G+Js "Couch" im kress-Check: Zwischen "Shoppingbibel" und Katalog

 

Farbenfroh und ganz schön propper zeigt sich das jüngste Baby der Gruner + Jahr-Familie – und das, obwohl es ein Frühchen ist. Ursprünglich sollte das Wohn- und Fashionmagazin "Couch" Ende des Monats erscheinen, jetzt liegt das 228-Seiten-starke Heft bereits vom 11. Januar an am Kiosk.

Farbenfroh und ganz schön propper zeigt sich das jüngste Baby der Gruner + Jahr-Familie – und das, obwohl es ein Frühchen ist. Ursprünglich sollte das Wohn- und Fashionmagazin "Couch" Ende des Monats erscheinen, jetzt liegt das 228-Seiten-starke Heft bereits vom 11. Januar an am Kiosk.

Nicht weniger als eine "Shoppingbibel par excellence" will Chefredakteur und "kress Kopf des Jahres" Stephan Schäfer wohninteressierten und kauffreudigen Frauen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren in die Handtaschen legen. Vor allem mit der Kompetenz und Kraft des ebenfalls von ihm geführten Titels "Schöner Wohnen" will der 37-Jährige potenzielle Leserinnen überzeugen (mehr siehe Interview). "Couch" soll Lust auf Konsum machen. Die Seiten sind angefüllt mit Produktempfehlungen, Shopping-Tipps und v.a. kunstvoll inszenierten Wohn- und Modefotografien. Die Gestaltung wirkt, wie es sich für ein Wohnmagazin gehört, nicht vollgestopft – eher liebestrunken, was der Claim "I love my home" nahelegt.

Dass es bei "Couch" um Leidenschaft und die "Begeisterung für alles Schöne" (Welcome der Redaktion) geht, bestätigt ein Blick auf das quietsch-bunte Cover. Jede Winterdepression dürfte sich bei diesem farbgewaltigen Anblick sofort verflüchtigen. Ob der Mix aus Wohnideen, Modenschau und Beautytipps die Herzen der anvisierten Zielgruppe tatsächlich erobert, will G+J in den kommenden Wochen analysieren. Schäfer hält sich bedeckt, was die Erfolgskriterien des Heftes angeht: "Als gutes Magazin wird es seine Auflage machen." Falls dies gelingt, soll "Couch" ab Herbst monatlich erscheinen. Die Startauflage liegt bei 200.000 Exemplaren.

Schwerpunkt der Testausgabe ist das Wohnen in kleinen Räumen. Die Redaktion präsentiert kleine Behausungen und ihre Bewohner in Utrecht und New York, erklärt, wie man optische Weite zaubern kann, und navigiert die Leserinnen durchs Netz zu den Webseiten fürs passende Interieur.

Randvoll, aber trotzdem nicht immer ordentlich

Ordentlich geht es in dem Heft allerdings nicht immer zu – und das trotz einer Geschichte zum leidigen Thema Aufräumen. Da wandern etwa Homestorys aus der entsprechenden Rubrik in die "Living"-Sparte. Und obwohl diverse Shopping- und Service-Seiten das Heft durchziehen, finden sie im Inhalt so gut wie gar nicht statt. Auch für mögliche kommende "Couch"-Ausgaben sind die Rubriken "Living", "Homestorys", "Fashion & Beauty" und "Selfmade" gesetzt.

Online soll sich unter www.couch-mag.de ab dem 11. Januar eine Zone des guten Geschmacks breit machen. Weniger klassische Website, mehr Interaktionsplattform für Leser, Blogger und Redakteure soll das Portal werden. Allerdings bleibt die Seite, die Print- und Digitalkanäle miteinander verbinden soll, so lange ein "heftbegleitender Onlineauftritt", bis über die Zukunft von "Couch" entschieden ist.

Obwohl der Heftpreis zum Markteintritt mit zwei Euro für das Pocketformat recht niedrig angesetzt ist, merkt man spätestens mit Blick auf die Preise der beschriebenen Produkte, dass "Couch" keine Zeitschrift für Studenten ist. Für den wirklich kleinen Geldbeutel sind die Inhalte dieses Heftes nicht gemacht. Eine Geschichte über Lieblings-Sofas – in einem Magazin mit dem Titel "Couch" darf solch ein Stück natürlich nicht fehlen –, die ab 99 Euro zu haben sein sollen, wird Schnäppchenjäger enttäuschen. Gerade mal ein Sofa (das von Ikea) ist für weniger als 100 Euro zu haben. Die meisten der vorgestellten Lümmelliegen kosten mehr als 2.000 Euro.

