Diekmann antwortet der "taz" à la Wulff: "Punkt erreicht, wo die Aller überschritten ist"

14.01.2012
 

Ihre Hassliebe verbindet sie seit Jahren. Jetzt gibt es einen neuen, höchst unterhaltsamen Akt im Stück "'taz' gegen Kai Diekmann": Die "taz" hat dem "Bild"-Chefredakteur am Freitagmorgen eine "Liste mit ungeklärten Fragen" geschickt. Es geht dabei um die Rolle der "Bild" in der Wulff-Affäre. Wann wurde der Inhalt der Mailbox an wen weitergegeben? Und wie? Als Tondokument oder in schriftlicher Version? Kai Diekmann hat umgehend geantwortet, stilsicher im Duktus des Bundespräsidenten.

Ihre Hassliebe verbindet sie seit Jahren. Jetzt gibt es einen neuen, höchst unterhaltsamen Akt im Stück "'taz' gegen Kai Diekmann": Die "taz" hat dem "Bild"-Chefredakteur am Freitagmorgen eine Liste mit ungeklärten Fragen geschickt. Es geht dabei um die Rolle der "Bild" in der Wulff-Affäre. Wann wurde der Inhalt der Mailbox an wen weitergegeben? Und wie? Als Tondokument oder in schriftlicher Version? Die Anfrage ist mit einer Frist bis Montag 16 Uhr versehen. Die "taz" verspricht sich mit diesem Fragenkatalog weitere Transparenz im Fall Christian Wulff.

Kai Diekmann hat umgehend geantwortet, am Freitag gegen 13 Uhr, stilsicher im Duktus des Bundespräsidenten. kress liegt Diekmanns satirische E-Mail-Antwort à la Wullff an die "taz" vor. Darin schreibt Diekmann, dass er die "taz"-Redaktion gerade  zu ihrer Anfrage anrufen wollte, allerdings habe er nicht mal die Mailbox erreicht. Daher schreibe er nun schnell:

Ich bin gerade auf dem Weg nach Ludwigshafen zum Altkanzler und deshalb im
Moment sehr eingespannt, weil ich jeden Tag von 10 bis 12 Uhr Termine
habe. In den letzten Tagen war ich in Berlin-Mitte, Kreuzberg,
Charlottenburg, Dahlem und Potsdam unterwegs und jetzt erreicht mich Ihre
Anfrage. Ich bitte sehr um Vergebung, aber wenn der Artikel, den Sie
planen, wirklich erscheinen sollte, werde ich meine tazPresso-Tassen
zurückschicken und meine taz-Anteile dem AWD zur Weitervermarktung zur
Verfügung stellen.

Da das mir von Ihnen gestellte Zeitfenster denkbar knapp ist, bitte ich
Sie ganz herzlich um einen Aufschub, bis ich Donnerstag wieder im Büro
bin. Dann lade ich Sie auch gerne ein und wir können ausführlich über
alles sprechen. Sie sollten sich aber bitte sehr genau überlegen, ob Sie
das wirklich wollen. Das Verhältnis zwischen taz und BILD ist in der
letzen Zeit von großer Harmonie geprägt. Sie riskieren gerade den Bruch
zwischen unseren Häusern. Können Sie denn nicht akzeptieren, dass der
wichtigste Journalist des Landes auch mal ein paar Tage unterwegs ist, um
ein paar Freunde zu besuchen!?

Da ich Sie nicht persönlich erreichen konnte und selbst auch keinen
Empfang habe, bitte ich Sie höflichst, unseren Pressesprecher anzurufen.
Wir sollten uns dann wirklich am Donnerstag zusammensetzen und darüber
entscheiden, ob und wie wir in die Schlacht ziehen wollen.

Ich entschuldige mich noch einmal sehr bei Ihnen für meinen Anruf. Das
habe ich wirklich noch nie tun müssen, aber hier ist jetzt ein Punkt
erreicht, wo für mich und meine Sekretärin wirklich die Aller
überschritten ist.

Ihr
Kai Diekmann


Erst am Ende der Mail wird der Chefredakteur der "Bild" ernst, eine Zeile lang. Im Post Scriptum verspricht Diekmann: "Im Ernst, selbstverständlich erhalten Sie pünktlich Ihre Antworten". Die "taz" kündigte daraufhin auf ihrer Website an: "Am Montag wird es somit weitere Aufklärung geben: Welche Rolle spielt die 'Bild' in der Affäre des Bundespräsidenten? Nicht nur die 'taz' wartet auf Antworten."

Hintergrund: Bundespräsident Christian Wulff lehnt eine Veröffentlichung seiner Mailbox-Nachricht an Kai Diekmann ab. Zahlreche Medien haben aber inzwischen Inhalte der Mitschrift von Wulffs Botschaft veröffentlicht. Daraus geht laut "Spiegel Online" sowohl hervor, dass Wulff um eine Verschiebung des Artikels bat, zugleich aber auch juristische Schritte angekündigt und eine Pressekonferenz zu den journalistischen Methoden der "Bild"Zeitung in Aussicht gestellt hatte.

Ihre Kommentare
Kopf
Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

14.01.2012
!

Ach was hat er Humor der wichtigste Journalist des Landes… er findet doch tatsächlich die naheliegendste Form der Replik und offenbart, dass er alles als großes zynisches Sandkastenspiel betrachtet.


Thomas Bauer

14.01.2012
!

sorry, Würfelspiel natürlich, jetzt ist die Aller auch bei mir gefallen… ;–)


Hartmut Klenke

14.01.2012
!

Ein schlechtes Stück mit schlichten Hauptdarstellern. Nur - mit der Pressefreiheit in diesem Lande hat das nix zu tun!


Hartmut Klenke

doc.station Medienproduktion GmbH
Produzent

14.01.2012
!

Ein schlechtes Stück mit schlichten Hauptdarstellern. Nur - mit unserer Pressefreiheit hat das nix zu tun!!!


Markus Dorst

14.01.2012
!

Sehr stilsicher und sehr amüsant. Mal sehen, wie Montag die Fragen und Antworten aussehen.


Bitte löschen! Danke!
15.01.2012
!

Erstklassiger Artikel! Danke Kress. Die Wulff-Diekmann-Soap ist echt verdammt gut!


Sigi Hirsch

Sigi Hirsch

PoetryART

16.01.2012
!

Wenn das so weitergeht, dann macht die BILD der "titanic" noch Konkurrenz.
Aber das Wulff Chefredakteur bei "Titani" werden soll, halte ich für ein
Gerücht.
Obwohl----- aber lassen wir das!


Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

16.01.2012
!

@ Sigi Hirsch: In der Auflage nähern sie sich ja schon zart an…


stefanibus

17.01.2012
!

wer hätte gedacht das Diekmann über diese Angelegenheit intern so laut und so höhnend lacht. Das ist keine besonders verantwortungsvolle oder gewissenhafte Antwort. Er sucht ausflüchte und möchte sich in den Humor reten. Fatale Offenbarung!


Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

17.01.2012
!

@stefanibus:
Exakt. Er hat wohl nicht damit gerechnet, das er einmal den Spiegel vorgehalten bekommt, worin er sein Innerstes erblickt, der Prinz Kai. Und an deren Ende die große Frage „Sein oder nicht sein" stehen könnte, wenn er und seine Chefin die selben Moral-Maßstäbe auch nach Innen anlegen würde. Denn aller (sic!) versprochenen Aufklärung über die Rolle des Hauses in der jungen Vergangenheit zum Trotz: Es ist nach wie vor was faul im Hause Springer. Es ist Wahnsinn – und es hat Methode!


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