangene Woche bestätigt, dass Wulff bei Döpfner interveniert habe (kress.de vom 2. Januar 2012). Jetzt gibt es weitere Details: Wulff soll Döpfner laut "Spiegel" nicht persönlich erreicht haben, hinterließ aber eine Nachricht auf Döpfners Mailbox. Die Wortwahl des Präsidenten soll dabei ähnlich ausgefallen sein wie gegenüber Diekmann: Von Empörung über "Bild" soll die Rede gewesen sein, von einer Kampagne und ungerechtfertigter Skandalisierung, schreibt der "Spiegel" mit Bezug auf den Springer-Verlag.

Döpfner habe Wulff zurückgerufen und einen aufgebrachten Präsidenten am Telefon gehabt. Wulff sei sehr deutlich geworden. Wenn der Artikel über seinen Privatkredit erscheine, so werde Wulff im Verlag zitiert, dann bedeute das Krieg zwischen dem Bundespräsidialamt und Springer bis zum Ende von Wulffs Amtszeit. Das Bundespräsidialamt verwies auf "Spiegel"-Anfrage darauf, dass Wulff über Vieraugengespräche und Telefonate grundsätzlich keine Auskunft gebe.

Neue Details zu Wulffs Nachricht an Kai Diekmann

In der Nachricht auf dem Handy von "Bild"-Chefredakteur Diekmann sagte Wulff laut "Spiegel" mit Bezug auf die Recherchen von "Bild": "Ich habe alles offengelegt, Informationen gegeben, mit der Zusicherung, dass die nicht verwandt werden. Die werden jetzt indirekt verwandt, das heißt, ich werde auch Strafantrag stellen gegenüber Journalisten morgen, und die Anwälte sind beauftragt." Die "Bild"-Redakteure hätten vor Wulffs Abreise in die Golf-Region im Schloss Bellevue Einsicht in den Kreditvertrag bekommen und so erfahren, dass Wulffs Kreditgeberin Edith Geerkens war. Nach Darstellung des Präsidialamtes soll"Bild" zugesichert haben, den Namen nicht zu nennen, solange es sich nicht um Maschmeyer oder einen anderen Großunternehmer handle; "Bild" bestreitet das laut "Spiegel". Dem Magazin liegt der Wortlaut von Wulffs Nachricht als Abschrift vor, die unmittelbar nach dem Gespräch gefertigt wurde.

Wulff soll demnach auch gefragt haben, warum "Bild" nicht akzeptieren könne, "wenn das Staatsoberhaupt im Ausland ist, zu warten, bis ich Dienstagabend wiederkomme, also morgen, und Mittwoch eine Besprechung zu machen, wo ich mit Herrn ... den Redakteuren rede, wenn Sie möchten, die Dinge erörtere, und dann können wir entscheiden, wie wir die Dinge sehen, und dann können wir entscheiden, wie wir den Krieg führen." Wulff habe damit zwar tatsächlich um eine Verschiebung der Geschichte um einen Tag gebeten, habe aber andererseits mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht.

Hintergrund: Bundespräsident Wulff hatte sich am vergangenen Mittwoch für den Anruf bei Kai Diekmann öffentlich entschuldigt und ihn als schweren Fehler bezeichnet. Einen Anruf bei Mathias Döpfner erwähnte er in einem Fernsehinterview nicht. Wulff bestreitet, mit seiner telefonischen Intervention bei Diekmann die "Bild"-Berichterstattung über seinen Hauskredit verhindern haben zu wollen. Es sei ihm nur um eine Verschiebung um einen Tag gegangen (kress.de vom 5. Januar 2012).

Ihre Kommentare
Kopf

Tobias Mandelartz

08.01.2012
!

Peter F. Meyer

08.01.2012
!

...verschieben wir doch die Neuwahl eines Bundespräsidenten um 3 1/2 Jahre nach vorne.


Clara von Springer

08.01.2012
!

In einem Land, in dem Chefredakteure den Wert ihrer Aktienpakete durch Gefälligkeitsartikel ihrer eignen Wirtschaftsredaktion steigern lassen, in einem Land, in dem Chefredakteure die Buchauflagen ihrer Gattinnen mit Hilfe des ihnen anvertrauten Mediums steigern....in diesem Land gelingt auch im Namen der Pressefreiheit eine Neidkampagne wegen einer Klinkerhütte in Burgwedel.
Also fix den rechten Schuh aufs Stöckchen und den von BILD angezettelten Flashmob vor Bellevue auf den Leim gehen.