Auch ein Blick auf die im "Couch"-Erstling versammelten Anzeigenkunden zeigt, dass hier die Klasse von "Schöner Wohnen" dominiert. So haben u.a. Hülsta, Duravit, Bosch, Siedle, Pandora und Schwarzkopf ganze Seiten gebucht. Stephan Schäfer hält "Couch" für ein „für den Anzeigenmarkt hoch attraktives Produkt. Es schafft, jüngere Zielgruppen zu mobilisieren." Und weil bis zu 80% der Produkte sofort über das Netz bestellbar seien, "ist das Heft sehr schnell konsumierbar". Was es von einem reinen Katalog abhebt, erklärt Stephan Schäfer im Interview mit kress.

"Couch"-Chefredakteur Stephan Schäfer im Interview:
"Die Leute sind heute auf großer Trendschau"

kress: Was unterscheidet "Couch" von einem besser gemachten Produktkatalog?
Stephan Schäfer: Jede gute Frauen- und jede gute Wohnzeitschrift ist eine Produktschau. Die Leute kaufen sich eine Wohnzeitschrift, weil sie ganz konkret auf der Suche nach neuen Dingen sind. Unsere Aufgabe ist es dann, aus den tausenden Produkten, die auf dem Markt sind, die zehn schönsten herauszusuchen. Ich glaube, man braucht echtes Know-how, um zu sagen, das ist eine angesagte Designerlampe oder ein tolles Vintage-Accessoire im Preissegment zwischen 35 und 150 Euro. Das ist eine Kunst. Ein Katalog ist lediglich eine Produktanordnung eines Herstellers.

kress: Verlagsleiter Matthias Frei ist überzeugt, mit "Couch" die Lücke zwischen den klassischen Wohn- und Lifestyle-Magazinen zu schließen. Welche Ziele haben Sie mit "Couch"?
Schäfer
: Wir möchten ein erfolgreiches Heft machen, das den Leser- und Anzeigenmarkt gleichermaßen erreicht. Die Aufgabe von "Couch" ist es, Lust auf Wohnen und Fashion zu machen. "Couch" ist eine Shoppingbibel par excellence. "Couch" soll stylisch, international, weltgewandt und groß sein. Und wir hoffen, dass das Konzept, das wir jetzt vorgelegt haben, von den Leserinnen schnell verstanden und für gut befunden wird.

kress: Seit mehr als einem Jahr haben Sie bei G+J über dem "Couch"-Konzept gebrütet. Haben Sie sich eigentlich über "Hollyhome", ein Projekt der Burda-Journalistenschüler geärgert, das Mitte September in den Markt ging (kress.de vom 14. September 2011)?
Schäfer: Nein, überhaupt nicht. Um es genau zu nehmen, hat "Schöner Wohnen" bereits im Januar/Februar 2011 Ausgaben im Pocketformat getestet. Mir war bekannt, dass "Hollyhome" die Abschlussarbeit von Journalistenschülern ist.

kress: "Hollyhome" ist mit 50.000 Exemplaren gestartet und angeblich hinter den erwarteten Verkaufszahlen zurückgeblieben. Sie starten mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren in den Markt. Machen Ihnen solch bescheidene Aussichten nicht Angst?
Schäfer: Wir gehen mit viel Zuversicht in ein neues Segment und sind sicher, mit der Verbindung  der Lifestyle-Themen Wohnen, Mode, Beautydie Zielgruppe der 20- bis 34-jährigen jungen und wohninteressierten Frauen begeistern zu können. Bislang gab es keine Zeitschrift, die das junge Wohnen in diesem Maße anspricht und dieses Thema mit anderen Genres kombiniert. Wer sich heute für Lifestyle und Trends interessiert, der trennt nicht zwischen: Wie wohne ich, wie kleide ich mich, wie reise ich, wie schminke ich mich. Die Leute sind heute auf großer Trendschau, die sie für sich entdecken möchten. Wenn heute in der Mode Orange angesagt ist, dann finden sie das im Wohnen auch. Dem versuchen wir Rechnung zu tragen.

kress: Sie wollen Frauen zwischen 20 und 34 Jahren erreichen. In absehbarer Zeit wird diese Zielgruppe hauptsächlich im Internet unterwegs sein. Warum braucht es da eine Zeitschrift?
Schäfer: Wohnen ist immer noch ein Thema, das im Print überzeugt. Das beweist auch nachhaltig der Erfolg von "Schöner Wohnen". Gleichzeitig fahren wir aber natürlich mit einem jungen Magazin wie "Couch" einen 360-Grad-Ansatz, der unter anderem auch Online- und Social-Media-Aktivitäten umfassen wird.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.