AKS

09.01.2012
!

@Clara von Springer: Nun seien SIE mal nicht neidisch auf die erwähnte Chefredakteurs-Gattin. Die schafft ihre Auflage garantiert auch ohne Ehegatten-Unterstützung. Viele Schreiberlinge wären glücklich, wenn sie (Sie?) auch so witzig schreiben könnten... Merke: Bitte nicht allen Gattinnen über einen Kamm scheren!


AKS

09.01.2012
!

@Clara von Springer / PS: Und abgesehehen davon - Unrecht muss Unrecht bleiben. Hat nicht per se was mit Neid zu tun...


Bitte löschen! Danke!
09.01.2012
!

Zufall? Heute ist das Protokoll endlich veröffentlicht und Bild berichtet nichts von Wulff aber dafür.... http://www.bild.de/politik/inland/doris-schroeder-koepf/ehefrau-von-schroeder-fuer-spd-in-niedersachsen-landtag-21964320.bild.html


Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

09.01.2012
!

Dem Bundespräsidenten Salamitaktik vorzuwerfen ist natürlich besonders entzückend, wenn man selbst täglich ein neues Scheibchen nachreicht … direkt oder noch lieber über Bande (den die "seriösen" Medien schnappen ja begierig nach jedem Happen, den der ehrenwerte Kai ihnen vorwirft). Wenn das Match Bild vs. BP Ende der Woche immer noch nicht enschieden ist folgen die Detailchen aus dem Gespräch mit Friede Springer. Ätzend.
Hape:
http://www.blu.fm/subsites/detail.php?kat=Gesellschaft&id=5686


Martin Reininghaus

09.01.2012
!

Warum haben die Medien nicht bereits vor der Wahl des Bundespräsidenten die schon bekannten Vorwürfe genannt? Welche Anschuldigungen gegen den BP schlummern noch in den Schubladen der Redaktionen, um dann das Feuer der Verleumdungen wieder rechtzeitig anfachen zu können? Die anderen Ministerpräsidenten müssten doch auch öffentlich bekanntgeben, bei welchen Freunden sie kostenlos gegessen haben, wann sie den Dienstwagen privat genutzt haben, sich Geld geliehen haben etc....


Josef Thaler

09.01.2012
!

Wulf hat sicher schlecht reagiert, jedoch ist er auch von Springer brutal in die Defensive gedrückt worden. Der Verlag geniesst die öffentliche Akueptanz und den Stellenwert, obwohl die Bildzeitung die größte Dreckschleuder ist. Die letzen Werte gehen auch noch von Bord. Traurig.


Werner Semmler

werner Semmler

Regionalia Deutschland, investigatives Nachrichtenportal und Presseagentur
Publizist & freier Journalist

09.01.2012
!

Das vollständige Protokoll des Präsidenten-Anrufes darf kein Phantom bleiben.
Warum? Das habe ich ausführlich begründet.

http://www.regionalia.de/das-phantom-der-wulff-bild-oper-wulffs-corpus-delicti-muss-auf-den-tisch_A5908


Marcel Burkard

10.01.2012
!

Wulf hat "Bild" Homestory in Bellevue verweigert - obwohl die ihn vorher so eifrig hochgeschrieben haben! Böser Präsi, das hat er jetzt davon! Ob es wirklich eine Homestory in Bellevue war? Jedenfalls hat Wulf offensichtlich irgendwo gegen das "Eine Hand wäscht die andere"-Prinzip verstoßen. Pech nur, dass der Präsi CDU-Parteipolitker war und deshalb gerade unter Journalisten mindestens 50% Feinde hat, die ihm auch ein kümmerliches Ziegelhäuschen missgönnen. Und jetzt sogar der Bild huldigen!


Thomas Bauer

10.01.2012
!

Nachdem der (ob nun originäre oder nicht ) HaPe-K-Text nicht mehr am sagenhaften Pressefreiheits-Denkmal und Moralträger Bild kratzen kann, ein sehr lesenswerter Text auf

http://www.evangelisch.de/themen/medien/wulff-auf-bild-reise-von-wolke-7-ab-in-die-w%C3%BCste55953


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